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CONFESSIONS
of a God Seeker
(Bekenntnisse
eines Gottsuchers)
von
Ford Johnson
Übersetzung:
Hermann Philipps
TEIL VI
REISE
ZU HÖHEREM BEWUSSTSEIN
Kapitel 13
Spirituelle
und wissenschaftliche Basis des höheren Bewusstseins
INHALT
Natur der Reise
Der Weg zur Gotteserkenntnis und ins Herz der Wahrheit
Das Gesetz der Einheit
Die Illusion des Lebens
Illusion: Wissenschaftliche
Perspektive
Das Erweitern oder Wechseln von
Paradigmen
Wie wir unsere Realitätsillusion
erschaffen
Der Traum der Schöpfung
Ebenen in der Schöpfung der Realitätsillusion
Das Gesetz von Seele und Gottseele
Die Natur des ALL-SEIENDEN
Das Gesetz der Liebe
Die spirituelle Hierarchie
Das Gesetz der Dualität: Gut und Böse
Das Gesetz der Polarität
Das Gesetz des Geistes
Arbeit zum Wohl des Ganzen
Reagibilität des Geistes
Die Natur des Gebets
Die Macht des Glaubens
Vorstellung und Gefühl
Dauer der Konzentration
Der Aktionsaspekt
Wechselwirkende Natur des Geistes
Der Geist und Du: Klarstellung der
Rollen
Neutralität des Geistes
Geist und Schönheit
Intelligenz (Kreativität)
Geist ist Ordnung
Die Illusion der geraden Linie
(Gesetz der Zyklen)
Die Quelle unserer Zweifel und wie
man dem Geist vertraut
Mein bisheriges
Leben war eine Reise in das Herz der Wahrheit. Die Reise zur Wahrheit ist das
einzige Mittel, durch das die Seele erkennen und erfahren kann, was die
Quelle ihres Daseins und was sie selbst wirklich ist. Diese Reise hat mich
durch viel Brachland geführt, aber auch durch Gebiete, die reich an
Erkenntnis und Wissen waren. Alle haben mein Verständnis des Unendlichen
bereichert, das ich jetzt das „EINE“ oder „ALL-SEIENDE“ nenne. Wenn ich vom
Weg abkam, wurde ich durch Ereignisse zur Wahrheit zurückgeführt, die nicht
vorhersehbar waren, deren Bedeutung jedoch auf der Hand lag, als sie
eintraten. Meine Begegnung mit Graham und die Reaktion des spirituellen
Führers von Eckankar auf Grahams Aufzeichnungen waren die Katalysatoren, die
mich auf den gegenwärtigen Teil dieser Reise führten. Ich erkannte Mängel in
meinen Vorstellungen über das Göttliche, und dies half mir dabei, mich als
geistiges Wesen sowie meine Identität im Eins-Sein mit dem ALL-SEIENDEN
besser zu verstehen.
Ich bedauere keinen Teil dieses
Weges, denn niemals gab es dabei eine Zeit, in der ich nicht lernte und
wuchs. Auf den aufreibendsten Wegstrecken stieß ich auf spirituellen
Schwindel und irreführende Vorspiegelungen über das Unendliche. Die
Entdeckung dieses Schwindels diente mir als Orientierungshilfe, die mich auf
dem nächsten Abschnitt des Weges die Richtung halten ließ. Ich bin dankbar
für diese Erfahrungen und für die Bewusstheit, die sie mir brachten. Ohne sie
hätte ich nicht mein heutiges Verständnis darüber, wie leicht Seelen
irregeleitet werden können und – einmal irregeleitet – wie oft sie sogar
darum kämpfen, auf vertrautem spirituellem Gelände verharren zu können.
Nachdem ich die mir von Eckankar
in den Weg gelegte Verwirrung und Täuschung weggeräumt hatte, erlebte ich ein
bemerkenswertes Wachstum zu höherem Bewusstsein. Durch intensive innere und
äußere Erkundung verstand ich zunehmend die Natur von Religionen und das
transzendente Element, das in allen von ihnen steckt. Ich erkannte aber auch,
wo ihre Grenzen liegen und wie sie spirituell sogar hemmen können. Solche
Einsichten gehören zu jedermanns Reise in das Herz der Wahrheit. Im Kern ist
die Wahrheit einfach. Der Mensch umgibt diese Einfachheit mit Ritualen,
Dogmen und unzähligen Klügeleien, die kein anderes Ergebnis haben als einen
endlosen Kreislauf von Fragen und Antworten. So sieht das Streben nach
Wahrheit aus, wenn es sich auf die Mittel des Verstandes beschränkt.
Der Weg zur
Gotteserkenntnis beschränkt sich nicht auf das Inkarnieren als Mann oder
Frau. Ist das Puzzle endlich zusammengesetzt, finden wir, dass jede Form von
der niedrigsten bis zur höchsten sich zu einer fortgeschritteneren Gestalt
weiterentwickelt. Tatsächlich sind wir selbst einer der Kanäle, über die
diese Entwicklung erfolgt. Wie könnte man beispielsweise die Zuneigung eines
Haustiers erleben, ohne intuitiv zu fühlen, dass das Tier dabei ist, sich auf
eine höhere Ausdrucksform von sich selbst vorzubereiten? Wie könnten uns die
Konflikte entgehen, von denen es in unserem eigenen Körper wimmelt, ohne zu
spüren, dass da noch manches andere vor sich geht, das mit unseren eigenen
Wünschen und Interessen wenig zu tun hat. In unseren inneren und äußeren
Körpern geschieht viel mehr als uns bewusst ist.
Wir können in diesen Strukturen
einen Mikrokosmos des gesamten Universums erkennen. In jedem Keim und jeder
Zelle unserer äußeren Hülle sind Seelen verkörpert, die ein Leben führen und
Lektionen lernen. Wir als dominante Seele in diesem Kollektiv mühen uns damit
ab, sie unter Kontrolle zu halten und zu dirigieren. Das ist der Grund, warum
allein in der menschlichen Form so viele Inkarnationen nötig sind, um „alles
auf die Reihe zu bringen“. Was wir hier an Erfahrungen machen, gehört also
nicht nur uns allein. Wir leben in Gesellschaft mit anderen Wesen, die sich
mit uns entwickeln. Je besser es uns gelingt, Harmonie mit allem
herzustellen, was wir sind, umso mehr entfaltet sich alles, aus dem unser
Wesen zusammengesetzt ist.
So wie unser Grad an Bewusstheit
auch die Erweiterung des Bewusstseins anderer Wesen im Bemühen um
spirituelles Wachstum unterstützt, so gibt es auch viel weiter als wir
entwickelte Seelen, die daran arbeiten, uns in unserer spirituellen
Entwicklung zu helfen. Wie könnte es auch anders sein? Das Große Werk aller
fühlenden Wesen in allen Universen besteht ja darin, andere in der
Erweiterung ihres Bewusstseins zu unterstützen. Wie es Seelen gibt, die in
der Entfaltung ihres Bewusstseins hinter uns zurückliegen, so gibt es auch
Seelen, die uns voraus sind – oft sogar weit voraus. Sie sind nicht besser
oder größer, sondern einfach weiter fortgeschritten. Das ist das universelle
System der Liebe, in dem wir existieren. Trotz aller Vorgänge, die das
Gegenteil zu belegen scheinen, führt alles Geschehen zu einem Wachstum der
Bewusstheit, die wiederum zu Gotteserkenntnis und zu einer größeren
selbstbestimmten Rolle in der Lenkung der Universen führt.
Es ist ein unglaubliches
Universum, das wir sind und in dem wir leben. Wir können es durch das
Prisma der Wissenschaft mit ihren Beschränkungen und – allzu oft – ihrer
arroganten Blindheit (auch wenn sich das heute schnell ändert) nicht
vollständig erfassen. Die inneren und äußeren Universen können wir nur
mittels eines umfassenderen Prozesses verstehen. Zu diesem Prozess gehört
nicht nur die wissenschaftliche Erforschung der äußeren Welt, sondern auch Meditation
und inneres Reisen, um andere Dimensionen von Realität zu ergründen. Der Weg
zu höherem Bewusstsein erfordert, dass wir unseren Blick auf das Ziel
richten. Er erfordert die Fähigkeit, über die Form hinaus auf die Einheit
aller Dinge zu schauen. Mit der Zeit lernen wir, dass wir Meister ebenso wie
Lehrer hinter uns lassen müssen. Wir lernen, dass Licht und Ton (die in
Eckankar und anderen religiösen Systemen ein so große Rolle spielen)
gegenüber der Realität des EINEN nur ein kleines Feuerwerk sind.
Wir alle sind fähig, diese
Realität zu sehen und zu erleben; wir müssen aber über die Beschränkungen
durch verinnerlichte Konstrukte, die als der Weg zu Gott missdeutet werden,
hinausschreiten. Kosmogonie und Kosmologie der inneren Welten, wie sie von
verschiedenen spirituellen Pfaden vorgetragen werden, haben durchaus eine Art
objektiver Realität. Sie existieren im gleichen Maße, wie die „objektive
Realität“ der physischen Welt existiert. Doch in den inneren Welten haben wir
mittels unserer Gedankenformen und Glaubensvorstellungen die Fähigkeit, eine
momentane Realitätsillusion zu erschaffen. Das ist der Grund dafür, dass die
Mythen und Versprechungen jeder Religion von ihren Anhängern tatsächlich
erfahren werden, sobald sie sich in deren innere Regionen hineinbewegen.
Solche Erfahrungen treten
entweder beim als Tod bekannten Übergang ein oder durch innere Erkundung in
Traum, Seelenreise, Astralreise oder Bewusstseinsverschiebung. Es existieren
also Konstrukte der inneren Welten, und sie werden von unserer
Vorstellungskraft (und darüber hinaus von der Vorstellungskraft anderer)
geschaffen. In die Reichweite unseres Erlebens gelangen sie jedoch durch
unsere Glaubensvorstellungen, Überzeugungen und Erwartungen. Wir können diese
Konstrukte ändern und somit unserer inneren Reise eine andere Richtung geben,
indem wir unsere Überzeugungen ändern und unsere Bewusstheit ausdehnen. So
gelangen wir auf einen ganz anderen Pfad innerer Erfahrung und Erkenntnis.
Eigentlich ist es nicht richtig,
von einer inneren Reise, einem inneren Ziel oder einer inneren Geographie zu
sprechen, denn wir sind schon dort – das heißt, hier. Die von uns
erfahrenen äußeren und inneren Realitätsillusionen sind nur Kulissen,
aufgestellt von kreativen Seelen, die uns vorausgegangen sind, oder von uns
selbst. Diese Realitätsillusionen sind nicht zwangsläufiger, absoluter oder
endgültiger als unsere Fähigkeit, uns etwas anderes vorzustellen. Wie wir
noch sehen werden, ist es gar nicht so schwer, wie es scheinen mag, uns über
diese inneren und äußeren Konstrukte hinweg zu höherer und dauerhafterer
Bewusstheit von uns selbst als Gottseele aufzuschwingen.
Der Weg zu höherem Bewusstsein
erfordert eine sorgfältige Balance zwischen Frage, Analyse, Zweifel,
Intuition, Glaube, innerer Bewusstheit und Gewissheit. Letzten Endes wird
jegliche Falschheit bereinigt. Die Wahrheit tritt mit einer ihr eigenen Kraft
hervor, die auch der kritischsten Analyse standhält. Diese Wahrheit bricht
durch die Vielfalt an Formen, die sich als Religion, Philosophie und auch als
Gesellschaft selbst verkleiden, hindurch. Was bleibt, ist der Kern aller
Dinge, die einzige Realität, die wirklich existiert. Diese Realität ist
Bewusstheit und reines Sein – die Eigenschaften der Gottseele, deren wahre Heimat
ohne Form und ohne Raum ist. Zu gegebener Zeit werden wir das Geheimnis aller
Geheimnisse kennenlernen: dass wir ein Ausdruck des ALL-SEIENDEN sind.
Dieses Kapitel bildet die Basis
für das Verständnis dieser Schlussfolgerung. Wenn wir sie mit dem inneren Weg
verbinden, werden wir Wahrheit als solche verstehen lernen und als Gewissheit
in uns tragen. Der Weg zu höherem Bewusstsein, ja ins Herz der Wahrheit,
führt durch ein Tor, das durch ein gewisses Beherrschen unmittelbarer
Wahrnehmung geöffnet wird – durch Traumreise, Meditation, Kontemplation,
Bewusstseinsverschiebung oder wie auch immer wir die Erfahrung, physische und
andere niedrigere Aspekte von Bewusstsein zu übersteigen, nennen wollen. Dies
alles führt zur Stille – zum Einssein, das die Realität des Hier und Jetzt
ist – zu dem Geschenk, das wir schon haben, auch wenn wir es erst allmählich
begreifen. Diesem Endziel wird jeder von sowie die gesamte Menschheit durch
spirituelles Unbefriedigtsein entgegengetrieben; dieses Streben ist ja überhaupt
der Grund für unsere Existenz. Es ist die Reise, die uns überall hinführt,
bis wir schließlich erkennen, dass wir bereits da sind. Es ist die Reise zu
höherem Bewusstsein, die Reise ins Herz der Wahrheit.
