Presseschau
zusammengestellt von Jupp Braun
Rheinische Post vom 13.4.2007
http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/politik/deutschland/427584
Oettingers umstrittene Ausrutscher
Stuttgart (RPO). Mit seiner umstrittenen Rede zum Tod von Hans
Filbinger
hat der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU)
für Aufregung gesorgt. Wieder einmal. Denn es war bei weitem nicht der
erste Ausrutscher, der Oettinger - bewusst oder unbewusst - unterlief.
[...]
In ein Fettnäpfchen tappte Oettinger auch Jahre zuvor, als er bei einer
Jubiläumsfeier seiner schlagenden Studentenverbindung "Ulmia", der er
seit Studententagen angehört, die erste Strophe der Nationalhymne
mitschmetterte.
Ein weiterer Ausrutscher ganz anderer Art: Vom
Verein
Deutscher Sprache wurde Oettinger 2006 zum "Sprachpanscher des Jahres"
ernannt, weil er die deutsche Sprache im Vergleich zu Englisch als
"Sprache der Familie und der Freizeit" und "Sprache, in der man Privates
liest" bezeichnet hatte.
Oberöstereichische Nachrichten vom 14.4.2007
http://www.nachrichten.at/aufgespiesst/538440
Muss man haben!
Machen Sie mit beim Lach-Sharing!
Leser Wilhelm H. aus Linz hat sich schier zerkugelt vor Lachen und ist
so
nett, dieses Vergnügen mit anderen zu teilen. Auf Denglisch würde man
"Lach-Sharing" dazu sagen.
Es begann damit, dass Herr H. eine Werbung zugesandt bekam, die ihm die
"Must-haves des Jahres" ans Herz legte. Das macht natürlich neugierig,
denn man möchte ja wissen, was man heuer haven must, wenn man dazugehören
will.
Sogar Leute, die von den aktuellen Designerfetzen bis zum Cabrio in der
Modefarbe der Saison schon alles haben, werden überrascht sein, dass zu
den Must-haves auch Topfuntersetzer um 14,95 Euro gehören. Doch das nur
am Rande. So richtig begann der Fun für Herrn H. erst, als er auf
"Eiclack" stieß.
Eiclack? Die Must-have-Werbeleute müssen geahnt haben, dass es bei diesem
Ding Erklärungsbedarf gibt. Und haben es mit einem Wort erklärt:
Eierschalensollbruchstellenverursacher.
Da zuckt sogar ein Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän mit der
Wimper, oder? Wir schließen uns der Forderung von Herrn H. an, dass
Eierschalensollbruchstellenverursacher ein Must-have sein sollte, wenn
das Wort des Jahres gewählt wird.
Vom Gefühl her dürften die Chancen gut stehen, wenngleich man mit starker
Konkurrenz rechnen muss. Man spricht ja viel von gewissen
Wahlversprechensbruchverursachern, und die
Glaubwürdigkeitsdefizitverursacher beim Eurofighter sind auch in aller
Munde.
Den Werbeleuten rufen wir zu: Ja, wir kaufen einen
Eierschalensollbruchstellenverursacher - aber nur, wenn ihr das auf
Denglisch sagen könnt.
Oberösterreichische Nachrichten vom 5.4.2007
http://www.nachrichten.at/aufgespiesst/535557
So manches Hirn ist klein
Diverse Drecksportarten sind zunehmend trendy.
Vorgestern durften wir berichten, dass das Land Niederösterreich seine
Bewohner mit dem coolen Denglisch-Slogan "Stopp Littering" davon abhalten
will, Müll in die Landschaft zu schmeißen.
Solche Meldungen beleben die Phantasie. Leserin Eva Sch. aus Wels zum
Beispiel kann sich vorstellen, dass die Menschen "Stopp Litering"
verstehen und glauben, damit sei das Saufen gemeint. Und Leserin Brigitte
H. merkt an, dass auch bei uns immer mehr Müll an den Straßenrändern
liegt.
Zweifellos sind das Freestyle-Dosenwerfen aus fahrenden Autos und
verwandte Drecksportarten zunehmend trendy. So manches Fahrerhirn ist
klein und hält halt so das Auto rein. Aber wieso will man das in
Niederösterreich mit "Littering" schönreden, wo doch Drecksau ein ebenso
volksnahes wie herzhaftes Wort ist?
Andere Bundesländer achten auch streng auf Reinhaltung. Kärntens Jörg
Haider, der mehr zu Glitter neigt, ist empört, dass sein schönes Land
durch die Anwesenheit des Untersuchungshäftlings Helmut Elsner in
schmutzige Schlagzeilen gerät. Der muss weg, verlangt Haider, aber dalli!
Nachdem man aus Kärnten schon viel von sauberen Herrschaften gehört hat,
wundert man sich darüber kaum. Nur eines ist kurios: War es nicht gerade
Haiders BZÖ, das am lautesten geschrien hat, Elsner müsse schleunigst
nach Österreich geholt werden? Jetzt, wo er da ist, ist es auch wieder
nicht recht.
Seltsam sind die Wege der Politik, der man öfter "Stopp Wütering" zurufen
möchte.
Gefunden in der Süddeutschen Zeitung März 2007
http://www.sueddeutsche.de/kultur/bildstrecke/847/106741/p0/?img=7.0
"...jeder muss im job permanently seine intangible assets mit high
risk
neu relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings
sprengen, damit der cash-flow stimmt. Wichtig ist corporate-identity, die
mit perfect customizing und eye catchern jedes Jahr geupgedatet wird!"
Hilmar Kopper, vormaliger Vorstandsprecher der Deutschen Bank
Heilbronner Stimme vom 3.4.2007
http://www.stimme.de/nachrichten/heilbronn/art1925,981678.html?fCMS=
0c2289e20b7ffcb6efec2ee614a88d21
Wenn der Nicht-Ökonom nur noch Denglisch versteht
HEILBRONN - Am einen Tag zum Girl's Day bei der Arbeitsagentur,
dann nach
dem Get together in der IHK Statements lauschen und hinterher zur After
Work Party - wer sich in Wirtschaft und Berufswelt umhört, kommt an
englischstämmigen Begriffen kaum noch vorbei. Nicht allen ist jedoch wohl
dabei.
"Wir machen das normalerweise nicht, weil unsere Handwerker das auch
nicht so gerne haben", berichtet Kerstin Lüchtenborg, die bei der
Handwerkskammer gerade den Girl's Day organisiert. "Es hängt mir auch
fast selber zum Halse raus." Dennoch: Die Veranstaltung, bei der junge
Mädchen an technische Berufe herangeführt werden sollen, hat sich unter
diesem Begriff eingebürgert. "Das ist ein Markennamen geworden", meint
auch Karl-Heinz Brosi von der Arbeitsagentur Heilbronn.
Wo die Handwerkskammer noch zurückhaltend ist, verwendet die IHK Englisch
und Denglisch recht häufig. "Das ist einfach inzwischen gebräuchlich",
sagt Sprecher Achim Ühlin. "Die Frage ist eher, ob es sich nicht bereits
eingebürgert hat. "
Vor einigen Wochen erst hat Steffen Schoch zum "Unternehmensmatching"
eingeladen. Was der Laie nicht versteht, umschreibt der Geschäftsführer
der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH (WHF) mit "Eheanbahnung
zwischen Firmen". Selbstkritisch räumt er ein: "Ich denke, dass das zum
einen eine Modeerscheinung ist, um zu zeigen: Ich gehöre auch dazu. Und
wo es um Investments und Venture Capital geht, ist es wohl Teil des
Business, dass man manchmal von Dingen erzählt, die andere nicht
verstehen."
Zum anderen sei es bei international tätigen Unternehmen nicht abwegig,
sich englischer Begriffe zu bedienen - die Firmen seien weltweit
unterwegs, und die Sprache der Technik ist Englisch. "Bevor man dann ein
deutsches Wort sucht, verwendet man es lieber gleich in Englisch und
jeder weiß, was es heißt." Andererseits: "Ich frage mich schon manchmal,
was meine Großmutter da denken würde. Sie müsste sich fühlen wie in einer
anderen Welt." Auch Peter Heinke, Geschäftsführer der Innovationsfabrik
Heilbronn, erkennt den Spagat: International ausgerichtete Firmen müssen
englische Begriffe verwenden, vieles hat sich auch schon eingebürgert.
Für Jungunternehmer verkörpere Englisch Kreativität, Jugend und Dynamik,
die Computertechnik tue ein übriges, einige Begriffe würden bereits im
Studium gelehrt. Doch Steffen Schoch hält dagegen: "Manchmal habe ich
schon das Gefühl, dass das denglische Imponiergefasel einiger
Business-People vor allem heißt, die Dinge nicht beim Namen zu nennen."
Süddeutsche Zeitung vom 3.4.2007
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/596/108488/
"Totale Überbezahlung für eine totale Pfeife"
Der Würzburger Wirtschaftsprofessor Ekkehard Wenger über seinen
Widerstand
auf der Daimler-Chrysler-Hauptversammung am Mittwoch, über
Ex-Vorstandschef
Jürgen Schrempp und die Aktionärsdemokratie.
