die Schwanenknochenflöten aus dem Geißenklösterle
bei Blaubeuren, Alb-Donau-Kreis
In nur seltenen Fällen haben sich im steinzeitlichen Fundmaterial Musikinstrumente erhalten können. Flötenfragmente und Flöten deren Alter und Verwendbarkeit unstrittig sind, lassen sich von Südwestfrankreich bis nach Osteuropa verfolgen. Die einzigen deutschen Exemplare sind dabei durchbohrte und angekerbte Vogelknochen aus den Grabungen J. Hahn und E. Wagner im Geißenklösterle bei Blaubeuren, Alb-Donau-Kreis. Bislang konnten aus den verschiedenen Knochenbruchstücken der altsteinzeitlichen Schichten zwei Flöten zusammengesetzt werden. Zunächst galt es seitens der Bearbeiter nachzuweisen, daß die Vogelknochen von Menschen bearbeitet waren, und nicht etwa durch den Verbiss von Höhlenhyänen oder Höhlenbären entstanden sind. In einem zweiten Schritt mußte dann die Spielbarkeit der Flöten erwiesen werden. Damit sind die Fragmente aus dem Geißenklösterle die ältesten nachweisbaren Musikinstrumente Europas und möglicherweise auch der Welt. Im archäologischen Sprachgebrauch gehören sie zum Aurignacien, der ältesten Epoche, in der die Anwesenheit anatomisch moderner Menschen (Homo sapiens sapiens wie wir uns selbst so überheblich getauft haben) bewiesen ist. In absoluten Zahlen ausgedrückt sind die Flöten um die 35'000 Jahre alt.
Für die altsteinzeitlichen Flöten wurden in der Hauptsache die Unterarmknochen verschiedener großer Vögel verwendet. Im Geißenklösterle waren es Knochen vom Singschwan. Für meine Nachbauten der Geißenklösterleflöten (der Maßstab der Abbildung zeigt fünf cm), die sich an diverse Versuche von anderen anlehnen konnten, hatte ich dankenswerterweise einen Flügelknochen vom Schwan zur Verfügung gestellt bekommen. Das zweite etwas kleinere Exemplar, stammt vom Truthahn, der sich als amerikanisches Tier aus leicht verständlichen Gründen für die europäische Steinzeit nicht nachgewiesen läßt. Zunächst mußte ich die beiden Knochen auskochen und das Fleisch anschließend mit einem Feuersteinmesser abschaben. Die beiden Gelenkenden wurden mittels einer ringförmigen Kerbe, ebenfalls mit dem Feuerstein abgetrennt, dann konnte das Knochenmark ausgeblasen werden. Letzte Reste entfernte ein kleines Ästchen, dessen Ende ich pinselartig zerbissen hatte und nun wie eine Bürste durch den hohlen Knochen ziehen konnte. Neben der besonderen Materialfestigkeit des ansonsten sehr leichten Knochens, scheint auch hier der große Vorteil der Vogelknochen zu liegen, denn im Unterschied zu Säugetierknochen sind erstere praktisch komplett hohl. Das lästige Ausräumen der langen Knochen entfällt weitestgehend. Im nächsten Arbeitschritt wurden noch die vier Grifflöcher eingeschnitzt, beziehungsweise mit einer Sandsteinplatte eingeschliffen (Truthahnknochen). Poliert habe ich die geschabten Knochen mit Schilfblättern, für Hochglanz sorgte dann noch etwas menschliches Fett aus meinen Haaren.....
So fertig ist die Eiszeitflöte, wenn Sie jetzt noch hören wollen wie sie klingt, müßen Sie das
Urgeschichtliche Museum Blaubeuren besuchen.