Es gibt spirituelle
Gesetze, die bestimmen, wie die inneren und äußeren Universen „funktionieren“
und in welcher Beziehung wir zu ihnen stehen. Viele dieser Gesetze wurden von
der physikalischen Wissenschaft bereits insoweit entdeckt, als sich diese
Gesetze in ihren physikalischen Eigenschaften erkennen lassen. Viele andere
spüren wir intuitiv in unserer Lebenserfahrung auf. Ansonsten bleiben sie
jedoch verborgen und sind schwer fassbar; verstehen können wir sie erst, wenn
wir das irdische Bewusstsein übersteigen. Zusammen bilden diese Gesetze die
Grundlage für das Wirken aller Dinge und für das Verständnis aller
natürlichen und spirituellen Erscheinungen. Das übergreifende Gesetz, aus dem
sich alle anderen Gesetze herleiten, ist das Gesetz der Einheit, bzw. das
Gesetz des EINEN.
Das Gesetz der Einheit drückt
die Vorstellung aus, dass das Universum von einer bewussten, intelligenten
Kraft geschaffen wurde – das EINE, aus dem die gesamte Schöpfung
hervorgegangen ist. Das Ziel dieses EINEN, so gut ES sich beschreiben lässt,
besteht darin, Expansion zu erreichen, und zwar durch die Expansion der
Bewusstheit aller empfindungsfähigen Wesen. Um dieses Gesetz besser zu
verstehen, muss man mehr über die Natur des ALL-SEIENDEN wissen und darüber,
wie unser Leben widerspiegelt, was ES ist.
Es wird oft
gesagt, dass das Leben eine Illusion sei, die von individuellen und
kollektiven Annahmen und Konventionen der Zivilisation geschaffen wird. Für
die meisten von uns ist diese Illusion jedoch viel zu real, um als solche
erkannt zu werden. Wir sind vollauf damit beschäftigt, einfach zu überleben
und hoffentlich auch zu prosperieren. Die Illusion des Alltagslebens wird
unsere Realität. Daher wollen wir sie „Realitätsillusion“ nennen. Jede
Erfahrung in unserem Leben ist dazu bestimmt, unsere Einsicht in unser
eigentliches Wesen zu erweitern und die Schichten der Realitätsillusions
abzutragen, damit wir sie als das sehen können, was sie ist. Traumbildung
(ein Aspekt des Vorstellungsvermögens) sowie das Annehmen und Spielen von
Rollen im Leben sind Beispiele für die unzähligen Ebenen von Illusion, die
wir geschaffen haben.
In einem bekannten Beispiel
dafür, wie schnell wir eine Illusion als Realität akzeptieren, wurde eine Gruppe
junger Männer angeworben und an einen Ort in der psychologischen Fakultät der
Stanford University gebracht. Dieser Ort war als Gefängnis ausstaffiert.
Keiner der jungen Männer war wegen einer kriminellen Handlung verurteilt;
jeder hatte sich lediglich bereit erklärt, an einem Experiment teilzunehmen.
Sie waren „Häftlinge“ in einer illusorischen Welt, in der sie von einer
anderen Freiwilligengruppe bewacht wurden, die als „Wärter“ fungierten. Alle
Personen waren Stanford-Studenten.
Die Häftlinge wurden mit einem
Sprühmittel entlaust, mussten sich ausziehen, wurden einer Leibesvisitation
unterzogen und erhielten Fußklammern. Die Wärter wurden autorisiert, die
Gefängnisregeln selbst zu bestimmen. Das Experiment lief rund um die Uhr,
allerding konnte jeder Teilnehmer jederzeit aus dem Experiment aussteigen.
Mit wenig mehr als diesen Grundregeln begannen die Wärter bald damit, die
Häftlinge zu schikanieren in dem offenkundigen Bestreben, deren Willen zu
brechen. Beide Gruppen schlüpften so vollständig in ihre jeweilige Rolle,
dass die Experimentatoren fürchteten, es könnte wirklich gefährlich werden.
Das Experiment musste nach wenigen Tagen abgebrochen werden. Die Psychologen
kamen zu dem Schluss, dass „die Umstände individuelle Persönlichkeiten entstellen
können – und jeder wie ein Ungeheuer handeln kann, wenn er vollständige
Kontrolle über andere erhält“. Der zweite Teil dieser Aussage geht vielleicht
etwas zu weit, doch zeigt das Experiment, in welchem Maße Illusion zur
Realität werden kann und wie unsere Handlungen, Worte und Gedanken von einer
Illusion beeinflusst werden können.
Auf dieses Phänomen stoßen wir
jeden Tag, wenn wir Nachrichten hören und davon emotional vereinnahmt werden.
Wir sehen es, wenn wir uns mit einer Figur in einem Film identifizieren und
fühlen, was sie fühlt. Die Rollen, die wir im Leben spielen (Mutter, Vater,
Pfarrer, Rechtsanwalt) und unsere gesellschaftlichen Gruppen (Rasse,
Geschlecht, sexuelle Neigung, Körpergröße, Gewicht, Religion, Nationalität)
sind Beispiele für verschiedene Ebenen von Realitätsillusion, in die wir uns
im Laufe des Tages hinein- und herausbewegen.
Weitere Beispiele für die Macht
der Realitätsillusion sind im Wettstreit um den Sieg, insbesondere im
Mannschaftssport, zu sehen. Unsere Spiele stellen den Einzelnen in einen
illusorischen Rahmen, in dem die Teilnehmer nicht selten bereit sind, ihren
Körper aufs Spiel zu setzen, um ein Ergebnis zu erzielen, das durch eine
Illusion als erstrebenswert dargestellt wird. Ist der Preis jedoch gewonnen,
kann der Sieger oft nicht erklären, was das Ganze eigentlich soll. Er muss
dann eine Bedeutung hervorzaubern, denn das Erlebnis selbst gibt keine her.
Nur nach einiger Überlegung kann die Person Wachstum an innerer Stärke und an
Bewusstheit als eigentlichen Sinn der Realitätsillusion erkennen.
Betrachten wir das Leben auf
diese Weise, so erkennen wir die Ähnlichkeit mit unseren Traumerlebnissen,
nur dass die Szenerie hier schneller wechselt und die Übergänge nicht so
gleitend und vorhersehbar sind. Es ist seit langem bekannt, dass den Träumen
ein verborgener Sinn innewohnt, der nicht unbedingt mit der Szenerie oder den
darin auftretenden Personen in Beziehung steht, außer in symbolischer Weise.
Dies sind nur einige von vielen Anhaltspunkten, die uns täglich begegnen und
auf die illusorische Natur der Realität hindeuten.
Wir lernen und wachsen nur, wenn
wir uns in etwas vertiefen und darauf reagieren, als ob es Realität sei. Wenn
wir uns einen Film anschauen und vor allem auf Kameraführung,
Schauspielkunst, Szenerie, Drehbuch und andere technische Aspekte achten,
dann fällt es nicht schwer, ihn als geschaffene Illusion zu sehen. Aus dieser
Perspektive werden wir von den Problemen der Akteure nur wenig berührt. Wir
stehen über der Illusion. Wir denken uns vielleicht noch pfiffigere Wege aus,
die Variablen des Schauspiels zu manipulieren. Wir könnten dann noch
überzeugendere Illusionen mit noch größerem Effekt erfinden. Versenken wir
uns andererseits in das Schauspiel und empfinden und fühlen wir die
Erlebnisse der Akteure, dann können wir die Lektionen lernen, die diese in
der Filmhandlung lernen oder lernen könnten. In gleicher Weise hängen die
Lektionen, die wir in der Realitätsillusion lernen, davon ab, in welchem Maße
wir in die Illusion einsteigen und an ihr teilnehmen.
Zunächst sind wir ganz die
Wirkung von allem Leben, denn wir können nicht sehen, dass wir in einer
Illusion stecken. Es ist daher weniger wahrscheinlich, dass wir die Lektionen
überhaupt wahrnehmen, die wir lernen müssen, um zur nächsten Stufe in unserer
emotionellen, intellektuellen und spirituellen Entwicklung weiterschreiten zu
können. Mit der Zeit lernen wir, die Illusion als solche zu erkennen und uns
von ihr bereits abzulösen, auch während wir die Illusion noch durchleben und
uns ihr stellen. Das Leben von einem höheren Bewusstsein aus zu
durchschreiten, mildert den emotionalen Schmerz in den Illusionen des Lebens,
jedoch ohne unsere Reaktion soweit abzustumpfen, dass wir unbeteiligte
Beobachter werden. Wir lernen einfach auf zwei oder mehr Ebenen von
Bewusstheit gleichzeitig.
Eine
wissenschaftliche Perspektive der Realitätsillusion des Lebens kann helfen,
um den Prozess der Schöpfung und die Wege des ALL-SEIENDEN zu verstehen.
Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse werfen Licht auf dieses Phänomen,
wenigstens insoweit, als es sich auf physikalischem Gebiet manifestiert. 1982
führte eine Forschergruppe der Pariser Universität unter der Leitung des
Physikers Alain Aspect eine Reihe von Experimenten durch, die für das
Universum ein holographisches Weltbild bzw. Paradigma nahelegten. Später
baute Aspect die Folgerungen aus diesen Erkenntnissen zu einer noch
eingehenderen Kosmologie aus. Um die erstaunlichen Implikationen dieser
Forschungen besser zu verstehen und um zu erkennen, in welcher Weise sie die
Vorstellung einer illusorischen Realität stützen, ist es nützlich, auf
frühere Forschungen zurückzugreifen.
Die Fernsehserie Star Trek
und der Film Star Wars haben Hologramme populär gemacht. Ein
holographisches Bild ist eine dreidimensionale Darstellung eines realen
Objekts, die alle seine Perspektiven sichtbar macht, jedoch keine materielle
Substanz hat. Der derzeitige Stand der Holographie entspricht nicht einmal
andeutungsweise dem „Holodeck“ im Raumschiff Enterprise. Aber sie ist
weit genug vorangeschritten, um unser Verständnis der Realitätsillusion über
den Stand hinauszubringen, den es vor nicht allzu langer Zeit noch hatte. Ein
Wissenschaftler beschrieb das Potential des holographischen Weltbilds wie
folgt:
Es
gibt Hinweise darauf, dass auch unsere Welt und alles, was darin ist – von
Schneeflocken über Ahornbäumen bis zu Sternschnuppen und sich drehenden
Atomen – nur geisterhafte Abbildungen sind, Projektionen aus einer
Realitätsebene, die sich so weit außerhalb unserer eigenen befindet, dass sie
buchstäblich jenseits von Raum und Zeit liegt.
Zu den Befürwortern dieser Ansicht gehören der angesehene Quantenphysiker
David Bohm (ein Protegé von Albert Einstein) und Karl Pribram, ein
Neurophysiologe an der Stanford University und Autor von Languages of the
Brain.
Schauen wir uns dieses Phänomen
genauer an. Holographie ist ein Verfahren, mit dem sich ein dreidimensionales
Bilds eines Gegenstands oder einer Person auf einem fotografischen oder
anderen lichtempfindlichen Material speichern und darstellen lässt. Die
Platte, auf der das Bild abgelichtet ist, ist ein Hologramm. Lässt man ein
Laserlicht durch diese Platte fallen, wird ein holographisches Bild erzeugt.
Eine solche dreidimensionale Darstellung eines realen Objekts ist der
Schlüssel zu einer tieferen Wahrheit. Könnte diese offensichtliche Illusion
nicht ein Prinzip veranschaulichen, das wichtige Parallelen für das Verständnis
der eigentlichen Natur des Kosmos aufweist? Diese Frage faszinierte Pribram,
denn er erkannte, dass die holographische Deutung sich besser als andere
Theorien eignete, unser Gedächtnis zu erklären. Seine Beobachtungen deuteten
darauf hin, dass Gedächtnisinhalte übers ganze Gehirn verteilt sind, statt an
ganz bestimmten Stellen, wie frühere Forschungen es nahegelegt hatten. Zu
dieser Schlussfolgerung kam er durch die Beobachtung, dass Versuchspersonen
sich an bestimmte Gedächtnisinhalte erinnern konnten, obwohl der Teil des
Gehirns, in dem man diesen Gedächtnisinhalt lokalisiert glaubte, nicht
stimuliert worden war.
Ähnlich stellte Bohm fest, dass
das holographische Weltbild oder Paradigma quantenphysikalische Phänomene
erklärte, die bisher rätselhaft waren. Während Dennis Gabor (Träger des
Nobelpreises in Physik 1971) als Entdecker der Holographie anerkannt wird,
wird Pribram und Bohm der Ausbau dieser Entdeckung zu einem Weltbild
zugeschrieben, das viele zuvor unerklärliche Erscheinungen erklärt. Diese
Theorie konnte nicht nur natürliche Erscheinungen erklären, sondern auch
paranormale Phänomene wie Präkognition, Träume, Telepathie usw. – Gebiete,
denen die Wissenschaft lieber aus dem Weg geht. Alsbald wurde das
holographische Weltbild auch herangezogen, um Nahtoderlebnisse, die
Funktionsweise des Gehirns, die Traumwelt und die Synchronizität
(ungewöhnliches Zusammentreffen von Ereignissen, die mehr als Zufall sind) zu
erklären.