[...]
sueddeutsche.de: Sie wollen per Satzungsänderung bewirken, dass der
Konzern wieder Daimler-Benz heißen soll. Das Management aber favorisiert
zum Beispiel den Namen "Daimler Group". Was spricht für Daimler-Benz?
Wenger: Erstens weil es die Historie des Unternehmens Daimler-Benz war -
und zweitens, weil Daimler Group ein dusseliger Anglizismus ist. Das
Unternehmen hieß während seiner ganzen Geschichte Daimler-Benz.
sueddeutsche.de: Vorstände lieben in Zeiten der Globalisierung nun mal
gerne internationale Namen.
Wenger: Deshalb kann man sich trotzdem Daimler-Benz nennen.
Nordwest-Zeitung vom 21.3.2007
http://www.nwzonline.de/index_aktuelles_artikel.php?Ressort=&C=0&id=1259725
Denglischland
RINGEN UM DEUTSCHE SPRACHE
Wenn Flyer die Highlights verdeutlichen, Statements ein Event ankündigen
und die Anti-Aging-Creme versagt, dann wird selbst der Totengräber zum
Funeralmaster. Da helfen weder Joghurts mit Weekend Feeling noch Romantic
Dreams im Radio: Etwas stimmt nicht in unserem Land. Aber eigentlich ist
es schon seit Jahren nicht mehr unser Land.
Es ist nicht mehr Deutschland, es ist Denglischland geworden. Wir werden
im eigenen Staat zu Ausländern.
Wir erniedrigen uns selbst. Wir reagieren mit einem peinlichen,
vorauseilenden Gehorsam in Richtung Amerika: Englisch kann nur gut sein!
Anglizismen müssen her! Wir brabbeln Deutsch und Englisch verhunzend
durcheinander, finden das modern, halten das für international. Aber sind
diejenigen fremdwortfressende Deutschtümler, die sich für die schöne
deutsche Sprache einsetzen? Die Klarheit und Verständlichkeit lieben?
Gewiss nicht. Man sollte auch im vereinigten Europa in seiner Sprache
sprechen, nicht im Kauderwelsch.
Doch weder Bahn noch Telekom, um nur zwei deutsche Unternehmen zu nennen,
denken auch nur entfernt an die Sprache ihrer Kunden. Gäste werden
gnadenlos zum Counter oder Meeting-Point gehetzt. Kein Kunde findet das
gut. Jugendliche fühlen sich durch Denglisch-Werbung billig angesprochen.
Ältere, die teilweise gar keinen Englischunterricht hatten, reagieren
verunsichert. Alle haben nichts davon. Man sollte es machen wie Sat.1.
Der Sender hatte mit "Powered by Emotion" geworben. Viele übersetzten das
mit "Kraft durch Freude". Einige meinten, es hieße tatsächlich "gepudert
mit Emotionen". Nun wirbt der Sender wieder in deutscher Sprache: "Sat.1
zeigt's allen".
Also ist die Initiative der Unionspolitiker, die gestern den Kampf gegen
sprachliche Überfremdung aufnahmen, in jedem Fall zu rühmen. Allerdings
gab es immer wieder Versuche von deutschen Politikern, in unsere Sprache
einzugreifen. Der letzte Versuch scheiterte kläglich, damals ging es um
die Rechtschreibreform, und wir alle erinnern uns. Freilich mit Schrecken.
Den Autor erreichen Sie unter Tschapke@infoautor.de
ka-news (Karlsruhe) vom 23.3.2007
http://www.ka-news.de/karlsruhe/news.php4?show=tmw2007323-483K
Klare Absage an "Denglisch"
Karlsruhe - Im Sale bietet der Store Underwear und Outdoor Jackets
feil,
der Merge der beiden Companies wurde auf dem letzten Meeting agreed, der
Referee gibt einen Penalty, den der Goalgetter aber gegen den glänzend
aufgelegten Keeper nicht verwandeln kann... und die Mehrheit der Leser
unserer Internetzeitung mit dem zugegebenermaßen auch nicht gerade
urdeutschen Namen hat von diesem Sprachgebrauch die Nase voll. Das ist
das Ergebnis unserer gestrigen Umfrage.
Selten fiel eine ka-news-Leserumfrage so eindeutig aus: Satte 80,03
Prozent der 791 Teilnehmer stören sich an der englisch-deutschen
Sprachmixtur (45,26 Prozent) oder wünschen sich zumindest etwas weniger
davon im Alltag (34,77 Prozent). Nur 8,72 Prozent halten es für eine
Bereicherung der Sprache, wenn uns etwa "hippe Top-Events mit
Mega-Highlights" angekündigt werden.
Resigniert haben 11,25 Prozent und meinen, diese Entwicklung ließe sich
nicht mehr ändern. Doch so, wie es Cäsar
bekanntlich nie gelang, ganz
Gallien zu erobern, weil die Einwohner eines kleinen Dorfes Widerstand
leisteten, so gibt es in deutschen Landen auch Einrichtungen, die der
Anglisierung unserer Sprache Einhalt gebieten wollen: zuvörderst den
Verein deutsche Sprache (VDS) und - für ganz
Hartgesottene - den Bund für
deutsche Schrift und Sprache (BfdS), der sich zudem der Pflege des
kulturellen Erbes verschrieben hat, das die Frakturschriften darstellen
(und dafür von den Nazis verboten wurde). Wer sich also wirklich gegen
die trübe Flut des denglischen Newspeak wehren möchte, hat durchaus
Möglichkeiten.
Ruhr Nachrichten vom 17.3.2007
http://www.westline.de/nachrichten/archiv/index_mono.php?file_name=20070316231344_630_001_
3484550&jahrgang=2007&stichwort=Anglizismen&&start=0&order=relevanz&ort=%
"Reizvoll" statt "cool"
Werne - Hätten Sies gewusst? Rund 3000 Anglizismen finden sich in
einer
Woche in den Ausgaben der Ruhr Nachrichten!
Eine Fleißarbeit, die der 17-jährige Joris Meier als Deutsch-Facharbeit
am Anne-Frank-Gymnasium nun vorlegt. Innerhalb einer Woche hat er jeden
(!) Artikel der Ruhr Nachrichten gelesen und jedes (!) Wort untersucht,
ob es sich dabei um eine "Übertragung einer für das Englisch
charakteristischen Erscheinung auf eine nicht-englische Sprache ...
handelt", so die Duden-Definition von Anglizismus.
Vor allem die Sportjournalisten gingen großzügig mit Anglizismen um, sie
stehen mit 739 Wörtern an erster Stelle. "Hier tauchen die Wörter auf,
die wir schon gar nicht mehr als englisch empfinden", meint Joris und
zählt Begriffe wie "Trainer", "Coach", "Training", "Team", "Fan" auf, die
fünf Mal oder gar häufiger in einem Artikel vorkämen. Dagegen fallen "wir
im Lokalen" mit 240 regelrecht ab. Joris bezeichnet dies als "für mich
tolerierbar".
Sprachpuristen werden die Ergebnisse einer Umfrage nicht gefallen, die
der Schüler unter 50 Wernern verteilt hat: Nur 30 Prozent fühlten sich
durch Anglizismen in den Ruhr Nachrichten "gestört". Vor allem ältere
Leser stießen sich an den Wörtern, weil sie sie nicht verstehen,
Beispiel: "Wellnesscoach", "Factory Outlet".
Und Joris Meiers Fazit? "In Bezug auf die Ruhr Nachrichten kann man nicht
von einer "Anglizismen-Flut sprechen". Er empfiehlt, mit solchen Wörtern
reflektiert und sehr kritisch umzugehen. Muss es immer "cool" sein, fragt
er, wenn wir im Deutschen Wörter wie "schön, reizvoll, faszinierend (!),
wunderbar, herzig" haben. Ein Trost für Muttersprachen-Kämpfer hat Joris:
Das Hamburger Trendbüro habe festgestellt, dass überzogene Anglizismen
verschwänden. - wg
Oberöstereische Nachrichten vom 22.3.2007
http://www.nachrichten.at/leben/530603?PHPSESSID=c65f518a4b308f9cc64eb0879a3d1bbd
Deutsch ist sexy
Wie die tödliche Jungfer in den Himmel kam.
Lustiger Zufall: Kaum war vorgestern die Kolumne "Denglisch ist ein
süßes
Gift" erschienen, setzte sich Literaturpapst Reich-Ranicki ins deutsche
Fernsehen und spendete Trost: "Die deutsche Sprache ist sexy und wird
nicht untergehen!"
Das hört man gern, und natürlich fragt man sich sofort, was denn an der
deutschen Sprache so sexy ist. "Mineralölsteuererhöhung" zum Beispiel
liest sich überhaupt nicht sexy, das wirkt bürokratengrau und seelenlos.
Leben kommt erst hinein, wenn es der Bürger frei übersetzt: "Sonst
streiten die eh dauernd, aber beim Steuern-Hinaufschnalzen werden sie
plötzlich warm miteinander!" Das hat Feuer und lässt von der Erotik des
Abkassierens ahnen.
