- ein Geisteswissenschaftler stellt sich vor
Ich zeige im Experiment Archäologie zum Anfassen. Im modernen Sprachgebrauch werde ich als "Experimentalarchäologe" bezeichnet. Ich bin damit eigentlich weniger einverstanden, denn meistens weiß ich was ich tue :-) und muß eben nicht ständig experimentieren (Als kleines Beispiel sehen Sie hier, wie man Feuer mit dem Bohrer macht).
Willkommen auf meiner Homepage für Archäologie, Primitive Skills und all die anderen Dinge, die das Leben schöner machen.
Zunächst kurz das Amtliche zu meiner Person. Ich heiße Thomas Ruthardt und habe vor einigen Jahren mein Archäologiestudium mit Erfolg abgeschlossen. Seitdem darf ich meinen Namen mit dem schicken Kürzel M.A. versehen. Dies ist sozusagen der Stempel, daß ich weiß, wovon ich spreche, zumindest, wenn's um Archäologie geht ;-)
Ich habe mein Studium 1989 an der Universität Erlangen mit den Studienfächern Ur- und Frühgeschichte, Klassischer Archäologie und Alter Geschichte begonnen. Im Hauptfach lag der Schwerpunkt meines Interesses damals im Bereich der altsteinzeitlichen Epochen. Leider waren die Nebenfächer weniger interessant (Lockenzählen an römischen Marmorstatuen, England im Zeitalter des Imperialismus blabla ....) und so verlegte ich meine weiteren Studien ins oddliche Städtchen Tübingen. Hier war die Welt noch in Ordnung und der Studienplan stimmte mit meinen Interessen überein. Durch eine geschickte Wahl und Kombination der Fächer Vor- und Frühgeschichte (Tübinger Schwerpunkt vor allem bronze- und eisenzeitliche Kulturen Süddeutschlands) mit Urgeschichte (jägerische Archäologie und Quartärökologie) sowie Paläoanthropologie (Fossilgeschichte des Menschen, Paläogenetik und Osteologie) konnte ich Archäologie in Reinform studieren. Ich habe mein Studium 1995 abgeschlossen und arbeite seit diesem Zeitpunkt verstärkt an der Praktischen Seite der Archäologie.
Davon abgesehen lege ich Wert auf den kleinen Unterschied zwischen dem Beruf des Archäologen als Universitätsstudiengang und dem Experimentalarchäologen. Mit letzteren Titel darf sich bisweilen jeder versehen, der 'mal mit einem Stein auf Holz gekratzt oder sich ein Fell umgehängt hat. Denn um verstehen zu können, wie oder warum bestimmte Objekte geschaffen wurden, gehört es unabdingbar dazu, diese Herstellung fachlich korrekt nachzuvollziehen.
Ein wesentlicher Gesichtspunkt ist dabei, was archäologisch gesehen wahrscheinlich ist. Der Lieblingssatz aller "Hobbybastler" " Die Berufsarchäologen sind dazu viel zu doof, denn ich habe eine viel einfachere/bessere Methode gefunden ....." ist leider falsch, weil unsere Vorfahren nicht immer den einfachsten Weg gewählt haben. Noch seltener haben sie eine der Maschinen verwendet, die heute gern rekonstruiert werden. Gar nicht verwendet wurden der Bandschleifer oder die Bandsäge....
Meine Vorführungen, Aktionen sowie Kurse sollen Verständniss wecken für Technik, Umwelt und Zeit. Ich zeige - wissenschaftlich korrekt und trotzdem spannend - Steinzeit zum Mitmachen, Erleben und Anfassen.
Alle Techniken sind auch für vor-und frühgeschichtliche Kulturen nachgewiesen, es sind keine modern nachempfundenen Tricks. Deswegen auch die deutliche Unterscheidung von den sogenannten "Experimentalarchäologen". Echte Experimentelle Archäologie findet hauptsächlich im Museum statt, häufig genug um ernsthaft Forschung zu betreiben, aber bisweilen auch nur um alte Handwerkstechniken zu demonstrieren. Wegen der bisweilen sehr öffentlichkeitswirksamen Vorführungen, aber auch wegen manchem fragwüdigem "Experiment" ist dieser Zweig der Wissenschaft bei anderen - noch wichtigeren und gewichtigeren WissenschaftlerInnen als mir - auch bisweilen gern als "Erlebnisarchäologie" oder gar "Mickeymousearchäologie" verschrien.