Alain Aspect und seine Gruppe
entdeckten, dass subatomare Teilchen augenblicklich miteinander zu
kommunizieren scheinen, unabhängig davon, ob der Abstand zwischen ihnen drei
Meter oder dreißig Milliarden Kilometer beträgt. Aspects Forschungsergebnisse
hat Implikationen, die den meisten Naturwissenschaftlern nicht akzeptabel
erscheinen. Bohm hingegen ging noch viel weiter als seine Kollegen und trug
die Interpretation vor, dass es keine objektive Realität gebe, dass das
Universum trotz seiner offenbaren Solidität ein Phantasma sei, ein
gigantisches und großartig detailliertes Hologramm. Mit anderen Worten: Die
physische Welt ist eine Illusion, deren eigentliche Natur wir kaum
ansatzweise verstehen.
Das Universum als gigantisches
Hologramm zu beschreiben, ist eine hilfreiche, wenn auch unvollständige
Brücke dazu, das übergeordnete Wunder von Schöpfung und Leben als etwas zu
sehen, das vom ALL-SEIENDEN, vom EINEN, von GOTT umschlossen ist. Seit langem
ist es eine Lehre des höheren Bewusstseins, dass jeder von uns eine
Widerspiegelung, ein Abbild dessen ist, aus dem wir herkommen. Die
Eigenschaften des Hologramms veranschaulichen dies bis zu einem gewissen
Grade. Wenn eine holographische Platte, die das Bild eines Apfels enthält,
mit einem Laserstrahl angeleuchtet wird, dann erscheint das Objekt als
perfektes dreidimensionales Abbild des Originals. Wenn wir die Platte mit dem
Bild des Apfels in zwei Teile schneiden und das Licht separat auf jede Hälfte
fallen lassen würden, dann sollten wir wir wohl erwarten, jeweils nur ein
halbes Bild zu sehen. Aber so ist es nicht! Auch wenn das Licht nur auf eine
Hälfte des Hologramms geworfen wird, sehen wir ein dreidimensionales Bild des
ganzen Apfels. Das Abbild ist kleiner (die Platte ist nur halb so groß), aber
es ist in allen Details ebenso vollständig wie das ursprüngliche Bild. Und
was wäre, wenn wir die Platte in vier, acht, sechzehn usw. Teile schneiden
würden? Wenn wir den Laser auf eine kleinere Stückelung des Hologramms
projizieren, sehen wir immer das Bild des ganzen Apfels, wenn auch
proportional kleiner.
Das Hologramm ist mehr als nur
eine Metapher für unser Verhältnis zu dem EINEN und als Widerspiegelung des
EINEN. Hier liegen tiefgründige Implikationen. Es veranschaulicht, dass alles
ein Teil des Ganzen ist, auch wenn es als parzellierter Teil erscheint. Bohm,
wie auch andere, machte sich diese erweiterte Auffassung des Ganzen zu eigen,
denn sie bietet einen hilfreichen Weg, das Universum und unser Verhältnis zu
demselben zu sehen und zu verstehen.
In seiner Allgemeinen
Relativitätstheorie erstaunte Einstein die Welt mit der Aussage, dass
Zeit und Raum nicht voneinander getrennt, sondern eng miteinander verwoben
und Teile eines größeren Ganzen sind, das er das „Raum-Zeit-Kontinuum“
nannte. Bohm führt diese Anschauung einen großen Schritt weiter. Er sagt,
dass alles im Universum Teil eines Kontinuums sei. Trotz der
augenscheinlichen Getrenntheit der Dinge sei alles eine übergangslose
Fortsetzung von allem anderen, und letztlich gingen auch implizite und
explizite Ordnungen ineinander über.
Die Wissenschaft hat uns auch
andere Beispiele für dieses faszinierende Phänomen nahegebracht. So enthält
jede einzelne Zelle unseres Körper eine vollständige Aufzeichnung dessen, was
wir sind (unsere genetische Geschichte) und spiegelt so das Ganze wider, von
dem sie ein Teil ist. Das ist auch die Grundlage für das Klonen. Im Prinzip
lässt sich aus jeder Zelle ein praktisch identisches Exemplars replizieren,
ähnlich wie jedes Fragment eines Hologramms ein Abbild des Ganzen zeigen
kann. In vergleichbarer Weise sind wir nicht nur ein Teil des ALL-SEIENDEN, wir
sind auch ein infinitesimal kleines Replikat DAVON. Und so, wie die Zelle
ein voll ausgewachsenes Wesen von gleicher Größe und Fähigkeit hervorbringen
kann, so sind auch wir imstande, zu wachsen und das zu werden, wovon wir
herkommen. Diese Vorstellung mag zunächst als Blasphemie oder uns
unvorstellbar erscheinen, aber sie ist stimmig mit dem spirituellen Gesetz
expandierenden Bewusstseins und dem Gesetz des EINEN.
Wie wir das ALL-SEIENDE
widerspiegeln, wird nur durch unsere Akzeptanz begrenzt, tiefer die Natur und
Wege des ALL-SEIENDEN zu verstehen, sich ihrer bewusst zu werden und sie zu
akzeptieren. Alle Religionen setzen der Erweiterung der Bewussheit Grenzen,
indem sie statische spirituelle Paradigmen verfechten. Es ist, als ob sie
sagen würden: „Was wir heute über GOTT wissen, ist alles, was sich über
IHN/SIE/ES wissen lässt. Wir haben die Antwort und damit punktum!“
Das
Neue deutsche Bedeutungswörterbuch definiert „Paradigma“ so: a) etwas,
das als Beispiel, Muster, Vorbild oder Modell für eine Denk- oder
Vorgehensweise dient; b) Modus Operandi (Art und Weise, wie man an eine
bestimmte Aufgabe herangeht und sie bewältigt).
Webster's bietet folgende
Definition (übersetzt aus dem Englischen): Vorbild, Muster; insbesondere: ein
klares oder typisches Vorbild oder ein Archetyp ... ein philosophischer oder
theoretischer Rahmen einer wissenschaftlichen Richtung oder Disziplin,
innerhalb dessen Theorien, Gesetze und Verallgemeinerungen sowie die sie
belegenden Experimente formuliert werden.
Mit anderen Worten: Ein Paradigma ist eine bestimmte Art
und Weise, Dinge zu betrachten. Es stellt eine Kombination aus unseren Annahmen,
Vorstellungen und akzeptierten Fakten über ein gegebenes Thema dar, das unser
Denken und unsere Entscheidungen beeinflusst. Unsere Ideen über Partnersuche,
Haushaltsführung und Gott sind Beispiele für Paradigmen. In diesem ganzen
Abschnitt werden wir uns auf diesen Begriff beziehen, um besser zu verstehen,
wie unsere Denkmuster und Archetypen die Ansichten über uns selbst und das
Universum, in dem wir leben, beeinflussen.
Die Lektionen über den Geist
(engl. Spirit) und das ALL-SEIENDE gelten für alle Dimensionen der Realität.
Wenn wir sie lernen, lernen wir auch, wie das Universum selbst funktioniert.
Weit davon entfernt, ein rein physikalisches, in wissenschaftlichen Begriffen
verstehbares Phänomen zu sein, sind Schöpfung und Funktionsweise des
Universums zuallererst ein innerer, „spiritueller“ Prozess. In diesem Prozess
wirken dieselben Mechasmen, die wir in dieser physischen Schule zu lernen
haben. Ich verwende das Wort „spirituell“, weil es eigentlich keinen
„wissenschaftlichen“ oder „spirituellen“ Prozess als solchen gibt, denn sie
sind in Wirklichkeit dasselbe. Dennoch verwende ich beide Bezeichnungen, um
den durch bestimmte Untersuchungsverfahren gekennzeichneten Teil unseres
Wissens vom anderen Teil zu trennen. Tatsächlich haben wir hier ein Kontinuum
vor uns, wobei sich die Grenze zu dem, was spirituell ist, mit dem
Voranschreiten wissenschaftlicher Entdeckung ständig verschiebt. Einst waren
wir auf spirituelle Mythen, fragwürdige Lehren, Dogmen und Ehrfurcht
angewiesen, um die Barriere zu durchbrechen und etwas zu akzeptieren oder zu
glauben. Als die Wissenschaft rationalere Erklärungen vorlegte, konnten wir
alte Lehren und Dogmen ablegen und das akzeptieren, was wir nun als
feststehende Tatsache erkannt hatten. Noch hat die Naturwissenschaft die
Lücke zwischen Leben und Tod, Realität und Träumen, Imagination und
Manifestation nicht geschlossen. Deshalb betrachten wir diese Bereiche als
„spirituell“ in Unterscheidung zu „wissenschaftlich“ und suchen Anleitung und
Erklärung im Spirituellen.
Wenn wir einsehen, dass beide
Bereiche untrennbar zusammengehören, also einen fließenden Übergang bilden,
erkennen wir auch, wie irrig und sinnlos es ist, sich an die festen Parameter
eines religiösen Dogmatismus zu klammern. Mit dem Begriff „spirituell“ hat
man das Problem, dass er von Ehrfurcht und „heiligem Schauer“ umgeben ist,
die rationaler Erforschung im Wege stehen. Dieser Begriff impliziert, dass
blindes Vertrauen, hingebungsvolle Annahme und Preisgabe des Kritikvermögens
Voraussetzungen seien. Wie aber schon erwähnt, sind Naturwissenschaft und
Spiritualität lediglich verschiedene Wege, die Gesamtheit des Wissbaren zu
beschreiben. Beide beantworten auf ihre eigene Weise, wer wir sind, warum wir
hier sind, und was wir zu tun haben.
Spirituelle Forschung sollte
daher als eine Form naturwissenschaftlicher Forschung behandelt werden. So
entkommen wir dem Verhaftetsein an Lehrmeinungen und Dogmen, die sich als
Wahrheit ausgeben. Spirituelle Forschung erfordert als Weiterführung naturwissenschaftlicher
Forschung (und umgekehrt) neue, andersartige Annahmen und Verfahren zur
Ausdehnung des Spektrums an gewusster Wahrheit. Science-Fiction-Autoren
greifen gerne wissenschaftliche Paradigmen auf und extrapolieren sie oft mit
phantasievoller Einbildungskraft in einer Weise, die das Große Paradigma
unserer Existenz – ICH BIN, GOTT IST, WIR SIND EINS – verzerrt.
Horrorfilme, Berichte über
Rätselhaftes und dergleichen flößen uns Furcht vor allem ein, was außerhalb
der Normalität liegt. Sie behindern unser Wachstum, denn Furcht behindert
Wachstum. Doch das Universum ist, oder wird, was immer wir denken, dass es
sei. Es steckt also durchaus Wahrheit in dem, was diese Autoren imaginieren –
aber nur, weil sie diesen Vorstellungsbildern erlauben, in inneres und
äußeres Dasein zu gelangen. Science-Fiction-Autoren haben unsere Vorstellung
von dem, was möglich ist, in positiver Weise erweitert. Aber sie haben auch
emotionelle Narben und Paradigmenverzerrungen hinterlassen. Neben „Sci-Fi“
ist es jetzt vielleicht auch an der Zeit für ein neues Genre
„Science-Spiritual“ oder „Sci-Spi“. Hier würden die Autoren das, was wir
naturwissenschaftlich über das Universum wissen, mit dem verbinden, was uns
über Spiritualität bekannt ist.
Naturwissenschaftliche Forschung
verlangt, dass Experimente zu einer Theorie vorhersagbar und wiederholbar
sind. Die wissenschaftliche Forschung im spirituellen Bereich muss ihre
Grundregeln so anpassen und ausrichten, dass der Sprung in andere Teile des
Existenzkontinuums möglich wird. Sie muss den subjektiven Charakter der
Existenz in anderen Dimensionen, der vorhersagbare und wiederholbare
Experimente schwierig macht, in den Griff bekommen. Und tatsächlich ringt um
ebendies die heutige Wissenschaft angesichts der unvorhersagbaren und
ungewissen Natur der Quantenphysik. Die Wissenschaft muss ihr Paradigma
verändern, um transzendente Prozesse wie Glauben und Denken als kreative
Wirkkräfte einbeziehen zu können. Das würde die Erwartung vorhersag- und
wiederholbarer Ergebnisse – Hauptproblem moderner wissenschaftlicher
Erforschung des spirituell-übersinnlich Unbekannten – senken. Der Wandel in
der Herangehensweise, der zu dieser Art von Untersuchung führt, bahnt sich
bereits in der Theorie des holographischen Weltbilds und in der
quantenphysikalischen Forschung an – Bereiche, in denen die Verbindung
zwischen Denken und äußeren Ergebnissen deutlicher sichtbar wird.