Dabei fällt auf, dass der Österreicher am ehesten ohne Denglisch
auskommt, wenn er aus vollem Herzen schimpft. Zwar ist "Bagage" ein
Fremdwort, aber ansonsten bleibt man gern beim traditionellen Wortschatz
von A bis Depp.
Das könnte eine Erklärung sein. Deutsch ist sexy, weil es am reinsten in
erregtem Zustand gesprochen wird.
Schauen wir noch eine aktuelle Meldung an: "Jungfernflug des ersten
österreichischen Eurofighters." Jungfernflug? Das Wort hat was, da ist
Phantasie drin.
Die jungfräuliche Kriegsmaschine ist ein wildes Gerät mit tödlichen
Krallen - aber dann kommt einer der Piloten, denen nichts verboten ist.
Und er führt sie sanft, aber energisch in den Himmel, bis beide ihre
Erfüllung im Überschallknall finden.
Gegen das, was Jungfernflug erzählt, schaut Denglisch alt aus. Ja, die
deutsche Sprache ist sexy. Aber sie wird weiterhin einen harten Stand
haben.
Oberösterreichische Nachrichten vom 20.3.2007
http://www.nachrichten.at/aufgespiesst/529770?PHPSESSID=a1f148c7e39eada00123bb3cee92ddb2
Denglisch ist ein süßes Gift
Auch die Amtssprache will ein bisserl cool sein.
In der losen Reihe "Mit Denglisch sind wir die Coolsten unter der
Sonne"
befassen wir uns heute mit einem Begriff, den Leser Konrad B. in den
Erläuterungen zum Kinderbetreuungsgesetz gefunden hat.
Dieses Gesetz wurde unlängst im Landtag beschlossen, also von Leuten, bei
denen das Bodenständige zum Berufsbild gehört. Aber die Verlockung, der
Amtssprache ein wenig Coolness zu verpassen, muss zu groß gewesen sein.
Und so kam es, dass Herr B. zu seinem Erstaunen mehrmals auf den
Mischbegriff "Platz-Sharing" stieß.
Gemeint dürfte sein, dass sich mehrere Kinder einen Hortplatz teilen
können. So ändern sich die Zeiten. Als noch hart erzogen wurde, hieß es:
Kinder, schert euch auf eure Plätze! Heute heißt es in Gesetzen: Kinder
sharen sich die Plätze.
Zur Entlastung der Platz-SharingSchöpfer sei angemerkt: Denglisch ist ein
süßes Gift, gegen das nur die Stärksten immun sind. Es schleicht sich
überall ein, es gibt keine Schutzimpfung dagegen, also nehmen wir's easy,
es gibt Schlimmeres im Leben. Das könnten wir sagen, wenn da nicht noch
ein Punkt wäre:
Sobald ein Wort wie Sharing in die Sprache eingesickert ist, beginnt das
Original alt auszuschauen. Und plötzlich klingt Platz-Teilung irgendwie
holprig und ungelenk. Worauf Sharing seinen Siegeszug gestärkt fortsetzt.
Es ist fast ein Trost, dass sich dieses Phänomen nicht auf Sharing
beschränkt. Sonst müssten wir vermuten, dass das Teilen generell immer
mehr aus der Mode kommt.
Tagblatt.Ch vom 24.3.207
http://www.tagblatt.ch/index.php?artikelxml=1317946&ressort=tagblattheute/
thurgau/frontseite&jahr=2007&ressortcode=&ms=thurgau
Salzkorn
Anglizismen sind für Viele ein Ärgernis. Warum auch soll der think
tank
nicht eine Denkfabrik sein oder der blockbuster wieder schlicht ein
Kassenschlager? Die Franzosen gehen da viel weiter. Seit 1994 ist die
Verwendung von Anglizismen in offiziellen Kontexten verboten und der
Computer ist längst zum ordinateur, das SMS zur minimessage und der
workshop wieder zum atelier geworden.
In Deutschland will man nun der Académie française nacheifern. Wie die
FAZ schreibt, fordern einige Unionspolitiker, die Kenntnis der deutschen
Sprache müsse genügen, um Betriebsanleitungen und Gesetzestexte zu
verstehen.
Der «Verein Deutsche Sprache» und die «Aktion lebendiges Deutsch» haben
bereits versucht, den deutschen Wortschatz kreativ zu erweitern. So soll
der Airbag ein «Prallkissen» sein, der event ein «Hingeher». Drückt aber
«Schikane» wirklich aus, was mobbing meint? Und wer gewinnt, wenn aus der
win-win-situation eine Zwei-Gewinner-Situation wird? Die deutsche Sprache
ist der Verlierer. E.B.
Oberbayerisches Volksblatt vom 21.3.2007
http://www.ovb-online.de/news/wirtschaft/nachrichten/art5817,962339.html
Stress am Service-Point: Kunde versteht nur noch
Bahnhof
Berlin - Eine ältere Dame schüttelt vor einem Schaufenster
verwirrt den
Kopf. "Sale" ist da zu lesen. "Ist das nicht ein Nebenfluss der Elbe?",
fragt die Frau. Auf das englische Wort für Schlussverkauf (sale) kommt
die Rentnerin nicht. Auch wer mit dem Zug fährt, versteht oft nur noch
Bahnhof: Mit der "Mobility BahnCard" kann hier über "Touch & Travel" ein
Ticket für die "City Nightline" geordert werden - allerdings nur von dem,
der die Begriffe versteht.
Nach einer EU-Umfrage sprechen nur 33 Prozent der Bürger Englisch. Vor
allem Ältere und Migranten kapitulieren vor der Werbe-Sprache.
Den inflationären Gebrauch von Anglizismen stoppen soll jetzt eine
Initiative der Unionsfraktion im Bundestag. Das Ziel ist "sprachlicher
Verbraucherschutz". Mit anderen Worten: "Rundbrief" statt "Newsletter",
"Informationsschalter" statt "Service-Point". Es gehe um den Schutz und
die Sicherheit der Konsumenten, "nicht um Sprachfundamentalismus", betont
die Verbraucherschutzbeauftragte Julia Klöckner (CDU). Schließlich kann
es schon mal gefährlich werden, wenn auf Heizlüftern nur noch "Do not
cover" steht statt "Nicht zudecken" oder im Taxi "fasten your seat belt"
statt "Bitte anschnallen!". Deshalb sollen Gebrauchsanleitungen und
Sicherheitshinweise auf Produkten künftig in "allgemein verständlichem
Deutsch" verfasst werden, um Missverständnisse mit gefährlichen Folgen zu
vermeiden.
Gemeinsam mit der SPD hofft die CDU eine Basis für einen entsprechenden
Antrag im Bundestag zu finden. Die Union will durchsetzen, dass der Bund
bei Gesetzestexten, Verlautbarungen und eigenen Werbekampagnen mit gutem
Beispiel vorangeht. Auch inländische Unternehmen, bei denen der Bund als
Anteilseigner oder Investor auftritt, sollen wenn immer möglich deutsche
Begriffe verwenden. Vor allem die Deutsche Telekom tut sich stets mit
Anglizismen hervor. "Call\x0f&\x0fSurf", Country-Select und Phone-Cards
sind Begriffe, die sie ihren ganz überwiegend deutschsprachigen Kunden
anbietet.
Wie weit der Vorstoß auch im Bereich der Privatwirtschaft gehen soll,
darüber herrscht unter den Initiatoren der Kampagne Uneinigkeit. Ob
Werbebotschaften wie "all you can eat" (essen so viel Sie können) oder
"to go" (zum Mitnehmen) Kunden anlocken oder nicht, muss nach Ansicht von
Unionssprecher Laurenz Meyer Sache der Unternehmen bleiben. Der
CDU-Politikerin Erika Steinbach geht das nicht weit genug. Sie hofft, die
Wirtschaft zum Umdenken bewegen zu können. Es sei "unsozial", dass viele
Produkte nur noch in englischer Sprache beschriftet würden. Schließlich
seien Worte wie "an" und "aus" auch nicht länger als "on" und "off".
Großen Beifall ernten die Initiatoren von den Vereinen zum Schutz der
deutschen Sprache - schließlich wird hier eine Idee aufgegriffen, für die
manche Vereine schon seit langem werben. Bei den Adressaten stößt das
Anliegen dagegen auf Unverständnis. Begriffe wie "Intercity-Express" oder
"Call a bike" seien "weitgehend akzeptierte Begrifflichkeiten", sagt ein
Sprecher der Deutschen Bahn. "Wir müssen darauf achten, dass unsere
Dienste auch von ausländischen Kunden verstanden werden."
Nürnberger Nachrichten vom 15.3.2007
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=620094&kat=48
Slips und Schlüpfer
Denglisch macht Deutsch nicht unbedingt präziser
In unserer Serie «WortSchatz» untersucht die Wiener Journalistin und
Übersetzerin Hilde Weiss Moden, Absonderlichkeiten und Herkunft der
deutschen Sprache.
