Tagesworkshop zum Thema ILTIS

Workshopthema: "Erneuern der Auspuffkrümmerdichtung beim 1,7l-Vergasermotor des VW-ILTIS im eingebauten Zustand"

Workshopleiter: Andreas Huth

Workshopteilnehmer: Uwe Gniffke (aktiv), Willi Winzig (beratend), Stefan Dreiling (passiv)

Workshopziel: Das Unmögliche durch Erdulden von Hautabschürfungen, Zerrungen, Gelenkkapselausrenkungen und Verbrennungen möglich machen

Der Workshop begann nach einer Kurzeinweisung durch den Leiter ("zuerst muss mal das Hosenrohr ab, sonst geht das nicht") recht kreativ: Nach mehrmaligem rauf- und runterfahren der Hebebühne bekam der aktive Workshopteilnehmer intensiven Einblick in die Physionomie des menschlichen Armaufbaues. Nach den ersten der sechs zu entfernenden Muttern des
Hosenrohrflansches reifte die Erkenntnis heran, dass eine dritte Hand und ein zweiter Ellenbogen bei der Evolution des Instandsetzungsobergefreiten zwingend erforderlich sei. Diese Erkenntnis wurde auch durch das Endergebnis des ersten Teils (Abbau Hosenrohr) bestätigt: Von sechs Stehbolzen wurden vier durch den Teilnehmer abgerissen, eine Leistung, die das Herz des Workshopleiters höher schlagen ließ und auf einen interessanten Workshopverlauf schließen ließ.

Da der aktive Lehrgangsteilnehmer meist auf sein eigenes, reichhaltiges Werkzeugsortiment zurückgreifen konnte, kam das Unterthema "Suchen von Spezialwerkzeug im unübersichtlichen Werkstattumfeld" etwas zu kurz.

Ebenso zeigte sich der Workshopleiter vom Ergebnis des nächsten Teils etwas enttäuscht: Bei acht Krümmerschrauben kein Abriss und alle Stehbolzen draußen.

Um dem Workshop doch noch etwas Schwung zu geben, wurde schnell noch ein Ausflug zu Wochenseminar: "Stehbolzen ausbohren und Gewinde neu schneiden mit stumpfen Bohrern, ohne Ausdreher und mit einem Gewindeschneider" gemacht. Hier kam zum ersten mal ein gestandener Teilnehmer (W.Winzig) zum Zuge, der als Wiederholungsteilnehmer spontan die Schulung im Rahmen einer Lehrvorführung übernahm. Da es sich um das Hauptthema eines anderen, Wochenworkshops mit Unterbringung und medizinischer Betreuung handelte, hatte sich A.Huth entschlossen, auf einen anderen bereits ausgebauten Krümmer mit nur einem abgerissenen Stehbolzen zurückzugreifen. Das Ergebnis dieses Zusatzteils hat am Ende einen der Workshopteilnehmer so begeistert, dass er den verbliebenen Krümmer als zusätzliche Hausaufgabe mitgenommen hat.

Durch das positive Ergebnis des Ausbauvorganges und der Pause bei der Lehrvorführung begann der aktive Teilnehmer ohne konkrete Anweisung experimentell mit dem Handeinbau neuer Stehbolzen in den Motor, wurde aber bereits nach kurzer Zeit (drei Stehbolzen) von Huth mit den belehrenden Worten "erst kontern... dann reindrehen" auf den rechten Weg zurückgewiesen. Die muntere Suche nach 8er Muttern unterband alle aufkeimenden Widerworte.

Nachdem die Stehbolzen unter viel Weh und Ach eingebaut waren, wurde zur Kreativität zurückgekehrt: "Beidseitig sauber einschmieren und einbauen" lautete die detaillierte Anweisung zum Einbau der neuen Dichtungen. Flugs wurden alle vier Krümmerdichtungen, die Hände, die Tube, die Werkbank und das gesamte weitere Umfeld mit Krümmerdichtpaste eingeschmiert und die Dichtungen eingebaut. Hier konnte der Workshopteilnehmer sein kindliches Gemüt voll austoben, denn es gibt vier Möglichkeiten eine Krümmerdichtung einzubauen und nur eine ist richtig.

Beim Aufschrauben der Kupfermuttern wurde noch einmal das Lehrergebnis des ersten Teils ("Der Instandsetzungsobergefreite muss 3 Hände und einen zweiten Ellenbogen haben") verifiziert und die Abschürfungen an beiden Händen und Unterarmen vertieft.

Die Fertigstellung der Arbeiten erfolgte dann allerdings durch den Workshopleiter bzw. auch von seinem Stellvertreter persönlich. Durch fachkundige Hand wurden alle Muttern mit dem meisterlichen Drehmoment-Ellenbogen ordnungsgemäß festgezogen. Hier wurde nebenbei wieder einmal der Beweis erbracht, dass der Kfz-Mechaniker von den wirbellosen Tieren abstammt: Mühelos wurden alle 15 Schrauben durch den Radkasten erreicht und unter gleichzeitigem Lehrgespräch mit den Teilnehmern festgezogen.

Die schlussendliche Erfolgskontrolle: Anwerfen und Hörtest, mussten die Teilnehmer allerdings alleine durchführen, da der Workshopleiter den Ort des Geschehens fluchtartig verließ, um den herzlichen Dankbarkeitsbekundungen seiner Schüler zu entkommen. Ein bescheidener Mensch, der all seine Schaffenskraft in das Heilen und Aufbauen von ILTISsen und ihrer Fahrer steckt, die er liebevoll "Warmduscher" nennt. Eine Fortsetzung dieser Workshopreihe ist glücklicherweise sicher gestellt, und so lautet das Thema des nächsten Lehrganges " Hintere Achslager austauschen". Nach Angaben von A.Huth kein Ganztagesseminar, sondern nur eine Vormittagsveranstaltung. Ein Termin steht noch nicht fest, Anmeldungen werden aber bereits entgegengenommen.

Als Hausaufgabe bekamen die Lehrgangsteilnehmer noch ein kleines Schmankerl mit auf den Weg: "Lüftermotorblech wechseln". Nun, wir freuen uns auch hier wieder innovative Lösungen zu sehen.

Die Teilnahmebescheinigungen für den Workshop werden wie üblich dann ausgeteilt, wenn alle Teilnehmer wieder in der Lage sind, diese ohne Hinterlassung von Blutflecken entgegenzunehmen.

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