Die wissenschaftliche Methode
fordert gewiss Unvoreingenommenheit und die Bereitschaft, alle Möglichkeiten in
Betracht zu ziehen. Aber sie arbeitet auch selbst im Rahmen eines von
Überzeugungen getragenen Paradigmas, das die Grenzen dessen bestimmt, was als
Forschungsgegenstand für geeignet gilt. So liefert die Arbeit von Dr. Ian
Stevenson (University of Virginia School of Medicine) eindrucksvolle Belege
für Reinkarnation, jedenfalls genug, um weitere wissenschaftliche
Untersuchungen zu rechtfertigen. Doch stieß sie in akademischen Fachkreisen
weitgehend auf Gleichgültigkeit, wenn nicht Hohn. Auf ähnliche Geringschätzung
stieß die Untersuchung von Entführungsphänomenen und Belegen für die
genetische Manipulation unserer Spezies. Die letztere Forschung förderte
bemerkenswerte Belege dafür zu Tage, dass fortgeschrittene Wesen für die
Ausbreitung von Wissenschaft und Kultur gesorgt haben, was zum erstaunlichen
Fortschritt des Homo sapiens in unerklärlich kurzer Zeit geführt haben soll.
Aber solche Forschungen gelten als des wissenschaftlichen Etiketts unwürdig.
Würden diese Belege ernsthaft in Betracht gezogen, so könnte dies zu einer
Änderung des vertrauten Evolutions- oder entstehungsgeschichtlichen
Paradigmas zwingen, das heute die Grenzen wissenschaftlicher Erforschung der
Natur unserer Existenz absteckt.
Immerhin ist seit neuerem in der
Gründung der „Society for Scientific Exploration“ durch
naturwissenschaftliche Professoren von größeren amerikanischen Universitäten
eine vielversprechende Entwicklung zu sehen. Diese Wissenschaftler wollen das
Studium anomaler Erscheinungen fördern, das von der wissenschaftlichen Welt
traditionell gemieden wird. Sie publizieren die von Fachkollegen begutachtete
Zeitschrift Journal of Scientific Exploration, die über verschiedene
eigenartige Phänomene berichtet.
Zu gegebener Zeit – und ich
glaube, eher früher als später – werden Religion und Wissenschaft gezwungen
sein, alte Paradigmen zu modifizieren, wenn nicht gar aufzugeben, und sich
zur Erklärung von Existenz und Weltentstehung weitere, umfassendere zu eigen
zu machen. Das ist entscheidend, denn die Paradigmen, die heute die Basis
unserer Kultur bilden, eignen sich nicht dazu, die Herausforderungen zu
bewältigen, denen die Menschheit bald gegenübersteht.
In den letzten Jahren fand die
Vorstellung verschiedener Dimensionen oder Ebenen von Realität auch in der
wissenschaftlichen Literatur Zuspruch. Die wissenschaftliche Vorstellung
paralleler Universen verkörpert diese Idee und wird heute bezeichnet als „so
real, dass wir ausgreifen und sie berühren und sie sogar zur Veränderung
unserer Welt verwenden können“. David Deutsch von der Universität Oxford
versichert: „Unser Universum ist Teil eines ‚Multiversums‘,
einer Gesamtheit paralleler Welten, die die eigentliche Realität darstellt.“
Laut der Zeitschrift New Scientist behauptet Deutsch: „Seit siebzig
Jahren verstecken sich die Physiker davor, aber jetzt können sie es nicht
mehr.“ Die Bedeutung dieser Entwicklung besteht in der von Deutsch und
anderen Physikern geäußerten Ansicht, dass das Schicksal von Universen
geformt und genutzt werden könne. Aus wissenschaftlicher Perspektive erklärt
die Viele-Welten-Vorstellung das verblüffende Rätsel, warum Atome sich so
anders verhalten, als aufgrund der Newtonschen Physik oder der
Quantenmechanik – die zu dem wissenschaftlichen Fortschritt unserer
Zivilisation geführt haben – zu erwarten wäre.
Die Quantentheorie fordert, dass
Atome zu einem bestimmten Zeitpunkt sich an mehr als nur einem Ort befinden
können. Das Rätsel besteht nun darin, dass die Atome, aus denen die in
unserem täglichen Leben wahrgenommenen und benutzten Dinge bestehen –
beispielsweise ein Tisch – nur jeweils an einem einzigen Ort sein können.
Begeben wir uns aber auf immer feinere Ebenen der Materie, so verhalten sich
die Bestandteile der Materie ganz anders und lassen sich mit konventioneller
Quantenphysik nicht erklären. Wie wir schon festgestellt haben, liefert das
holographische Paradigma eine gewisse Erklärung dieses Phänomens, die aber
doch nicht ganz zufriedenstellt. Das Viele-Welten-Paradigma ist nicht nur
konsistent mit den von spirituellen Reisenden vorgebrachten Erkenntnissen
über die Existenz innerer Ebenen, es erklärt auch Phänomene, die sich unter
der Annahme eines einzigen Universums nicht erklären lassen.
Das Viele-Welten-Paradigma
postuliert, dass es keinen Unterschied in der Anwendung der Quantenmechanik
auf den Tisch oder das mikroskopische Universum subatomarer Partikel gibt.
Wenn das wahr ist, sollten Atome also immer noch zu einem bestimmten
Zeitpunkt an mehr als einer Stelle sein können. Das ist aber nicht das, was
wir beobachten. Das Viele-Welten-Paradigma legt indessen nahe, dass es in
einem anderen Universum diesen Tisch ebenfalls gibt, den die Instrumente
unseres Universums aber nicht beobachten können. So beschrieben, enthält die
astrale Welt eine parallele Realität von allem, was in der physikalischen
Welt existiert, uns selbst eingeschlossen. Diesen Faden logisch
weitergespult, gibt es auch Universen und Dimensionen, in denen jede
Möglichkeit bereits existiert.
Die Implikationen des
Viele-Welten-Paradigmas sind atemberaubend, doch neu sind solche Ideen nicht.
Sie sind schon seit Jahrtausenden Themen des Denkens im höheren Bewusstsein,
auch wenn die wissenschaftliche Welt beansprucht, sie 1957 entdeckt zu haben.
Hier haben wir ein weiteres Beispiel dafür, wie die Trennung dieser beiden
Welten – Wissenschaft und Spiritualität – zum Nachteil beider wirkt. Schon
die Formulierung dieser Theorie durch die Wissenschaft gibt den für sich
selbst sprechenden Wahrnehmungen spiritueller Reisender, die diese Prinzipien
seit Äonen kennen und lehren, zusätzliches Gewicht. Auf der anderen Seite
täten Wissenschaftler gut daran, die Perspektive spiritueller Lehrer zu
erwägen, deren Einsichten in die Existenz immer noch weit über diese immerhin
ermutigenden wissenschaftlichen Schritte hinausgehen. Vorurteilsfreies
Erwägen eines solchen Zusammenwachsens könnte dazu führen, dass beide
Bereiche viel stärker aufeinander Bezug nehmen würden, als dies heute
erkennbar ist.
Eine beachtenswerte Ausnahme
bildet hier die Arbeit von Professor A. Tiller von der Stanford University,
der Pionierarbeit in der Erforschung des Zusammenhangs zwischen den beiden
Welten der Wissenschaft und der Spiritualität leistete. Sein Buch Science
and Human Transformation ist eine Glanzleistung in der Anwendung
wissenschaftlicher Theorie, um übersinnliche Phänomene – die von den meisten
Wissenschaftlern mit schrägen Blick beiseite geschoben werden – zu erklären.
Er unternimmt es, so subtile energetische Phänomene wie Fernwahrnehmung (den
Astralkörper projizieren und mit ihm sehen), Präkognition, Telepathie,
Gedankenlesen, Hellsehen und Hellhören, Psychokinese, Telekinese, Levitation
(freies Schweben) und andere Phänomene wissenschaftlich zu erklären.
Da vorhandene religiöse und
wissenschaftliche Paradigmen jedoch unzureichend sind, lehnen die meisten
Menschen etliches von dem ab, was hier betrachtet wird. Es ist das gleiche
Problem, vor dem zivilisationsferne Bewohner des Regenwalds stehen, wenn sie
mit den technischen Wundern der modernen Welt konfrontiert werden. Man stelle
sich vor, wie eine kleine Gruppe dieser Leute auf unsere Zivilisation stoßen
und wie unglaubhaft dann den Dorfältesten ihre Schilderungen vorkämen.
Ablehnung und Zweifel sind zu erwarten, weil deren Paradigma das moderne
Leben einfach nicht erklären können. Das Volk würde eher den Dorfältesten
folgen. So wurden sie erzogen; das ist einfach ihre Art. Auch wenn es
verschiedentlich zu Begegnungen mit der Zivilisation käme, würden die
Dorfältesten immer noch bestimmen, was geglaubt wird.
Mit unseren miteinander in
Konflikt stehenden wissenschaftlichen und religiösen Paradigmen stehen wir in
einer ähnlichen Situation. Erschwerend kommt hinzu, dass die religiöse
Hierarchie nur widerwillig wissenschaftliche Entdeckungen akzeptiert, etwa
die, dass die Erde sich um die Sonne bewegt. Sind die Schranken eines engen
Gedankengebäudes aber erst einmal durchbrochen, kann schneller Fortschritt
erzielt werden, der mehr bedeutet als weitere Entwicklungen in Handys,
Computern, Klonierung und Genetik. Und auch diese Fortschritte werden solange
begrenzt bleiben, bis die heutigen, von moralischer Kritik und religiöser
Doktrin beengten Paradigmen aus einer Perspektive neu bewertet werden, die
einen höheren Bewusstseinszustand widerspiegelt.
Die
Realitätsillusion, in der wir leben, ist wie die Kulissenlandschaft auf der
Theaterbühne, wie ein Stück, das wir selbst schreiben und in dem wir
mitspielen. Sie ist ein gigantischer Traum oder ein Hologramm, das wir –
wissentlich oder unwissentlich – ins Leben projizieren und lebendig machen.
Wir sind selbst für Inhalt und Ausgang des Stücks verantwortlich. Was sich in
unserem Leben abspielt, wird hervorgerufen durch unser Denken und unsere Überzeugungen,
durch die wir als Ursache oder Wirkung fungieren. Fungieren wir als Ursache,
so entscheiden und erschaffen wir selbst; fungieren wir als Wirkung,
reagieren wir nur und sehen uns als vom Schaffensprozess abgetrennt. Wir
glauben dann, wir hätten keine Kontrolle über das Leben, und was auch
geschieht, werde von externen Kräften bestimmt. Aber wir sind nicht vom
Erschaffer abgetrennt oder etwas anderes als dieser. Wir gebrauchen den
gleichen Schöpfungsprozess, der ursprünglich uns die Möglichkeit gab, zu
sein.
Wir haben
festgestellt, dass die Welt, die wir als Berge, Planeten, Sonnensysteme,
Städte und die Schönheit der Natur sehen, im Kern illusorisch ist, wenn auch
in unserer Wahrnehmung sehr real. Das holographische Paradigma ist zwar ein
brillanter Fortschritt der Wissenschaft, reicht aber nicht aus, um die feste,
interaktive Natur der Realitätsillusion zu erklären, in der wir leben. Zur
Beschreibung der wahren Natur der Realität eignen sich die Modelle von Traum
und Imagination/Visualisierung besser als alle Folgerungen aus dem
holographischen Paradigma oder einem Theorem der Quantenmechanik. Wenn wir
die unendlichen Weiten der Träume und die grenzenlosen Gefilde der
Imagination betrachten, nähern wir uns der wahren Natur der Schöpfung und der
Wege des ALL-SEIENDEN schon besser. Der beste Weg, den Schöpfer zu versteht,
besteht im Verstehen der Schöpfung, denn wir spiegeln das ALL-SEIENDE wider.
Im 1. Buch Mose (Genesis) heißt es: „Gott schuf den Menschen nach seinem Bild,
er schuf Mann und Frau“ (Genesis 1:27). Und so ist es auch, außer dass diese
Textstelle von der männlichen und weiblichen Körperform spricht anstatt von
den eher transzendenten Eigenschaften des EINEN, die formlos sind. Um die
transzendenten Eigenschaften – ja tatsächlich die eigentliche Natur – des
EINEN zu verstehen, die jenseits aller Form sind, müssen wir nach innen
schauen, um uns selbst zu verstehen. Jede(r) von uns spiegelt in allen
Einzelheiten die Eigenschaften von Allwissenheit, Allmacht und Allgegenwärtigkeit
wider, die das EINE verkörpern. Allerdings haben wir uns noch nicht bis zu
einer Bewusstseinsebene entwickelt, auf der wir diese Eigenschaften
vollständig verstehen, akzeptieren und manifestieren könnten. In ähnlicher
Weise gibt es auch noch viel, das wir über den Zusammenhang zwischen Träumen,
inneren Reisen und unserem höheren Selbst nicht verstehen oder akzeptieren –
ein Thema, das später noch behandelt wird. Die genannten Fähigkeiten sind
entscheidende Anknüpfungspunkte zur Erweiterung unseres Bewusstseins bis zum
Umfassenden des ALL-SEIENDEN.