Immer mehr englische Ausdrücke zieren und verunzieren unsere Sprache. In
manchen Sätzen gibt es mittlerweile mehr anglisierende als deutsche
Wörter. Durch den Einzug des Englischen werde das Deutsche besser
(einfacher, knapper, präziser, klarer, schwungvoller), lautet eines der
Hauptargumente der Denglisch-Befürworter. Ist das so? Zum Vergleich:
Center, Zentrum; World of fashion, Modewelt; Show, Schau; Container,
Behälter; Barbecue, Grill; Corner, Eck; wireless, drahtlos.
Tatsächlich sehr knapp ist das Event. Aber wie präzise und ausdrucksstark
ist es? Es ersetzt recht unterschiedliche Veranstaltungen und
Zusammenkünfte, Treffen, Ereignisse, Erlebnisse, Feiern, Feste,
Begebenheiten, Geschehnisse, Abenteuer. Treffsicherheit und
Ausdruckskraft bleiben bei diesem Tausch auf der Strecke.
Woher kommt diese weltweit zu beobachtende Scheu, neue und vermeintlich
neue Sachverhalte und Dinge - selbstbewusst - in der eigenen Sprache zu
benennen? Als mangelnden Mut zum Eigenen, als Missachtung der eigenen
Kultur, kritisieren Denglisch-Verweigerer den Trend.
Immer mehr Menschen verschlägt es offenbar die (eigene) Sprache: Das
meiste taucht mit einem englischen Begriff versehen bei uns auf, und beim
heutigen Tempo bleibt selten genug Zeit und Selbstwertgefühl, der
Angelegenheit in Ruhe einen neuen Namen zu verpassen.
Senkrechtstarter lassen sich gerne als Shootingstar feiern, ohne zu
bedenken, dass das im Englischen Sternschnuppe heißt, auch falling star
genannt - Inbegriff des Kurzlebigen. Und auch das beeindruckendste
Shopping-Center kommt vom mittelenglischen Wort shoppe für Schuppen.
Obendrein sitzen wir zahlreichen Scheinentlehnungen auf: vieles in
unserem Wortschatz klingt englischer als es ist. So sind zum Beispiel die
Talkmaster eine deutsche Erfindung. Im Englischen spricht man vom
chat-show host bzw. vom talk-show host. Auch den Dressman sucht man in
englischen Wörterbüchern vergebens: dort heißt er male model. Und auch
das Steppen ist Eigenbau nach fremdem Vorbild (to step, schreiten,
treten): tap dancer heißen die Stepptänzer im Englischen.
Handy heißt im Englischen unter anderem handlich, praktisch, nützlich.
Das Mobiltelefon heißt aber cellphone und mobile (phone). Unser Handy
ist, wie die meisten Etymologen annehmen, ebenfalls eine anglisierende
Bildung, die allerdings gerade dabei ist, sich auch in Teilen der USA zu
etablieren.
Als vermeintliche Entlehnung erweisen sich auch unsere Slips, die
«Schlüpfer», die aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen, als
die Unterhosen immer kleiner wurden und der alte Name ihnen folglich zu
groß. Im Englischen heißen sie allerdings underpants (Unterhosen),
panties und briefs (Kurze), und slip meint ein Unterkleid oder einen
Unterrock. Slips gibt es im Deutschen aber schon sehr viel länger: Sie
stecken zum Beispiel im Schlips, und zwar in Form des niederdeutschen
Wortes Slip für lose Enden und andere Zipfel.
Top - das haben wir tatsächlich aus dem Englischen. Es existiert aber
auch unter anderem in unserem Zopf, der vom mittelniederdeutschen Wort
top für äußerste Spitze kommt,
Die deutsche Sprache ist sehr reich, aber wenn wir sie vernachlässigen,
verarmt sie.
Nordseezeitung vom 23. Feb. 2007
Auch der Vater spricht die Muttersprache
Wissenschaftler: Global-Englisch ist kein Ersatz - "Kinder
lernen mit
Sprache die Basiskategorien des Denkens"
Geestemünde (sss): Nur eine einzige Weltsprache, mit der alle Menschen
sich verständigen - dies erscheint wünschenswert. Für den Wissenschaftler
Klaus Däßler aber gehen auf diese Weise ganze Denkwelten verloren. Wie,
erläuterte er in seinem Vortrag "so, dass es auch ein Unternehmer
versteht".
Denn die Mächtigen dieser Welt - Firmenchefs, Politiker, Führungskräfte
aus dem Finanzgewerbe - sind laut Däßler Verursacher der Entwicklung:
"Die Globalisierung der Waren geht einher mit einer Globalisierung der
Sprache." Wenn Deutschland dabei ein Zentrum sein wolle, müsse die
Sprache die des globalen Marktes sein - nämlich Englisch. Kürzer
formuliert dies beispielsweise der Chef der Deutschen Bahn, Hartmut
Mehdorn: "Englisch ist die Sprache des Erfolgs." So präsentierte es
Däßler in seinem Vortrag "Muttersprache - Mutter aller Gedanken, was wird
aus ihr?" den etwa 40 Zuhörern in der Wilhelm-Raabe-Schule.
Der Referent war einer Einladung des Vereins für Deutsche Sprache
anlässlich des internationalen Tags der Mutttersprache gefolgt. Dabei ist
der Dresdner hauptberuflich eigentlich in der Physik und der Informatik
tätig.
Seine aktuelle Arbeit an einem digitalen Übersetzungssystem hat ihn zur
Auseinandersetzung mit Sprache geführt. Vor allem mit der Muttersprache,
um die sich Däßler sorgt, da ein "abgerüstetes Global-Englisch" auf dem
Vormarsch ist. Mit der Muttersprache, ganz gleich ob Deutsch oder eine
der weltweit schätzungsweise 1600 Muttersprachen - erwirbt jeder Mensch
seine grundlegenden Denkstrukturen. Dies alles geschieht laut Däßler
dadurch, dass ein Kind durch gemeinsame Handlungen mit seiner Mutter die
Welt erfährt.Diese Handlungen begleitet die Mutter durch Sprache - die
Muttersprache, die Wörter mit den grundlegenden Denkstrukturen verknüpft
und erst den Zugang zu ihnen ermöglicht. Der Referent räumte ein, mit
Recht immer wieder darauf angesprochen zu werden, dass doch oftmals der
Vater als Bezugsperson die Mutter ersetze, und betonte: "Aber auch ein
Vater spricht die Muttersprache."
Durch Beschäftigung mit den Dingen erlerne ein Kind die Basiskategorien
des Denkens, wie Däßler sie nennt. Sage eine Mutter zum Kind: 'Komm, wir
bringen die Teller hinaus - Du die kleinen, ich die großen', lerne das
Kind durch diese von Sprache begleitete Handlung zugleich die Mengenlehre
als eine von vielen Basiskategorien kennen. Das Kind bilde so immer mehr
Vernetzungen, sagte Däßler. "Hier lässt sich ahnen: Auf diese Weise
entsteht
die beste Wissenschaftssprache." Eine Fremdsprache dagegen erlerne ein
Mensch nicht durch eine Vielzahl von Handlungen und damit Verknüpfungen,
sondern durch Unterweisung.
Däßler plädierte dafür, den Verfechtern einer einzigen Globalsprache die
damit verbundenen Verluste vor Augen zu führen. Von einem Zuhörer auf den
Unterschied zwischen Verständigung und Verstehen angesprochen, berichtete
der Referent von einem beispielhaften Erlebnis. Während einer Konferenz in
Seattle folgten auf die Ausführungen eines Amerikaners viele
Verständnisfragen
von Landsleuten, im Anschluss an den Vortrag eines Japaners folgte nichts.
Däßler: "Ein Japaner trägt vor Franzosen in Englisch vor - da kommt so gut
wie nichts mehr rüber."
Verlag für die Deutsche Wirtschaft vom 13.2.2007
http://www.news-vnr.de/archiv/2007/02/newsletter_2007_02_13.html#part_00
"Just in Time" - oder besser termingerecht?
Anglizismen in Reden und Vorträgen hatten bei uns in den 70-er und
80-er
Jahren regelrecht Hochkonjunktur, vermutlich, weil sie damals so etwas
wie den "Duft der großen weiten Welt" ins Land brachten. Jedenfalls war
das "Feed-back" im Publikum in aller Regel positiv.
"Das sich geändert", meinen heute erfahrene Redenberater. Zu viele
Anglizismen im Vortrag wirkten inzwischen auf die Zuhörer eher
"peinlich". Vermutlich liegt das daran, dass wir mit dem "Billigflieger"
selbst immer mehr in der Welt herumkommen, beziehungsweise heute Englisch
schon im Kindergarten "eingelöffelt" bekommen.
Wie man hört, greifen neuerdings die wahren Könner unter den
Redenschreibern daher bevorzugt auf deutsche Begriffe zurück. Beispiel:
"termingenau" und "zeitlich genau abgestimmt" für das englische "Just in
Time". Oder: "Arbeitssitzung" und "Denkwerkstatt" statt "Workshop". Die
Fachleute sagen, das klinge zwar zunächst weicher und weniger griffig,
wirke aber auf die Zuhörer oft vertrauensbildender und nachhaltiger als
abgegriffene angelsächsische Fachplattitüden, die man kaum noch hören
könne.
Zugegeben: Manche Begriffe auf Deutsch sind mir mittlerweile weniger
geläufig als die englischen Entsprechungen. Aber was spricht eigentlich
dagegen, wenn wir "Dienstleistung, "Wartung" oder "Betreuung" sagen -
statt "Service"? Eine "Task Force" ließe sich ebenso gut in vielen Fällen
mit "Projektgruppe" beschreiben. Beim näheren Hinhören muss man sich
sogar eingestehen, dass die deutschen Begriffe oft den tatsächlichen
Sachverhalt viel präziser angeben können, als stark verallgemeinernde
englisch-amerikanischen Termini wie zum Beispiel der Allerweltsbegriff
"Service".
By the way, bedenken Sie bitte auch immer, dass die englische Sprache
durchaus ihre Tücken haben kann. Englisch ist bisweilen schwieriger als
wir meinen und grammatikalisch falsch angewendete Termini sind gewiss
sogar peinlicher als scheinbar biedere deutsche Begriffe, insbesondere
wenn englische Muttersprachler anwesend sind. Beispiel: Im Englischen
gibt es Wörter, die nie im Plural stehen, wie z.B. "information",
"advice", "experience" oder "wine".
Zugleich gibt es andere englische Wörter, die immer in der Pluralform
stehen, aber im Singular verwendet werden, wie zum Beispiel "crossroads",
"headquarters", "news". "Unser Headquarters ist in Ulm", hört sich auf
Deutsch vermutlich irgendwie merkwürdig an. Wenn wir aber unser
"Headquarter" sagen würden, wäre das letztendlich wohl mehr "Denglisch" -
aber kein Englisch.
Manchmal kann daher der Rückgriff auf die eigene vertraute Muttersprache
unangenehme "Sprachunfälle" ausschließen. Wer muttersprachliche
Mannheimer Morgen vom 3.3.2007
Hauptstadt des Deutschen
Mannheimer Initiative
Das Institut für Deutsche Sprache, die Duden-Redaktion und das
Bibliografische Institut, das Goethe-Institut Mannheim-Heidelberg sowie
das Stadtmarketing Mannheim Büro 2007 rufen gemeinsam das Projekt
"Mannheim - Hauptstadt der deutschen Sprache" ins Leben. Diese Initiative
wird von der Heinrich-Vetter-Stiftung unterstützt. Das Projekt wird im
Rahmen der 43. Jahrestagung des Instituts für Deutsche Sprache am
Mittwoch, dem 7. März, bei der öffentlichen Podiumsdiskussion zum Thema
"Mannheim und die Sprache" um 15.45 Uhr im Bürgersaal des Stadthauses
Mannheim, N 1 am Paradeplatz, vorgestellt.
"Mannheim - Hauptstadt der deutschen Sprache" soll auf das in der Stadt
Mannheim konzentrierte Potenzial im Bereich der Erforschung, Erfassung
und Vermittlung der Deutschen Sprache ausmerksam machen. Eine gewisse
Selbstironie schwingt bewusst mit, weist Mannheim neben den mit Sprache
befassten Institutionen doch auch eine Vielfalt von Sprachen und
Dialekten auf. Das Projekt soll im Jahr 2007, dem Jahr der
Geisteswissenschaften und des Stadtjubiläums Mannheims, das in der
hiesigen Metropolregion konzentrierte Potenzial der Sprachförderung
publik machen, entsprechende Aktivitäten bündeln und zur Planung und
Durchführung gemeinsamer Projekte und Veranstaltungen beitragen. malo
Frankenpost vom 13.2.2007
http://www.frankenpost.de/nachrichten/regional/frankenwald/resyart.phtm?id=1086015
ANGLIZISMEN AUF DEM VORMARSCH
Verfällt die deutsche Sprache?
Wie sehr unsere Muttersprache unter Anglizismen leidet.
Experten der Region geben Antwort.
Laptop, Greencard, abchecken oder auch Aids - die Zahl der Anglizismen
im
Deutschen nimmt stetig zu. Bedroht dies den Erhalt der deutschen Sprache?
Wir fragten Experten der Region.
MÜNCHBERG - Ein Gewinn für die Ausdrucksfähigkeit auf der einen, eine
definitive Bedrohung des deutschen Spracherbes auf der anderen Seite. An
Anglizismen scheiden sich in ganz Deutschland die Geister. Wie sieht es in
unserer Region aus?
Dr. Wolfgang Kesselheim vom Lehrstuhl für Germanistische Linguistik der
Uni Bayreuth sieht die Sprachentwicklung eher gelassen. "Ich habe zwar in
dieser Richtung noch nicht geforscht, aber nach meinem Empfinden stellt
diese Tendenz keine Gefahr da. Sprache sucht nach verschiedenen
Ausdrucksformen, und es existiert eindeutig ein Bedürfnis, durch neue
Wörter der Sprache Aktualität zu geben. Ich finde, es ist eine natürliche
Entwicklung."
Auch in Vadim Kavalchuks Augen, Sprachwissenschaftler und Lehrkraft für
deutsche und englische Literatur und Sprache der deutschen
Erwachsenenbildung Hof, sind die Anglizismen eine natürliche Erscheinung.
Schon seit Jahrzehnten gebe es "Leihgaben" aus anderen Sprachen und
niemand habe dies als Bedrohung empfunden. "Natürlich gibt es auch hier
verschiedene Niveaus der Entlehnung", räumt er ein. Die extreme
Verwendung von Anglizismen im umgangssprachlichen Gebrauch, also im
"Slang", empfindet er als übertrieben, da dies nur eine Modeerscheinung
sei.
Die Franzosen jedenfalls scheinen Angst um ihre Sprache zu haben. Sie
verabschiedeten ein Gesetz, nach dem mindestens 40 Prozent der im Radio
gespielten Lieder französisch sein müssen.
"Etwas Ähnliches wird man so wohl in Deutschland nicht durchbringen",
meint Elmar Hofmann, Studiendirektor und Deutschlehrer am Gymnasium
Münchberg. Deutschland tue sich schwer mit Reformen, das habe man
beispielsweise am Gerangel mit der Rechtschreibreform gesehen. "Generell
finde ich nicht, dass sich durch Anglizismen die deutsche Sprache zu sehr
verändert. Sie lebt eben."
Generations-Kluft
Außerdem wisse doch bei vielen Wörtern sowieso niemand mehr so genau, ob
sie nun eingedeutscht, entlehnt oder echte Anglizismen seien.
Problematischer sei hingegen die Kommunikationskluft, die sich zwischen
den Generationen öffne. "Die ältere Generation, der die neuen Ausdrücke
nicht so geläufig sind und die sie auch so gut wie nie benutzt, hat
Probleme damit, mit der jüngeren Generation zu kommunizieren." Dabei gebe
es doch schon genug Missverständnisse zwischen den Generationen. Bei
Medien wie etwa dem Internet, das ja von Haus aus international ist, sei
die neue Sprache in Ordnung, aber es müsse nichts erzwungen werden. "Wenn
man statt Einkaufen shoppen sagt oder zum Gehen Walking, ist das nicht
notwendig", erklärt Hofmann.
Generell scheinen die Experten die Entwicklung also gelassen zu
betrachten und darauf zu vertrauen, dass uns die deutsche Sprache sowohl
mit alten als auch mit neuen Anglizismen erhalten bleibt. "Nur sollte man
eine gewisse Loyalität zur eigenen Sprache nicht verlieren", ermahnt
Hofmann. nw
Stuttgarter Nachrichten vom 27.10. 2006
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/detail.php/1278964?_suchtag=2006-10-27
Mein Hut, der hat drei Ecken
Von Susanne Benda
After Work ist viel zu tun. Kaum verlässt man das Büro, warten schon
After-Work-Friseur, After-Work-Nagelstudio, After-Work-Disco,
After-Work-Kino, After-Work-Lounge. Und ab sofort auch viermal pro Saison
die After-Work-Konzerte des Radiosinfonieorchesters Stuttgart.
Feierabend ist auch kein schlechtes Wort. Doch lassen wir die Häme: Der
Kampf gegen die vermarktungsrelevante verbale Strahlkraft schicker
Anglizismen bleibt wohl ein Kampf gegen Windmühlen.[...]
Die Welt vom 18.10.2006
http://www.welt.de/data/2006/10/18/1076692.html
Edda Moser:
"Anglizismen sind unerotisch"
Die Sopranistin Edda Moser (67) lehrt als Professorin an der Kölner
Musikhochschule. Ihrer Anregung verdankt sich das "Festspiel der deutschen
Sprache", das am Donnerstag auf Schloss Heidecksburg in Rudolstadt
stattfindet. Zu den Vortragenden zählen die Schauspieler Mario Adorf und
Jutta Hoffmann und der Schriftsteller Reiner Kunze.
WELT.de: Woran krankt die deutsche Sprache?
Edda Moser: An der Verlegenheit der Menschen, sich auszudrücken. Die
vielen
Anglizismen gehen meiner Meinung nach auf eine tief sitzende Angst vor
echten
Gefühlsäußerungen zurück. Die Leute meinen zwar "Verzeihung", sagen aber
"Sorry". Das ist viel oberflächlicher. Aus Scheu vor Tiefe werden Gefühle
versteckt.