Die Schöpfungsgeschichten in der
Bibel und in anderen Religionen und Mythen sind natürlich metaphorisch zu
verstehen. Sie entsprechen dem Bewusstsein ihrer Zeit und mussten daher von
schlichterer Art sein. Immerhin beschreiben sie einen Vorgang, den die
Menschheit auch heute noch als etwas ansieht, das ihre Fähigkeit zum
Verstehen, geschweige denn zum Nachmachen, übersteigt. Die Vorstellung fällt
uns schwer, dass wir mehr sind, als Zubehör auf einer Bühne, über die wir
wenig oder gar keine Kontrolle haben. Dennoch enthüllt uns eine andere Sicht
der Schöpfung, die jedoch einen höheren Zustand spirituellen Bewusstseins
erfordert, dass wir viel mehr mit dem Prozess der Schöpfung und dem Schöpfer
gemein haben, als wir uns vorstellen.
Das Gesetz der Einheit fängt an
mit dem EINEN und beschreibt alles als abgeleitet aus dem und innerhalb des
EINEN. Der Schöpfungsprozess umfasst Imagination, Visualisierung und
intuitive Gewissheit – identisch mit unseren eigenen latenten Fähigkeiten.
Wie könnte es auch anders sein, da wir ja, wie ein Hologramm, eine winzige,
jedoch vollständige Nachbildung dessen sind, von dem wir stammen?
Entsprechend sind unsere Träume in der Lage, jegliche Erfahrung, Idee oder
Vorstellung in der gleichen Weise auszudrücken oder zu vertiefen, wie das
EINE unsere unabhängige Manifestation ebendieser Schöpfungskräfte erträumte,
sich ausmalte und möglich machte. Wenn wir uns etwas ausmalen oder einbilden
(imaginieren) und bildlich vorstellen (visualisieren), bedienen wir uns
dieses Schöpfungsvermögens. Allerdings können wir unsere Imagination und
Visualierung besser steuern als den Inhalt unserer Träume. Träume,
Imagination und Visualierung sind Widerspiegelungen des gleichen Prozesses,
durch den alles in der äußeren sowie in den inneren Welten geschaffen wird.
Die meisten Menschen bilden sich
ein, dass ihr Leben von Kräften und Umständen gesteuert wird, die außerhalb
ihrer selbst liegen. Die Wahrheit ist aber, dass alle Manifestationen unseres
äußeren Lebens von den Annahmen und Überzeugungen unserer inneren Welt
hervorgebracht werden. Meist stecken die Menschen jedoch in einem
Teufelskreis, in welchem sie glauben, dass äußere Ereignisse und Umstände ihr
Leben bestimmen. Sie akzeptieren die von äußeren Umständen vorgegebenen
Prämissen und richten danach ihr Leben aus. So bildet sich ein scheinbar
endloser Kreislauf – bis er durch eine machtvollere Überzeugung durchbrochen
wird. Feste Überzeugungen wie „es kommen auch noch bessere Tage“ oder „nach
dem Regen kommt der Sonnenschein“ können im Denken und dadurch auch im Leben
eine abwärtsführende Spirale umkehren. Ähnlich ist die Furcht vor dem Verlust
von etwas, das man schon hat, ein Glaube, der einen positiven Elan umkehren kann.
In beiden Fällen glaubt der Mensch an Kräfte außerhalb seiner selbst und
nicht an die ihm innewohnende Schöpfungskraft. Alles wird gelenkt von unserer
Überzeugungsstruktur – es trifft allerdings zu, dass bereits in Gang gesetzte
Aktionen noch auslaufen müssen, auch wenn eine neue Ereigniskette schon in
Gang gebracht worden ist.
Wir sind hier, um diesen
Schöpfungsprozess zu lernen. Er ist ein Mikrokosmos des großen
Schöpfungsvorgangs, der alles zur Existenz bringt. Er wirkt jeden Augenblick
für jede Gottseele in den multiplen Dimensionen der Realitätsillusion, in der
eine Erweiterung des Bewusstseins stattfindet. Wenn wir die Lektion über
unsere eigene Schöpfungskraft verstanden haben und wir bewusste,
eigenständige Schöpfer werden, können wir als Mitschöpfer im endlos
expandierenden Traum des ALL-SEIENDEN mitwirken.
Der Traum der Schöpfung schritt durch mehrere Ebenen
voran, wobei sich Aspekte des ALL-SEIENDEN durch vorstellendes Träumen auf
jeder der Formgestaltungsebenen manifestierten. Diese Ebenen der
Realitätsillusion nennen wir auch Plane, Dichtigkeiten oder innere Welten. Es
sind Dimensionen bzw. Ebenen des umfassenden Traums des ALL-SEIENDEN. Auf
jeder Ebene ist die Schöpfungskraft verkörpert im Bewusstsein von Gottseelen,
die einen Teil des Ganzen ausmachen, aber die Fähigkeiten und Eigenschaften
des ALL-SEIENDEN widerspiegeln. In diesem ganzen geschaffenen Universum
spiegeln Gottseelen die Macht des ALL-SEIENDEN in dem Maße wider, wie sie sich
des ALL-SEIENDEN bewusst sind sich DAMIT identifizieren.
Jede Gottseele auf jeder Ebene
der Schöpfung ist verantwortlich gegenüber der und für die
Gesamtheit der Schöpfung. Jede Gottseele arbeitet mit allem, was sie ist, letztlich
auf das Ziel zu, das Bewusstsein des ALL-SEIENDEN auszuweiten. Dies geschieht
durch die Erfahrungen derer, die auf einer bestimmten Ebene des TRAUMES
leben. So muss es auch sein, denn die einzige Realität ist das ALL-SEIENDE,
und alles andere ist erschaffene Manifestation innerhalb der jeweiligen
Realitätsillusion. Aber was treibt diesen Traum voran? Was ist dessen Quelle
und Zweck?
Einige Denker sprachen von einer
göttlichen Agonie, die diese GANZHEIT zu dem Verlangen drängte, sich zum Ausdruck
zubringen, sich zu entladen. Das sei der Ausgangspunkt für die gesamte
Schöpfung gewesen und erkläre zum Teil, warum es zur Realitätsillusion kam,
die unsere tägliche Erfahrung ist. Die verschiedenen Ebenen DES TRAUMS der
Schöpfung erleben wir beim Träumen oder während des inneren Reisens. Als
Widerspiegelung des ALL-SEIENDEN werden auch wir von dem gleichen Verlangen
und den gleichen Erwartungen wie das ALL-SEIENDE bewegt. So wie wir uns zum
Handeln genötigt fühlen, um unsere Träume, Wünsche und Erwartungen zu
verwirklichen, so ist auch das ALL-SEIENDE getrieben, den inneren Drang in
SICH SELBST zum Ausdruck zu bringen.
Diese Motivation habe ich
selbst gespürt, und sie manifestierte sich in diesem Buch. Es fing vor vielen
Jahren zunächst stockend an und brach nach den Ereignissen Ende 2001 [Anm.
d. Üb.: als Ford Johnson die Fakten über Eckankar und ihren Begründer
durchleuchtete] zur Verwirklichung durch. Nicht darauf zu reagieren, wäre
die Verweigung einer Pflicht gewesen, die nach Ausdruck verlangte. Dieser
Pflicht zum Ausdruck zu verhelfen, war Teil eines größeren Plans, der in
allen Gottseelen latent vorhanden ist. Es ist das Verlangen des ALL-SEIENDEN,
dass alle SEINE Teile Selbstverwirklichung erreichen – das Bewusstsein, dass
die Gottseele Teil des Ganzen ist. Dieses Verlangen nach Ausdruck war die
motivierende Kraft hinter der schließlichen Freisetzung jener inneren Teile
des ES, jener Gottseelen, die nach Ausdruck verlangten. Um SICH zu entladen,
musste das ES diese Traumbestandteile – diese nach Freisetzung schreienden
Ideen – herauslassen. So schuf ES das Universum mit seinen inneren und
äußeren Ebenen.
Aufeinanderfolgende Ebenen der
Schöpfung wurden aus jeder vorhergehenden Ebene ausgestrahlt. So entstanden
die inneren und äußeren Universen. Jede Ausdrucksform des ALL-SEIENDEN – d.h.
jede Gottseele manifestiert ein anderes Bewusstseinsniveau, das einen
Mechanismus zur Erweiterung seiner Bewusstheit benötigt. Das ist der
alleinige Grund für die Schaffung der Ebenen des inneren Universums, und es
bestimmt auch die Rolle aller empfindungsfähigen Wesen. Jede Gottseele ist in
DEM TRAUM genau an den Platz gestellt, der für ihr spirituelles Wachstum am
besten geeignet ist. Diejenigen die einen höheren Bewusstseinszustand haben,
erhalten die Aufgabe, zu dienen und zu lehren mit dem Ziel, dass alle Teile
des ES sich ihres Ursprungs bewusst werden können. So schreitet der Vorgang
spiritueller Entfaltung für alle Seelen im TRAUM immer weiter fort. Zwar
stimmen alle Religionen und spirituellen Wege – und jetzt auch die
Wissenschaft – darin überein, dass es innere Welten bzw. parallele
Dimensionen gibt, doch keine Einigkeit herrscht in Bezug auf deren Struktur
und Zusammensetzung. Bibel und Koran beschreiben den Schöpfungsvorgang und
die Struktur der inneren Welten in simplifizierenden Begriffen, indem Sie
einfach von einer Trennung zwischen Himmel und Erde sprechen. Der Koran nennt
„die Himmel“ in der Mehrzahl, er spricht sogar von „sieben Himmeln“. Bibel
und Koran waren aufs Bewusstsein der Menschen ihrer Zeit zugeschnitten und
sind daher allegorisch (sinnbildlich) zu verstehen. Sie wollten spirituelle
Paradigmen etablieren, mit denen soziale Harmonie gewahrt bleiben und eine
Verbindung zu einem höchsten Wesen hergestellt werden konnte.
Doch die in ihnen enthaltenen
spirituellen Einsichten sind von statischer Natur und begrenzen daher die
Entwicklung des spirituellen Bewusstseins: „Wahrlich, so wurde uns offenbart,
und so ist es in Ewigkeit!“ So weit, so gut; aber die spirituelle Entfaltung ist
behindert. Von der Kanzel herab wird es zwar selten erwähnt, aber es gibt
eine christliche Tradition, die Wege der inneren Forschung lehrt. Ein
wichtiger Vertreter dieser Tradition war der von der katholischen Kirche als
Heiliger verehrte Johannes vom Kreuz, dessen Praktiken der christlichen
Mystik zugeordnet werden. Er glaubte, dass Kontemplation durch Gebet zur
mysteriösen Erfahrung der Gegenwart Gottes führen könne. Es ist jedoch so,
dass die christliche Mystik dem Suchenden nicht dazu verhilft, die Natur
innerer Erfahrungen zu verstehen. Sie gibt ihm keine Kosmologie, keine
„Landkarte“ in die Hand, die seine inneren Erfahrungen leiten könnte.
Christliche Mystik gibt dem Suchenden ein Gefühl von Liebe und Verbindung,
aber gelernt wird wenig. In dieser Hinsicht ist sie der Transzendentalen
Meditation ähnlich, die auch kaum mehr bewirkt als ein Gefühl von innerem
Frieden. Dabei ist viel mehr möglich.
Die Lehren des Koran sind stark
praxisorientiert und wollen die Aufmerksamkeit des Gläubigen auf die Anbetung
Gottes und die Unterwerfung unter seinen Willen richten. Aber eine mystische
Sekte des Islam, der Sufismus, spricht von der direkten Erfahrung Gottes und
der Realität der inneren Welten. Die Sufis geben ungern etwas von den
Geheimnissen preis, die sie in ihren inneren Erlebnissen erfahren, doch was
wir darüber wissen, zeigt große Tiefe der inneren Realitätsdimensionen im
Sufismus. Das lässt sich auch von der jüdischen Kabbala-Tradition sagen. In
ihr flossen Astrologie, Mythen, Magie, Zoroastrismus und andere frühe nicht
jüdisch-christliche Quellen zusammen. Die aus der Kabbala gewonnenen
Erkenntnisse wurden weiterverfolgt – trotz der Warnungen in den jüdischen
Schriften:
Lauft nicht hinter den Göttern her, die die Völker rings um euch
verehren. Der Herr, euer Gott, verlangt ungeteilte Liebe; wenn ihr ihm nicht
treu bleibt, fordert ihr seinen Zorn heraus, und er wird euch ausrotten (5.