WELT.de: Woher rührt diese Scheu?
Moser: Weil das Deutsche der Gegenwart nicht zu entsprechen scheint. In
einer
Zeit, wo alles "cool" und "lovely" zu sein hat, wächst anscheinend die
Scham
vor der Farbe, vor der Tiefe, vor dem Timbre der deutschen Sprache. Diese
Entwicklung muss rückgängig gemacht werden. Meinen Schülern verbiete ich
daher alle Anglizismen.
WELT.de: Klappt das?
Moser: Bei wem es nicht klappt, der bekommt Ärger. Studentinnen, die in
meinen Seminaren "okay" sagen, müssen einen Euro zahlen. Und den Männern
sage
ich: Wenn Ihr so redet, seid Ihr unerotisch.
WELT.de: Der Zuwachs an englischen Lehnwörtern verdankt sich auch der
Globalisierung. Soll man die zum Wohle der deutschen Sprache gleich mit
rückgängig machen?
Moser: Mir und Altbundeskanzler Helmut Kohl, der einen großen Beitrag zum
"Festspiel der deutschen Sprache" geleistet hat, geht es um die prägenden
Werte des Abendlandes. Wir müssen im Fremden das Eigene zu bewahren
versuchen. Die Globalisierung birgt jedoch die große Gefahr der
Gleichmacherei. Wie die Franzosen müssen wir künftig lernen, uns
sprachlich
stärker abzugrenzen. Bislang sind die Deutschen dafür aber zu feige.
WELT.de: Was also ist zu tun?
Moser: Wir müssen bewusster und einfühlsamer mit der großartigen deutschen
Sprache umgehen. Und vor allem denen helfen, die damit ihre
Schwierigkeiten
haben. Als ich in einer Fernsehsendung gefragt wurde, was meine "Message"
sei, habe ich zurückgefragt, was denn damit gemeint sei. Das hat Wirkung
gezeigt. Und wenn beim Festspiel jemand wie Mario Adorf die Vorzüge und
den
Klang der deutschen Sprache preist, bringt das mehr als jede
wissenschaftliche Untersuchung von Fachleuten.
Die Fragen stellte Hendrik Werner.
Nürnberger Zeitung vom 6.10.2006
http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=555643&kat=11#null
Protestunterschriften gegen easyCredit-Stadion übergeben
"Eine Beleidigung für alle Franken"
"Mindestens 90 Prozent der Nürnberger stehen hinter uns", war sich
Bernd
Schamberger sicher, als er gestern seine Protestunterschriften gegen das
easyCredit-Stadion bei Oberbürgermeister Ulrich Maly ablieferte.
Schamberger, der Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache für den
Großraum Nürnberg ist, schließt dies daraus, dass die 1800
Protestunterschriften ohne größere Probleme gesammelt wurden. Bei einem
Infostand in der Karolinenstraße habe man den Passanten nur das Wort
"easyCredit" nennen müssen, und schon hätten sie ohne größere
Erläuterungen unterschrieben. Auch Stadtseniorenrat und
Senioreninitiative hätten bei ihren Aktionen ähnliche Erfahrungen gemacht.
Dennoch hatten die Sprachschützer nicht die Hoffnung, am Stadionnamen
noch etwas ändern zu können. "Wir wollten die Stadt aber sensibilisieren,
damit sie künftig mit mehr Fingerspitzengefühl vorgeht", erläuterte
Schamberger. Schamberger, der vom 1. Vorsitzenden der Senioreninitiative
Erwin Prey und vom Vorsitzenden des Stadtseniorenrates Ernst Guthmann
begleitet wurde, konfrontierte Maly dennoch mit etlichen Kommentaren zur
Stadionumbenennung. Von "Sprachverhunzung", "Geschmacklosigkeit" und
"Beleidigung für alle Franken" war da die Rede. Nun gelte es, so
Schamberger gegenüber dem OB, zumindest zu verhindern, dass aus der
Kaiserburg ein "Burger-King-Castle" oder aus dem Schönen Brunnen ein
"Douglas-Beauty-Fountain" wird.
Maly verwies demgegenüber darauf, dass der Verkauf des Stadionnamens im
Profifußball üblich sei und dass die Stadt das Geld zur Finanzierung des
WM-Umbaus dringend benötigt habe. Der Begriff easyCredit sei "dem Franken
zwar nicht in die Wiege gelegt", aber "auch nicht schlimmer als andere
Stadionnamen". vip
Haus der Literatur vom 6.10.2006
http://www.haus-der-literatur.de/newsarchiv/news13.htm
Aktion Lebendiges Deutsch sucht Wort für «Workshop»
Berlin (dpa) - Die Aktion Lebendiges Deutsch sucht ein passendes
deutsches Wort für den englischen Begriff «Workshop», was Ideenwerkstatt
oder Seminar bedeuten kann. Vorschläge dafür können bis zum 13. Oktober
auf der Internet-Seite
www.aktionlebendigesdeutsch.de unter der Rubrik
«Wörter des Monats» eingereicht werden. Auf die Aufforderung, die
Bezeichnungen «online» und «offline» einzudeutschen, seien fast 2700
Vorschläge eingereicht worden, teilte die in Berlin ansässige Aktion am
Donnerstag mit. Die Jury habe «im Netz/vom Netz» als am geeignetsten
ausgewählt. Als Wort des Monats bietet die Gruppe an, statt «Display»
Sichtfeld zu verwenden.
Urheber der Aktion sind der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef
Kraus, der Präsident des Vereins Deutsche Sprache, Walter Krämer, der
Journalist und Autor Wolf Schneider sowie Cornelius Sommer von der
Stiftung Deutsche Sprache. Sie stören sich nach eigenen Angaben nicht
grundsätzlich gegen die Verwendung englischer Begriffe - sondern schlicht
gegen ein Übermaß davon.
(Internet:
www.aktionlebendigesdeutsch.de)
Yahoo Nachrichten vom 30.9.2006
http://de.news.yahoo.com/30092006/12/grosse-mehrheit-deutschen-anglizismen.html
Große Mehrheit der Deutschen gegen Anglizismen
Hamburg (AP) Die große Mehrheit der Bundesbürger lehnt modische
Anglizismen in Werbung und Medien ab. 66 Prozent halten solche englischen
Begriffe im Großen und Ganzen für überflüssig, wie eine Umfrage von TNS
Infratest im Auftrag des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» ergab. Nur 27
Prozent der Befragten glauben demnach, dass die neuen Anglizismen die
deutsche Sprache bereichern. Auf noch deutlichere Ablehnung stoßen
deutsch-englische Mischwörter wie «brainstormen». 74 Prozent der 1.000
Befragten finden, die Deutschen sollten solche Wortbildungen vermeiden.
Bietigheimer Zeitung vom 29.9.2006
http://www.bietigheimerzeitung.de/html/news/artikel_suedwestumschau.php4?artikel=97012
Andere Sprache
Dass sich Regierungschef Günther Oettinger (CDU) nicht zum
Retter der
deutschen Sprache aufschwingen will, zürnt ihm der Verein Deutsche
Sprache. "Englisch wird die Arbeitssprache, Deutsch bleibt die Sprache
der Familie und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest",
hatte Oettinger doziert. Für diese vermeintliche Degradierung des
Deutschen zum "Feierabenddialekt" rief der Verein Oettinger zum
"Sprachpanscher 2006" aus. Diesen Preis muss dagegen Oettingers
Staatsminister Willi Stächele (CDU) nicht fürchten. In seiner bis dato
weitgehend unbekannten Funktion als "Sprachenbeauftragter der deutschen
Länder" fordert Stächele die Bundesregierung auf, sich für eine
"Gleichberechtigung der deutschen Sprache in der EU einzusetzen". Nun
rätseln Beobachter, ob Stächele und Oettinger eine andere Sprache
sprechen und schlicht aneinander vorbeireden.
Passauer Neue Presse vom 11.9.2006
http://www.pnp.de/nachrichten/artikel.php?cid=29-13413676&Ressort=bay&BNR=0
"Prayerfestival" ist Schrottwort des Jahres
Regensburger wählten das absurdeste und unverständlichste Wort -
Anglizismen
ganz vorn dabei
Regensburg (al). Die Schule feiert ein "Prayerfestival" vor dem
Papstbesuch,
"Bleibt online zu Gott" rät der Kirchenmitarbeiter den Firmlingen und bei
der
evangelischen Kirche bereiten sich neuerdings die "Konfi-Kids" auf ihre
Konfirmation vor: Kurz vor dem Besuch des Heiligen Vaters hatten die
Regensburger am Samstag Gelegenheit, den wildesten Sprachblüten - und
nicht
nur denen aus dem kirchlichen Bereich - eine klare Absage zu erteilen.