Buch Mose, 6:14-15, Die Bibel in heutigem Deutsch)
Die Kabbala bietet
bemerkenswerte Ausblicke auf die Kosmologie, bzw. die Struktur der inneren
Welten. Sie beschreibt eine Reihe von Wurzeln mit vorgegebenen Beziehungen
zwischen Ursache und Wirkung. Der Anhänger der Kabbala strebt tieferes
Verständnis der Wirklichkeit Gottes und der Unermesslichkeit seiner Welten
an. Dabei herrscht die Vorstellung, dass dieses heilige Wissen nicht für
jedermann gedacht sei. Nur bestimmte Menschen – traditionell Männer – können
Erleuchtung empfangen. Die Kabbala beschreibt zwei parallele Ordnungen. Die
eine wirkt von oben nach unten, die andere von unten nach oben. Zur ersteren
gehört der Empfang von Weisheit und Hilfe durch höhere Welten. Sie werden nur
dem Erleuchteten zuteil, der den Weisungen dieser Ordnung folgt. Die Bewegung
von unten nach oben ähnelt der Erleuchtung in östlichen Religionen, nur dass
die „Erfüllung“, die Offenbarung der Göttlichkeit, durch das Befolgen eines
exakten, von Regeln bestimmten Pfads erreicht wird.@@
Eine der Stärken der Kabbala,
die aber zugleich auch einen begrenzenden Aspekt darstellt, ist der Gedanke
der Erfüllung selbst. Das hebräische Wort für Erfüllung – Hasaga –
bedeutet mehr als nur Verstehen. Es macht eine Gewissheit nötig, das
unmittelbares Erfahren erfordert, das mit einem Namen oder Wort bestimmt und
erklärt werden kann. Und hier liegt auch die Beschränkung, denn es gibt
Regionen jenseits Hasaga, die einfach über Wort oder Name hinausgehen.
Diese inneren Welten sind oft ohne Form und werden nur über Licht und Klang
und innere Gewissheit wahrgenommen, deren Realität höchstens angedeutet,
jedoch niemals in Worten ausgedrückt werden kann. Ich habe viele dieser
Regionen besucht; sie sind tatsächlich nicht beschreibbar. Ich kann
bestenfalls von einem Gefühl der Weite, des Einsseins sprechen. Diese Dinge
entziehen sich aber der genaueren Beschreibung durch unser plumpes,
beschränktes Vokabular.
Die Kabbala kennt vier innere
Welten an: Atziluth, Briah, Jetzirah und Asiah. Die erste und höchste dieser
Welten ist Atziluth. Die niedrigste ist Asiah, die physische Welt. Alle
Welten sind in jedem Detail und Geschehen gleich; sie unterscheiden sich nur
im Grad der Feinheit und Substanz der Realität (der Schwingungsebene, wie wir
sagen würden). Eine große Leistung der Kabbala ist die Schaffung eines
Wörterbuchs zur Erklärung der Natur innerer Erfahrungen. Sicher haben nur
wenige andere spirituelle Pfade, die inneres Reisen zwecks spiritueller
Erleuchtung verfechten, ein vergleichbares Vokabular entwickelt, wenn
überhaupt.
Die kabbalistischen
Beschreibungen innerer Ebenen ähneln denen von Shabd Yoga (Yoga des hörbaren
Lebensstroms), das von fünf Hauptwelten spricht – von der physischen Ebene
bis hin zu Sat Lok, dem Ort der Einen Gottheit. Es werden zwar andere
Bezeichnungen für die verschiedenen Regionen in den inneren Welten gebraucht,
doch beschreiben sie wohl den jeweils gleichen Bereich.
Sogar in Eckankar, das – wie wir
sahen – den Radhasoami-Lehren entnommen wurde, findet man praktisch die
gleichen Ebenen vor, die von Eckankar allerdings mit konventionellerer
westlicher Terminologie beschrieben werden. Wieder handelt es sich bei diesen
Ebenen um die physische, astrale, kausale, mentale und Seelenebene. Hinzu
kommt noch ein zweites Niveau an Ebenen innerhalb der „höheren Welten“ (von
denen einige erstmals von Paul Twitchell genannt und beschrieben wurden).
Ähnliche Beschreibungen findet man in anderen Lehren wie etwa der Theosophie,
die sich unter anderem aus pythagoräischem Hylozoismus, Sufismus, Buddhismus
und Taoismus speist.
Die vielleicht komplexeste
Kosmologie der inneren Welten findet sich im Werk von Henry T. Laurency, das
auf den später als Hylozoik (geistiger Materialismus) bezeichneten Lehren von
Pythagoras aufbaut. Nach dieser Schule wohnt aller Materie Geist oder
Bewusstsein inne, wie auch alle inneren und äußeren Welten von geistiger
Natur sind. Alle Materie ist lebendig, sei es schon an sich, sei es in
Verbindung mit dem EINEN, und sie durchläuft bewusst oder vor-bewusst
irgendeine Stufe geistiger Entfaltung. Die Anhänger beanspruchen für diese
Lehre, sie sei die logischste und korrekteste Sicht von Schöpfung und Sein.
Der Beweis ihrer Korrektheit könne durch Logik, Erklärung, Vorhersage,
Hellsehen und Experiment erbracht werden. Die pythagoräische Holozoik bietet
in ihrer Vielschichtigkeit eine der umfassendsten – wenn auch kontroversen –
Erklärungen für den Ursprung der Welt (Kosmogonie), die je von einem
spirituellen Pfad oder einer wissenschaftlichen Theorie zum Ausdruck gebracht
wurden.
Die Hylozoik definiert das
gesamte Sein als bestehend aus den drei Hauptaspekten Materie, Bewegung und
Bewusstsein. Diese sind untereinander abhängig und hängen miteinander
zusammen. Das gesamte Sein, sei es materiell, astral (Träume), kausal
(Erinnerungen), mental (Gedanken) oder höher, besteht aus dieser Dreiheit.
Was wir als formlos und ohne Materie ansehen (beispielsweise einen Traum),
besteht aus seiner eigenen Art von Materie zusammen mit Bewegung und
Bewusstsein. Es spielt sich auf einer Schwingungsebene ab, die von
physikalischen Instrumenten nicht erkannt werden kann. Die hylozoischen
Vorstellungen beziehen sich nicht nur auf die Funktionsweisen der
Manifestation der Realitätsillusion, sondern – wir wir noch sehen werden –
auch auf die Natur der Quelle dieser Manifestation.
Pythagoras nannte die grundlegenden
Materieeinheiten „Monaden“. Die Monade ist die kleinste Einheit, die
Bewusstsein besitzt oder entwickeln kann. Diese Definition erweitert den
Begriff „Bewusstsein“ auf potentielles Bewusstsein, passives Bewusstsein und
aktives Bewusstsein. Demnach ist die Realität jeder Ebene „lebendig“ für die
Möglichkeit, Bewusstheit soweit auszudehnen, dass es sogar das EINE umfasst.
Das kosmologische Bild der
Hylozoik ist gigantisch. Erstens ist der von uns wahrgenommene Kosmos nur ein
Kosmos von vielen. Ein Kosmos ist eine Kugel in der Urmaterie. Er ist anfangs
von geringer Ausdehnung, wächst jedoch ununterbrochen durch Zufuhr von
Uratomen aus dem unerschöpflichen Vorrat der Urmaterie, bis die erforderliche
Ausdehnung erreicht ist. Es ist also die Materie, welche „der Raum“ ist.
Und hier weicht das hylozoische
Bild des Universums in komplexer und höchst phantasievoller Weise von den am
weitesten entwickelten Vorstellungen über Entstehung und Struktur innerer
Welten ab, die je von einer Religion, spirituellen Ausrichtung, Yoga oder
wissenschaftlichen Theorie vorgebracht wurden. Die Hylozoik spricht von
neunundvierzig separaten und genau umschriebenen Welten, gruppiert in einer
Abfolge von sieben Serien zu je sieben Welten. Diese Welten nehmen im Kosmos
denselben Raum ein. Alle höheren Welten umschließen und durchdringen die
niedrigeren Welten – wobei die physische Welt die niedrigste Welt der letzten
der sieben Serien ist. Demnach hätten wir also noch weitere achtundvierzig
Welten zu durchschreiten, bevor wir das höchste Niveau an spiritueller
Bewusstheit erreicht haben. Wenn die hylozoischen Vorstellungen zutreffen,
dann werden wir uns also bestimmt noch oft begegnen!
In allen
Religionen gibt es die Vorstellung von einer Seele. Diese Vorstellung
kennzeichnet den Teil von uns, der den körperlichen Tod überlebt bzw. dem
Körper Leben verleiht und daraus einen lebendigen Menschen macht. An dieser
Stelle wird es nützlich sein, sich mit ein paar Begriffen zu befassen. Das
Wort „Seele“ wird für verschiedene Vorstellungen über das eigentliche Selbst
gebraucht. Manche bezeichnen dieses eigentliche Selbst als „Geist“ und
verwechseln die beiden Begriffe. Seele und Geist sind ähnlich, aber
tatsächlich doch verschieden. Die Seele ist eine individualisierte und
bewusste Einheit des Geistes, während Geist die Energie ist, aus der die
Seele sich entwickelt und von der sie ihre Kraft erhält. Die Seele kann man
sich auch als den „Ich-Faktor“ (das große Ich), das eigentliche Selbst,
vorstellen – im Kontrast zum „ich-Faktor“ (das kleine Ich), dem Ego, von dem
wir denken, das seien wir.
Die Seele, das „große Ich“, ist
eine zu Bewusstsein fähige konzentrierte, individualisierte Manifestation
dieser Energie oder Lebenskraft. Das ist in einfachen Worten die Seele; das
sind wir. Unsere wahre Gestalt lässt sich korrekter als Lichtkugel, als
Kraftfeld wissender und bewusster Energie beschreiben. Obwohl
individualisiert, sind wir eingehüllt und umgeben von jener Lebenskraft, die
Geist, Chi, Prana und viele weitere Namen hat. Sie erhält
unsere Existenz und aktiviert, speist und manifestiert sowohl in der äußeren
als auch in der inneren Realität die beim Denken erzeugten Eindrücke und
Gedankenbilder. Das Denken wiederum ist eine Manifestation des Bewusstseins,
das wir sind.
Dieses Bewusstsein, das unser
ganz individuelles Wesen als Seele ausdrückt, finden seinen höchsten Ausdruck
als Gewissheit (Allwissenheit), Einssein oder Einheit (Allgegenwart) und als
Fähigkeit, willentlich die Macht des Geistes (Allmacht) zu nutzen. Diese
Eigenschaften wollen wir als „unbegrenzte Fähigkeiten“ bezeichnen. Jede Seele
hat diese Fähigkeiten, doch nur wenige sind in der Lage, sie im Alltagsleben
zum Ausdruck zu bringen. (Wir werden noch sehen, dass wir uns hier in der
physischen Dimension der Realität gerade deshalb befinden, um zu lernen,
diese Fähigkeiten im Leben zu verwirklichen.) So gewaltig sind diese
Fähigkeiten, dass die Seele in der physischen Welt und in anderen Dimensionen
der Realitätsillusion eine rigorose Schulung durchlaufen muss, bevor sie in
reinem Zustand existieren und ihre unbegrenzten Fähigkeiten ausüben kann. Um
sich für die bewusste Manifestation ihrer selbst vorzubereiten, nimmt die
Seele eine äußere Gestalt in Dimensionen der Realität unterhalb der
Seelenebene an; das ist dann sozusagen ihre „Operationsbasis“. Auf der Ebene
der Seelenwelt kann sie diese unbegrenzten Fähigkeiten ohne Einschränkung
ausdrücken und erleben.
Jetzt sind wir an dem Punkt, an
dem wir eine Abgrenzung machen müssen, die ich in meinen frühen Studien
esoterischer Weisheit nicht verstanden hatte. Die Vorstellung einer Seele,
wie sie traditionell gelehrt wird, macht nur einen kleinen Teil jener
Ganzheit aus, die wir, spirituell gesehen, sind. Diesen größeren,
bedeutenderen Aspekt unseres Wesens habe ich als „Gottseele“ bezeichnet.
Dieser Ausdruck ist Ihnen hier schon einige Male begegnet, doch jetzt ist es
an der Zeit, etwas näher darauf einzugehen. Ich habe diesen Ausdruck geprägt,
um damit ein höheres Selbst zu bezeichnen. Dessen Realität ist uns nicht
unbekannt; wir haben täglich damit zu tun. Manche nennen das die „kleine
leise Stimme“ oder das Gewissen. Sigmund Freud bezeichnete einen Aspekt davon
als das „Über-Ich“. Er lehrte, dass das Über-Ich die Quelle von negativer
Lenkung in Form von Verboten, Kritik und Hemmungen sowie von positiver
Lenkung in Form von Bestrebungen und Ethik sei. Er maß dem Über-Ich keine
sonderliche spirituelle Bedeutung bei, sondern zog es vor, diese Lenkungsrolle
schlicht auf die Verinnerlichung elterlicher und gesellschaftlicher Normen
zurückzuführen.