Die Regionalgruppe des Vereins Deutsche Sprache hatte im Rahmen des "Tages
der
deutschen Sprache" heuer bereits zum dritten Mal dazu aufgerufen, das so
genannte Schrottwort des Jahres 2006 zu wählen. Mit der zweifelhaften Ehre
des
Titels für das "absurdeste und unverständlichste Wort" konnten sich in den
beiden vergangenen Jahren bereits die Abteilung für Schlaganfallpatienten
am
Bezirksklinikum ("Stroke Unit") und eine Freiwilligen-Agentur für junge
Leute
("Youngengagement") schmücken.
Auf der roten Liste standen auch dieses Jahr wieder vor allem Anglizismen
aus
dem täglichen Leben. So macht die Schwangerschaftsberatung an einer Klinik
"Fit for Family" und für die älteren Sprösslinge zum Schulanfang werben
Bekleidungsgeschäfte mit "Sale!Sale!Sale!" für "Fashion for kids". Wundern
sollte sich auch nicht, wer demnächst auf seiner Telefonrechnung über den
Begriff "HotSpotCall" stolpert oder am Bahnhof vergeblich nach der
Auskunft
("Service Point") sucht.
Insgesamt standen zehn Vorschläge zur Auswahl, nach rund 240 ausgezählten
Stimmbögen stand das Ergebnis gestern fest: Spitzenreiter der Wortungetüme
wurde "Prayerfestival", gefolgt von "HotSpotCall" und den "Konfi-Kids".
"Manche haben gleich alle zehn Wörter angekreuzt, weil sie ihnen alle so
furchtbar erschienen", berichtet Irene Liefländer, Vorsitzende des Verein
Deutsche Sprache in Regensburg. Sie ist mit der Resonanz der Aktion zum 6.
"Tag der deutschen Sprache" sehr zufrieden. "Am Anfang war die Haltung der
Leute eher abwehrend, sie meinten die neuen Wörter gehörten eben zur
Globalisierung dazu, aber in den letzten Jahren wächst die Zustimmung."
Dabei
haben Irene Liefländer und ihre Kollegen gar nichts gegen Globalisierung.
"Nur
die Sprachen vermischen sollte man nicht."
Dass es in Deutschland auch so schon genügend sinnlose Wörter gibt, der
Meinung waren auch die Passanten am Infostand des Vereins in Regensburg:
"Erste Priorität, zentraler Eckpfeiler, zurückerinnern - das gibt es doch
alles gar nicht!"
Der Standard vom 5.9.2006
http://derstandard.at/?url=/?id=2575799
Passt! Das Deutsche macht Boden wett
Alle klagen über den scheinbar unaufhaltsamen Anglizismen-Vormarsch
ins Deutsche, aber manchmal macht das Deutsche gegenüber dem Englischen
Terrain wett. Ich wage die Behauptung, dass das markig zustimmende
deutsche "Passt!" gegenüber dem seit Jahrzehnten bekannten englischen
"O.K." in den letzten Jahren so gewaltig aufgeholt hat, dass die beiden
heute zumindest gleichauf liegen. "Dann treffen wir uns heut' um fünf
im Schweizerhaus?" "Passt!"
Sindelfinger Zeitung vom 26.8.2006
http://www.szbz.de/ueberregional/bawue/Artikel633489.cfm
Oettinger und der Feierabend-Dialekt
Ministerpräsident Günther Oettinger ist der Sprachpantscher
des Jahres
2006. Der Verein Deutsche Sprache (VDS) verlieh dem CDU-Politiker jetzt
die "Auszeichnung", weil er in einer SWR-Reportage gesagt hatte:
"Englisch wird die Arbeitssprache, Deutsch bleibt die Sprache der
Familie
und der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest." Damit
degradiere Oettinger die deutsche Sprache zu einem reinen
Feierabend-Dialekt, hieß es in einer Mitteilung vom Freitag.
Oettinger siegte mit großem Vorsprung vor Jörg von Fürstenwerth vom
Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, der versucht hatte,
junge Leute mit "Drug scouts" und Sprüchen wie "Don't drug
and drive" von
Drogen abzuhalten. Mit seiner jährlichen Sprachpantscherwahl will der
weltweit 270 000 Mitglieder umfassende Verein Deutsche Sprache e. V.
besonders krasse Missachtungen der deutschen Sprache bloßstellen. Im
vergangenen Jahr war der Direktor des Frankfurter Städel-Museums
"ausgezeichnet" worden, weil er seine Besucher zum "Goethe-Jump"
und am
"Family Day" zum "Art Talk for Families" gebeten
hatte. Ein weiterer
Sprachpanscher des Jahres ist der DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder.
AP
Fränkischer Anzeiger vom 18.8.2006
http://www.fraenkischer-anzeiger.de/ISY/index.php?get=2&action=read&kieRID=2418&kieCID=0
Deutsch oder Denglisch? In Rothenburg gibt es beides
Coffee to go bei Fresh and Free
ROTHENBURG - Nicht die "Firma Sale" hat das Geschäft übernommen,
sondern
der Schlussverkauf ist im Gange. Wir wollen vielleicht einen Kaffee zum
Mitnehmen, aber sicher keinen "Coffee to go". Ging man früher
noch ins
Theater, zum Konzert, auf ein Fest oder zur Geburtstagsfeier, so bleibt
heutzutage nur noch der Besuch eines "Events". Und anstatt zu
entspannen
wird relaxt, nachdem man sich beim Walking fit gemacht hat. Es ist
höchste "Time to talk", wenn es um die Rettung der deutschen
Sprache geht!
Die Liste der Beispiele, die alle aus Rothenburg stammen, lässt sich
beliebig erweitern. Ganz besonders bunt treiben es natürlich bundesweit
manche Konzerne, wobei die Telekom den Vogel abschießt. "Web'n'
walk"
wirbt sie als "Hot Spot" und im "t-mobile-newsletter"
erfahren wir, dass
der "relax"-Tarif sehr günstig sei, weil man Mitglied der
"Free Move
Alliance" ist und im Rahmen des "Virtual Home
Environment-Konzepts"
nahtlose Dienste wie "Voice-Mail" anbiete. Kundenverwirrung und
Wichtigtuerei durch Worthülsen und Anglizismen, oft aber auch durch
aufgeblähtes Beamten- und Bürokratendeutsch sind an der Tagesordnung.
Die Deutschen, die dank der Fußball- Weltmeisterschaft neuerdings wieder
Fahnen schwenken und dabei sind ein demokratisches Nationalbewusstsein zu
entwickeln, verraten durch den unsinnigen und unverständlichen Gebrauch
von Anglizismen ihre eigene Sprache. Das geht soweit, dass sogar der
baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger erklärt, künftig müsse
man sich vorwiegend in Englisch verständigen, denn Deutsch sei nur noch
die Sprache der Familie. Für diesen Blödsinn wurde er mit großer
Mehrheit
zum "Sprachpanscher 2006" gewählt.
Doch zurück ins Tauberstädtchen. Hier wurde gerade noch verhindert, dass
der Einzelhandelsverband und die Aktionsgemeinschaft anlässlich der
"Living and Garden"-Ausstellung (Garten-, Wohn- und Lebenskultur
heißt es
wenigstens im Untertitel) auch noch zu einem "Red Night
Shopping"
einladen, wie es den Mitgliedern vorgeschlagen worden war.
Zum Weidefestival am Wochenende gab es selbstverständlich einen
"Bus-shuttle" und keinen Pendelbus. Zu den
"Highlights" zählt dort
"Timbersports", wem aber das "sportliche Holzfällen"
nicht gefällt, darf
sich die "Cattle-Horse-Show" oder ein "Off-Road"-Ereignis
anschauen. Und
beim Taubertalfestival war die "Fan-Community" gefragt, von der
sich
allerdings die "Tauberplantscher" erfreulich abheben (so heißt
ein
Internetauftritt von Festival-Anhängern). Aus dem "Newsletter"
ist zu
entnehmen, dass es eine "Sounds for Natures"-Bühne gibt. Und
wer Glück
hat kommt auch mal "backstage".
Die besten Aussichten jedoch auf den lokalen Sprachpanscher-Preis hat die
kirchliche Jugendorganisation - dabei müsste es gerade dort eher
umgekehrt sein. Schließlich ist sogar der populäre Peter Hahne
prominentes Mitglied im Sprachverein. Ende Juni lud die Kirche zum "Fresh
and Free-Festival" mit "Check-in-Gottesdienst" vors
Spitaltor ein. Dort
durfte "Beach Soccer" gespielt werden, es gab Aktionen des
"Why not?" zu
bestaunen und der Radiosender "Cross-Channel" moderierte alles.
Gespräche
führte man im "Time-to-Talk-Zelt". Grundsätzlich gibt es bei
solchen
Ereignissen keine Eintrittskarten mehr, sondern nur noch
"Tickets".
Bei den Geldinstituten und in der Bank-Sprache häufen sich die
Sprachblüten. Es wird zum "Powertrade" für Börsianer über
das
"Call-Center" informiert, man lädt zum "Riesterday"
ein, auf "Beamer"
werden Details vermittelt, das "Corporate Design" hervorgehoben.