Gewiss üben diese Faktoren einen
mächtigen Einfluss aus, besonders in den prägenden frühen Jahren, aber sie
erklären nicht alles. Unsere Bestrebungen, Antriebe und Vorlieben kommen aus
einem tiefen, transzendenten Bereich und nicht einfach von den Eltern oder
der Gesellschaft. Und sie erklären auch nicht die Führung, die wir ganz ohne
unsere bewussten Gedanken erhalten und die uns im Alltagsleben hilft und uns
in Notlagen leitet. Die meisten von uns werden den Schutz durch unser höheres
Selbst in Augenblicken der Bedrängnis schon erlebt haben. Es lenkt uns etwas
in unserem Inneren auf eine Weise, die uns oft in Erstaunen versetzt. Dieses
Etwas ist an den kleinsten Details unseres Lebens beteiligt: wieviel Salz wir
in die Suppe tun oder wieviele Rollen Toilettenpapier wir kaufen. Das ist der
höhere Aspekt unseres Wesens. Oft befolgen wir seinen Rat nicht. Manchmal ist
diese Stimme so insistierend, dass wir vielleicht zu Alkohol oder Drogen
greifen, um sie zu unterdrücken. Wenn wir sie ständig ignorieren, weicht sie
zurück und wartet auf einen Augenblick, in dem ein Erlebnis uns zum Zuhören
bringt. Solche Erlebnisse sind weisen auf das Vorhandensein dieses Aspekts in
uns hin, und doch werden sie oft missdeutet. Wir neigen dazu, sie einem
Erlöser, Meister, Mahanta, Geistwesen, Schutzengel oder sonst etwas
zuzuschreiben anstatt unserem höheren Selbst. Dies liegt daran, dass unser
gegenwärtiger Bewusstseinszustand uns glauben lässt, wir seien ganz sicher
keine machtvollen Wesen. Wie wir noch sehen werden, ist jedoch die Gottseele
der wahre Meister, Lehrer und Hüter.
Die Gottseele leitet unser
äußeres Leben sowie gleichzeitig auch das Leben ihrer anderen Teile, die in
anderen Dimension der Realität eine Existenz führen. Gemeinsam machen diese
Teile die Gesamtheit dessen aus, was wir sind. Dies ist vielleicht nicht ganz
einfach zu verstehen, doch die vielen verschiedenartigen Erlebnisse in
unseren Träumen sind ein Hinweis darauf, dass sich neben unserem Erleben in
der physischen Dimension in unseren inneren Universen noch andere Dinge
abspielen. Fast jeder Mensch ist schon einmal aus einem Traum erwacht und war
zunächst verdutzt, sich in einem physischen Körper wiederzufinden. Es dauert
einen Augenblick oder zwei, bis man wieder in der Körperhülle zu Hause ist.
Sobald sich die Realität dieser Hülle uns genügend aufgedrängt hat, sind wir
wieder voll im Griff der Realitätsillusion und setzen unser Leben fort, als
ob in den Traumwelten nichts geschehen sei. Aber schwache Erinnerungen an den
Traum klingen noch nach, wispern uns zu, wer wir wirklich sind, und deuten
auf die Rolle, die unser höheres Selbst spielt. Die Seele ist also der Teil
der Gottseele, der sich in unserem unmittelbaren Leben ausdrückt, jedoch
nicht die Gesamtheit unseres spirituellen Wesens ausmacht. Sie ist aber
dennoch wir selbst und nicht ein Fremder in unserer Mitte. (Im ganzen Buch
verwende ich die Begriffe Seele und Gottseele gegenseitig austauschbar, denn
die Unterscheidung wäre eher pedantisch als hilfreich.)
Es soll noch ein weiterer Punkt
angesprochen werden. Es gibt viele Wesen, die wie wir sind, spirituell jedoch
fortgeschrittener, und die als Lehrer, Leiter und Beschützer fungieren. Sie
helfen jenen, die sich in die inneren Bereiche wagen. Als ihren Beitrag zum
Großen Werk unterstützen sie die Seele in ihrer Entwicklung. Doch der
vorrangige Lehrer, der diese Unterstützung selektiert, ist immer das höhere
Selbst. Vertrauen in dessen Führung stärkt die Verbindung zwischen unserem
höheren Selbst und unserem bewussten äußeren Selbst. Angst und
Einsamkeitsgefühl spielen nur in die Hand von Wesen, die darauf aus sind,
Menschen, die Verletzlichkeit zeigen, auszubeuten. Solche Menschen kennen ihre
Macht nicht und beugen sich allem, was sich ihnen innerlich zeigt. Dies ist
auch die Art und Weise, wie orthodoxe Religionen ihren Anhängern einen
schlechten Dienst erweisen. Sie liefern ihnen – ähnlich wie mit Kind und
Weihnachtsmann – ein schwaches inneres Denkmuster als Vorbereitung für die
inneren Erfahrungen, die sie machen sollen. Die Anhänger verstehen nichts von
den unterschiedlichen Rollen innerer Wesen und deren oft fragwürdigem
spirituellen Niveau. Daher neigen sie dazu, jedem Wesen zu folgen, das
womöglich so vor ihnen auftritt, als spräche Gott selbst. Kurz: Wer einer
orthodoxen Religion folgt oder dem Nimbus eines Gurus oder Meisters verfallen
ist, hat eine Paradigmenüberholung nötig, um zu verstehen, was in seinen
inneren Welten vorgeht.
Unsere tatsächliche Macht als
Gottseele ist so gewaltig, dass wir uns ihrer nicht bedienen können, solange
wir unser Bewusstsein nicht entsprechend erweitert haben. Wir müssen uns des
Aspektes, der unsere physische Hülle belebt (Seele) und weit über deren Tod
hinaus fortexistiert, bewusst geworden sein. Mit der Zeit expandiert das
Bewusstsein soweit, dass es auch die Gottseele umfasst. In Stufen werden wir
uns der Gottseele bewusst, überlassen uns ihr und leben dann durch deren
Bewusstsein. Gottseelenbewusstsein ist jenseits dessen, was man sich
gewöhnlich als Selbst-Erkenntnis vorstellt. Letzteres umfasst eine
Bewusstheit seiner selbst als Seele, nicht jedoch eine Bewusstheit als
höheres Selbst. Andere Manifestationen unseres höheren Selbstes existieren in
anderen Dimensionen von Raum und Zeit, sind aber in die Ganzheit integriert
und tragen zur Erweiterung dieses größeren Teils von uns bei. Das höhere
Selbst kann manchmal als von uns getrennt und größer als wir erscheinen.
Kommunikation mit unserem höheren Selbst wird daher oft als „Gespräch mit
Gott“ fehlgedeutet, was aber nur insofern korrekt ist, als wir immerhin ein
Funke des ALL-SEIENDEN sind. Entsprechend wird dieses Niveau inneren
Bewusstseins gelegentlich auch als Gott-Erkenntnis missdeutet.
Das Wachstum der
Bewusstheit der Seele erweitert auch die Bewusstheit des ALL-SEIENDEN, denn
ES ist ein Kollektiv erleuchteter Gottseelen, die als EIN Zustand von
Bewusstsein fungieren. Sind Gottseelen erst einmal bis auf diese
Bewusstseinsebene vorangeschritten, können sie sich dazu entscheiden, sich
mit dem ALL-SEIENDEN weiterzuentwickeln oder innerhalb des Ganzen als
individuelles Bewusstsein Aufgaben zum Wohle des Ganzen zu erfüllen,
Unser Körper spiegelt die gleiche
Realität wider. Jede Körperzelle ist eine separate Bewusstseinseinheit, die
als Teil eines Kollektivs fungiert. Und wir als dominierende Gottseele
versuchen, die Wege dieses Kollektivs zu lenken und zu kontrollieren. Nicht
selten will aber diese Masse an Zellen lieber ihre eigenen Wege gehen,
anstatt als Teil des Ganzen zu funktionieren. Die Harmonie, die wir in
unserem eigenen Universum anstreben, kann nur erreicht werden, wenn wir
Einsicht in den Bewusstseinszustand haben, der innere Einheit und Zusammenarbeit
stimuliert, und dann danach streben, in diesem Zustand zu leben. Das ist das
Ziel der Selbstbemeisterung. Viele behaupten, diesen Zustand erreicht zu
haben, aber nur wenige haben es tatsächlich, denn die entscheidende Kraft,
welche die Gottseele in diesen Zustand der Bemeisterung führt, ist Liebe.
Religiöse und
andere Literatur spricht immer wieder Aspekte dieses Gesetzes an. Liebe ist
der „Klebstoff“, der alles was im Universum und im Leben eines jeden
Lebewesens geschieht, zusammenhält und trägt. In dem Sinne, dass das Gesetz
der Liebe die Einzigartigkeit von Zweck und Eigentümlichkeiten des Lebens
definiert, ist es ein anderer Ausdruck für das Gesetz der Einheit. Die
meisten Menschen verstehen Liebe als eine Emotion, ein Gefühl. Damit lassen
sich in mancher Hinsicht tatsächlich Merkmale dieser Eigenschaft des
ALL-SEIENDEN kennzeichnen. Aber über das hinaus, was wir in unserem
menschlichen Bewusstsein als Liebe erleben, ist Liebe eine Kraft, ein
Energiefeld, eine Schwingung – also etwas, das sich von der Emotion
unterscheidet, die das menschliche Bewusstein darunter versteht. So
betrachtet, ist Liebe eine harmonische Schwingung. Wenn wir uns mit ihr in
Einklang bringen, berühren wir die höchsten Eigenschaften des ALL-SEIENDEN;
wir schwingen auf der gleichen Ebene wie diese Eigenschaften und verbinden
wir uns mit ihnen. Jeder andere Bewusstseinszustand trennt uns von der
einenden Kraft des Universums. Wir fühlen uns abgeschnitten, solange wir nach
diesem schwer fassbaren Etwas Ausschau halten. Unser Problem besteht darin,
dass wir sonstwo suchen statt zu erkennen, dass Liebe hier und jetzt
gegenwärtig ist – in uns selbst. Wir selbst sind die Quelle der Liebe, und
wir können ihre Macht – die Kraft des Universums – erschließen, wenn unsere
Schwingung durch bewusste gedankliche Entscheidung auf Liebe ausgerichtet
ist.
Bei unserem Aufstieg auf der
Leiter des Bewusstseins – vom mineralischen über das pflanzliche zum
menschlichen – erhalten wir Unterstützung. Auf niedrigeren Ebenen hat diese
Unterstützung die Form von Instinkten und genetischer Veranlagung. Später
erhalten wir die Fähigkeit, bewusste Entscheidungen zu treffen, die
lehrreiche Folgen haben. Dies führt uns zu noch höheren Entscheidungsebenen
und noch höherer Belehrung. Schließlich lernen wir, uns für Liebe als die
alles verbindende, alles übersteigende Kraft zu entscheiden, die uns von der
Mühsal irdischer Existenz befreit. Im Bewusstseinszustand der Liebe erheben
wir uns über die Ablenkungen von Geld und Gegenständen. Unsere Antriebe und
Ziele ändern sich. Dem EINEN zu dienen, wird zum wichtigsten Aspekt unseres
Lebens.
Diese Vorstellung ist zunächst
schwer zu begreifen. Wie kann alles ein Ausdruck von Liebe sein, wenn
Negativität und Böses freien Lauf haben? Wie lässt sich die Vorstellung eines
Gottes der Liebe mit Ereignissen vereinbaren, die schwerlich Ausdruck von
Liebe sein können? Um das besser zu verstehen, muss man eingehender
untersuchen, was Seele und Geist eigentlich bedeuten. Wie wir gesehen haben,
ist Seele das belebende Prinzip in allen lebenden Dingen. Eine Seele besteht
aus Geist und ist eine mit Leben ausgestattete geistige Einheit. Eine Seele
ist eine Manifestation und ein Funken ihres göttlichen Schöpfers. In reiner
Form kann eine Seele die Eigenschaften ihres Schöpfers – Allwissenheit,
Allmacht und Allgegenwart – zum Ausdruck bringen. Geist ist die Kraft, die
das Weltall durchdringt, alles Leben aufrecht erhält und alle lebendigen
Dinge in sich einschließt sowie sich durch sie ausdrückt.
Das Universum mit allen seinen
Ebenen und Aspekten wurde zu dem Zweck geschaffen, die Seele zu lehren,
welche Macht ihr innewohnt und was letztlich ihre Rolle und Verantwortung in
den Abläufen, im „Betrieb“ des Universums ist. Solange man das nicht erfasst
hat, kann man unmöglich das Leben begreifen und verstehen, warum die Seele
hier ist. Die sichtbaren und unsichtbaren Universen stellen eine Reihe von
Unterrichtsräumen dar, in denen der Seele die nötigen Erfahrungen geboten
werden, die sie erkennen lassen, was sie ist, welche Kräfte ihr innewohnen
und was ihr höchster und letzter Sinn und Zweck ist.
Aus dem Vorstehenden versteht
man auch, warum die Vorstellung von „Sünde“ so unsinnig ist. Der Glaube,
jemand oder etwas habe unsere Sünden von uns genommen, mag ja etwas
Tröstliches an sich haben, aber das ist ein irreführendes Linderungsmittel.
Schließlich haben wir bereits festgestellt, dass „Sünde“ der Stoff ist, aus
dem sich Lektionen in spirituellem Wachstum herauskristallisieren. Vergebung
wird nur notwendig aufgrund der irrigen Vorstellung, der Mensch sei in Sünde
geboren. Und es wimmelt von Erlösern, die den Sündern die ersehnte Absolution
erteilen – und damit einen Abhängigkeitskreislauf für diejenigen mit geringem
Selbstwertgefühl herstellen. Gewiss ist Hilfe im Leben nötig, aber sicher
nicht die Variante, mit der die meisten Religionen hausieren gehen. Deren
Hilfe hat einen hohen Preis, denn wir werden von der Wahrheit ferngehalten,
die zu spiritueller Vollmacht führt – zu der Erkenntnis unserer selbst als
Gottseele.