Ganz
schlimm ist es häufig bei Fachvorträgen, in denen die Spezialisten mit
Fremdwörtern glänzen wollen. Ein Blick in die Anzeigenwelt der
Zeitung
genügt, um die Liste endlos fortzusetzen. Da wird für einen
"House-Sitting-Service" inseriert, Friseure heißen "Hair
Attack" oder
"Starcut", aber erfreulicherweise auch (wie schön und griffig!)
"Kamm und
Schere" oder "Haarschneiderei". Kürzlich hatte man
Gelegenheit in einem
Rothenburger Laden am "Summer Sale Fashion" teilzunehmen. Wie überhaupt
der gute alte Schlussverkauf oder Ausverkauf einem gewissen
"Sale" Platz
gemacht hat. Und dazu lohnt es sich dann mal die eigene "Footwear"
(so
der Prospekt eines Herstellers, den ein örtliches Schuhgeschäft auslegt)
zu überprüfen.
Von all dem fast erschlagen könnte es sein, dass der Rothenburger
Verbraucher einen Elektromarkt aufsucht, um sich zur Entspannung einen
Digital-Satelliten-Receiver zu kaufen. Dieser hat eine "Interface"-
Schnittstelle und der clevere Verkäufer erklärt ihm dann das tolle
"Free-to-Air"-System, ein "On-Screen-Display" und natürlich
ein
integriertes "Common Interface zur Aufname von CAM-Modulen".
Dieser Tage flattert der Redaktion ein freundliches Schreiben einer
evangelischen Stiftung aus Kirchberg an der Jagst auf den Tisch, die ein
"Event im Schloss" verspricht (in Mergentheim machten Werbeleute
sogar
aus dem Kurpark einen "Eventpark"). Als Mitglied eines
Freundeskreises
Schloss Kirchberg darf man sogar an "Fundraising-Aktivitäten"
teilnehmen
und "Zukunftsvisionen live erleben". Bei soviel Beispielen fällt
einem am
Schluss höchstens noch der "Crazy Butcher" ein, wie sich ein
Rothenburger
Metzger mal nannte, auch die "School-Out-Party" war nicht ohne.
Die
Medien und die Verlagsbranche nehmen wir nicht aus, also auch
Selbstkritik ist angesagt. Handzettel und Druck statt Flyer und Print
sind nur kleine Beispiele. In der Gastronomie wird man ebenso fündig, von
der "Happy Hour" bis zum "Catering". Auch "After
show parties" fanden in
Rothenburg schon statt und im Kulturprogramm wird ein "special guest"
angekündigt. Und in Kürze eröffnet ein "Outlet-Laden" in
einer
Rothenburger Shopping-Meile.
Glücklicherweise gibt es immer mehr Initiativen zur Pflege der Sprache.
Ausgerechnet in Berlin-Kreuzberg hat man den Reiz kreativer
Wortschöpfungen für Kneipennamen entdeckt. Und auch die Rothenburger
bieten noch genügend Erfreuliches. In diesem Sinne kann sich die
Einkaufsstraße Rödergasse durchaus sehen lassen, denn dort liest man auf
großen Holztafeln an den Häusern von der "Sammler-Truhe", der
"Foto-Galerie", dem Keramik- oder Bäckerladen, von Obst-, Gemüse-
und
Feinkost, es gibt ein Geschäft namens "Sammelsurium", einen
"Büchermarkt", Hutladen und sogar ein "Cafe-Stübchen
Zuckersüß".
Das Verhunzen der deutschen Sprache ist manchmal auch reine
Gedankenlosigkeit, und so bleibt zu hoffen, dass sich möglichst viele,
vor allem auch Betriebe und Organisationen, Behörden und Verwaltungen
bereit erklären, künftig mehr auf verständliches Deutsch zu achten,
womit
nicht nur Anglizismen gemeint sind. So hoffen wir, dass die Rothenburger
Mittwochs-Wanderer nicht künftig singen müssen "Das Walking ist des
Müllers Lust!"
Rheinische Post - Opinion vom 5.8.2006
Gehen wir mal shoppen?
Von aha!
Shoppen..? Dieses Wort gebrauche ich eigentlich nie. Warum ich trotzdem
damit beginne, lesen Sie hier... Ich stand vorm Spiegel und guckte blöd.
Hinter mir mein Sohn. "Du, ich hab nichts anzuziehen", jammerte ich,
damit sich der Junge rechtzeitig an solche Sätze gewöhnt. "Dann näh dir
doch was. Du warst doch mal in nem Schneiderkurs", sagte mein Filius.
Worauf ich ihn anfauche: "Dieser Schneiderkurs war ein 8-semestriges
Studium!" Ich bin - zumindest auf dem Papier - diplomierter
Modedesigner. "Sieht man dir aber nicht an", verteidigt er sich. Ich
muss ihm leider Recht geben. Wäre ich jemals eine Spur trendy gewesen -
meine Spürnase war längst dahin.
Doch von einer Sekunde zur nächsten bin ich's wieder. Als sei ich aus
einem Traum jenseits der Avantgarde erwacht, blicke ich streng auf mein
Kind. "Warum trägst du eine so uninspirierte Kappe?", will ich plötzlich
wissen. Er rollt nur die Augen. Will mich nicht supporten. Weigert sich,
länger meine audience zu sein. Ich gehe seriously in mich. Zuerst relaxe
ich ein wenig, dann ein refreshing im Bad. Schließlich schaue ich
actually in meinen Kleiderschrank, wo ich mich selbst zwar
problembewusst, aber durch und durch uninspired finde. Heaven, ich bin
nicht contemporary! Sehe nur Ladysches auf den Bügeln. Sicher, es sind
refined Qualitäten mit spirit. Aber kann ich sie appreciaten? Soll ich
die graue Jacke mal mit dem gelben Shirt combinen? Die lila Hose mit
grün? Hand-tailored ist ja fast alles, aber meine collection ist poor.
Mein coordinated concept ging irgendwann in die Binsen. Future-Denken
wäre angesagt.
Dann kommt mein Sohn zurück und ich erkenne, dass ich doch kein Designer
bin. Mein Leben ist eine giving-story, all my love and my energy waren
für mein Kind. Das liebt mich auch in ollen Klamotten. Oder etwa nicht?
"Na ja", sagt er grinsend. "Wir könnten auch mal shoppen gehen."
Spätestens hier muss ich die Katze aus dem Sack lassen: Komplett auf
meinem Mist gewachsen ist diese Story nicht. Ich war inspiriert. Von Jil
Sander. Sie hat nämlich für ähnliche Aussagen den Goldenen Sprachschuster
eingesackt. Er wird vom Verein zur Wahrung der deutschen Sprache e.V.
verliehen.
Hier Jil Sander, zitiert in der FAZ (1996):
,Ich habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine
giving-story. Ich habe verstanden, daß man contemporary sein muß, das
future-Denken haben muß. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit
neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated
concept entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection
miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an
auch supported. Der problembewußte Mensch von heute kann diese Sachen,
diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings
geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will,
searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das
magic meines Stils."
Bietigheimer Zeitung vom 12.5.2006
http://www.bietigheimerzeitung.de/html/news/artikel_suedwestumschau.php4?artikel=77014
Englisch versus Deutsch
Ein Blick in die Zukunft bringt Ministerpräsident Günther Oettinger
(CDU)
womöglich einen wenig schmeichelhaften Preis ein. "Englisch wird die
Arbeitssprache, Deutsch bleibt die Sprache der Familie, der Freizeit; die
Sprache in der man Privates liest", hatte Oettinger gesagt. Dem
Verein
Deutsche Sprache (VDS) indes passt diese Analyse gar nicht. Er hat
Oettinger - neben anderen - für den Preis "Sprachpanscher des Jahres
2006" nominiert. Der Preisträger wird am 31. August benannt.
Bild vom 10.5.2006
http://www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/05/10/politikerin-sprache-schutz/politikerin-sprache-schutz.html
"Sale" soll wieder "Schlußverkauf"
heißen
Politikerin will die deutsche Sprache gesetzlich schützen
Berlin - Die einflußreiche CDU-Abgeordnete Erika Steinbach (62),
Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, fordert ein Gesetz zum Schutz
der deutschen Sprache.
Steinbach zu BILD: "Englisch verdrängt in vielen Lebensbereichen
immer
mehr die deutsche Sprache. Aber 30 Prozent der Deutschen sprechen gar
kein Englisch. Sie schämen sich nur, das zuzugeben. Sie werden
ausgegrenzt. Deshalb fordere ich ein Gesetz zum Schutz der deutschen
Sprache. Ich habe dabei viele Unterstützer in der Fraktion. Produkte, die
in Deutschland verkauft werden, müssen auch deutsch beschriftet sein.
Genauso Schilder auf Flughäfen, in Bahnhöfen etc. "Sale" muß
wieder
"Schlußverkauf` heißen, "on" und "off" am Radio
wieder "an".
Goldbrokat und Rüschen üppig
"Wenn die Top-Shops ihre Eröffnung
als Event in Auftrag
geben, dann organisieren wir die good-looking crowd...
Die Leute wollen doch coverage und eine gewisse awareness,
denn das bringt 'ne Menge mileage."
Alexandra von Rehlingen
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