Bevor der Seele gestattet wird,
die phantastischen Kräfte anzuwenden, die ihr Geburtsrecht sind, muss sie
durch Ausübung freien Willens, Entscheidungen und Auswahl zeigen, dass sie
für diese Verantwortung auch vorbereitet ist. Es ist eine langwierige
Ausbildung, die sich nicht in einem einzigen Leben absolvieren lässt, sondern
viele Leben in vielen Lebensformen erfordert. Die nötige Hilfe in dieser
Ausbildung ist im Geist verkörpert. Geist wiederum ist ein Ausdruck reiner
Liebe. Mit anderen Worten: Die Seele existiert nicht so sehr wegen der Liebe
Gottes für sie, sondern weil die Existenz der Seele das ist, was dem
ALL-SEIENDEN bewussten Ausdruck gibt. Seele ist, was das ALL-SEIENDE ist. Sie
sind EINS.
Liebe ist das Fluid des Lebens,
die Verbindung zwischen dem EINEN und allen Seelen, die ja Kinder der Träume
des EINEN sind. Sie dürfen erleben, wissen und sein. So dehnen sie den Rahmen
des ALL-SEIENDEN aus. Ohne Liebe – könnte das ALL-SEIENDE nicht erschaffen.
Mit Liebe – ist alles klar und wird alles verstanden. Unser gewaltiges
Universum und alle Dimensionen der bekannten und unbekannten Realität werden
von Liebe aufrecht erhalten. Gedanken und Vorstellungen verwirklichen sich
durch unsere Liebe zu deren Manifestation und die auf sie gerichtete
spirituelle Energie.
Liebe ist nicht einfach das
manifestierte Gute, wie wir uns das gerne vorstellen. Sie ist reine Kraft –
eine Energie, die gleichermaßen auf gute wie auf böse Gedanken gerichtet
wird. Liebe in schlicht emotionellem Sinne zu verstehen, ist falsch. Aber sie
hat ein heilbringendes Ziel. Wird diese Kraft für Ziele genutzt, die im
Grunde negativ sind, so hat das Ergebnisse, die mit dem kreativen, auf
Ausdehnung gerichteten Charakter dieser Kraft in Konflikt stehen. Das ES
lässt Negativität zu, um die Seele zu lehren, wohin es führt, diese Energie
auf solche Weise zu gebrauchen. Erfahrungen solcher Art lehren die Seele,
sich für den aufrecht erhaltenden, sorgenden Aspekt dieser Kraft zu entscheiden.
So führen alle negativen Entscheidungen und die daraus folgenden Lektionen
zum Wachstum der Seele.
Aus dieser Perspektive erhält
Negativität eine ganz andere Bedeutung. Gewöhnlich wird das Böse als das
Gegenteil des Guten angesehen. Aber tatsächlich ist es kein Gegensatz oder
auch nur etwas Getrenntes – es ist ein notwendiger Teil von Wachstum und
Ausdehnung des Bewusstseins – der eigentlichen Manifestation der Liebe in
unserem Leben. Je besser man den universellen Plan versteht, umso deutlicher tritt
hervor, dass Negativität ein Teil der göttlichen Kraft ist. Negativität hat
einen entscheidenden Platz in der Schulung der Seele. Die allzu simplen, nach
menschlichen Belangen aufgefassten Deutungen von Teufel, Kal [Bezeichnung
aus dem Sanskrit: Die negative Macht, auch Kal Niranjan genannt; Zeit; Tod]
und dergleichen verfehlen das Wesentliche und liefern oft auch den Sündenbock
für Taten und Konsequenzen, von denen die Verursacher sich distanzieren
möchten. Ein Kind lernt nicht, das Feuer zu vermeiden, ohne erst Schmerzen
erlitten zu haben.. Hier kommt das Gesetz der Dualität ins Spiel. Wir können
etwas nur in Relation zu seinem Gegensatz lernen und wissen. Die Seele kann
sich erst zur Bewegung in eine positive Richtung entscheiden, wenn sie die
Freiheit hat, auch das Gegenteil zu wählen und zu erfahren. Aus diesem Grund
hat die Seele die Gabe des freien Willens erhalten, und aus diesem Grund ist
Freiheit so wichtig für unsere spirituelle Entfaltung.
Die Seele will nach Hause
zurück. Ihre glücklichsten Momente sind nur ein blasser Abglanz einer
Seligkeit, nach der sie endlos strebt. Hat dieses Streben nach spiritueller
Glückseligkeit und Freude erst einmal begonnen, sucht die Seele überall.
Zunächst greift sie nach jedem Genuss, den sie finden kann – unter dem Motto
„man lebt nur einmal“. Das Streben nach Genuss macht einen Teil der Reise und
Schulung der Seele aus. Mit der Zeit erkennt sie die Vergeblichkeit dieses
Strebens und sehnt sich nach etwas Dauerhaftem und Erfüllendem. Allmählich
strebt die Seele nach einem höheren Ausdruck von Bewusstheit und verlangt
schließlich danach, die Quelle ihrer Erschaffung zu erkennen. Aber die Seele
muss sich für das Streben nach spirituellem Wachstum entschieden haben. Diese
Entscheidung erfolgt nur in Ausübung des freien Willens und umfasst die frei
getroffene Auswahl aus verfügbaren Alternativen, zu denen neben allen anderen
Manifestationen des Lebens auch Böses und Negativität gehören.
Negative Erfahrungen zu
vermeiden, bringt wenig Einsicht in die Realität des Lebens und kann sogar zu
der Versuchung führen, alles zu probieren, „was man verpasst hat“.
Andererseits kann ein Individuum auch in einem Ich-konzentrierten Zustand
moralischer Überlegenheit leben, der sich als „Verstehen“ gibt. Deshalb haben
Moral und Regeln – so wichtig sie für die Gesellschaft und als Anleitung in
den frühen Stadien des spirituellen Wachstums sind – ihre Grenzen.
Letztendlich tragen sie wenig zur individuellen spirituellen Entwicklung bei,
wenn sie uns nur gegen unseren Willen von Erfahrungen abhalten. Egal wie weit
das Individuum abzudriften scheint – das Leben zu leben und Erfahrungen zu
sammeln, sind notwendige Aspekte unserer spirituellen Entfaltung.
Deshalb können scharfe Betonung
von Moral sowie religiöser Druck als Ersatz für innere spirituelle Führung
die spirituelle Entwicklung nur hemmen. Eine Entscheidung ohne Kenntnis der
Alternativen oder ohne freien Willen nützt dem spirituellen Wachstum nicht.
Wenn die Seele alle Aspekte des Lebens sowie deren Konsequenzen frei erlebt,
dann lernt sie schließlich, dass es nur EINEN Weg zum Göttlichen gibt. Dann
ist der Punkt erreicht, an dem sich das Verlangen verstärkt, den Pfad zu
finden, und ein Gottsucher lebendig wird. Aufgeklärte Ausübung des freien
Willens führt dann letztendlich zur Mitwirkung an den Abläufen des Universums
des ALL-SEIENDEN – dem Großen Werk. Das ist die Bestimmung aller Seelen.
Was Liebe in ihrer ganzen Fülle
bedeutet, kann nicht in der Spanne eines einzigen Lebens erfasst werden. Die
meisten Religionen tun sich schwer mit der Erklärung, wie ein liebender Gott
es zulassen kann, dass Unglück über die Menschen hereinbricht: die Geburt
eines verkrüppelten Kindes, die Armut eines Landes, die Versklavung eines
Volkes oder der Tod von Tausenden von Menschen durch eine Naturkatastrophe
oder durch menschliche Verursachung. Aus der Perspektive eines einzigen
Lebens haben solche Ereignisse keinen Sinn. Die Menschen fragen sich
verständlicherweise, womit sie so etwas verdient haben. Ebendiese Logik bildet
seit den Anfängen der Zivilisation die Basis für Erklärungen tragischer
Ereignisse, und man hört sie immer noch. Unglück wurde und wird auch heute
noch als Tat eines rächenden Gottes angesehen, der einzelne Menschen oder
Gruppen für eine Sünde bestrafen will. Diese Logik fördert auch die
Vorstellung von einem Gott, den man fürchten muss. Aus der Perspektive eines
einzigen Lebens liefert nur die Vorstellung von bedingter Liebe (bist du gut,
so wirst du gesegnet – bist du böse, wirst du bestraft) eine spirituelle
Begründung für Ereignisse.
Wenn man aber ins Auge fasst,
dass die Seele viele Leben lebt und ihr Bewusstsein durch unzählige
Erfahrungen erweitert, dann beginnt die Vorstellung, dass alle Ereignisse
Bestandteil eines Systems der Liebe mit dem Ziel der Unterweisung und der
Schulung sind, einen Sinn zu ergeben. Indem man die Gabe des freien Willens
nutzt, wird man selbst verantwortlich für die eigenen Lebensumstände und
Schöpfungen, und das ist die Grundlage jeglichen spirituellen
Wachstums. Etwas anderes oder jemand anderen für unsere Lebenssituation
verantwortlich zu machen, verfehlt den Sinn der Freiheit der Seele und der
Gabe des freien Willens.
Liebevolle Eltern unterweisen
und leiten das Kind an, erlauben ihm aber auch, seine eigenen Erfahrungen zu
machen und aus ihnen zu lernen. Das Kind vor den Folgen zu behüten, mag
kurzfristig als liebevoller Vorgang erscheinen, hemmt aber langfristig die
Entwicklung des Kindes. Liebevolle Strenge verlangt von den Eltern manchmal,
das Kind die Folgen seines Handeln erfahren zu lassen. Das ist die schwerste,
jedoch auch hilfreichste Manifestation von Liebe. Göttliche Liebe ist die
höchste Manifestation dieser liebevollen Strenge. Sie gestattet der Seele den
größten Freiraum für den Selbstausdruck und die völlige Verantwortung für die
Konsequenzen ihrer Handlungen. Auf diese Weise macht alles Lebendige
Fortschritt und dehnt sein Bewusstsein aus. Zunächst drehen sich die
Lektionen einfach ums Überleben. Das Tier lernt, was es zu tun hat, um zu überleben.
Es wird im Laufe der Zeit in einer anderen Lebensform wiedergeboren, um
weitere Lektionen zu bewältigen, die zu einem größeren Überlebensvermögen
führen. So grausam das Gesetz des Überlebens auch scheinen mag, es ist eine
Manifestation göttlicher Liebe, jedoch ohne die Emotionalität, Moralität und
Kritik, die unsere Fähigkeit trüben, Liebe in ihrer göttlichen, reinen Form
wahrzunehmen.
Wenn sich dieses Bewusstsein
genügend ausgedehnt hat, erhält die Seele Gelegenheit, in einer höheren Form
zu leben, die ihr ein breiteres Erfahrungs- und Entscheidungsspektrum bietet.
So erlaubt es uns göttliche Liebe, unsere eigenen Erfahrungen zu sammeln, um
die Lektionen des Lebens zu lernen und unser Bewusstsein zu erweitern. Die
Rolle eines liebenden Gottes besteht ebenso wie die liebevoller Eltern darin,
das Kind anzuleiten und zu lehren und ihm zu gestatten, aus seinen eigenen
Erfahrungen zu lernen. So geschieht es auch mit der Seele.
Die Seele hat nicht immer die
Möglichkeit, einen Lebenszyklus vollständig abschließen, sondern ein
einzelnes Leben kann an jedem Punkt enden. Aber für die Seele ist das nicht
auch das Ende der Lektionen. Sie behält eine Aufzeichnung von allem, was sie
ist sowie in ihren vielen Leben und in verschiedenen Körperformen getan und
gelernt hat – nicht die Allerweltsdinge und Banalitäten des Lebens, sondern
die transzendenten Lektionen, die für jede Epoche oder Kultur gelten. Diese
Erfahrungen bilden die Basis für weitere Lebenszeiten. Dieser Zusammenhang
ist allgemein als Karma oder das Gesetz von Ursache und Wirkung bekannt. Das
Individuum, das einem anderen Schmerz zugefügt hat, könnte wiederkehren und
in einer Opferrolle den gleichen Schmerz erleben. Oder es könnte
wiederkehren, um als Teil der für seine Seelenentwicklung notwendigen
Schulung für eine leidende Person sorgen zu müssen. Erfahrung und
tiefsitzende Erinnerungen bewahren das Individuum davor, Erfahrungen zu
wiederholen. Wenn die Seele Verfehlungen wiederholt, muss sie auch deren
Folgen wiederholen, bis sie kapiert hat und weitergehen kann. Dieses System
der Liebe gewährt der Seele die Erfahrungen, die sie benötigt, um sich aus
dem Zyklus von Ursache und Wirkung zu befreien. Wenn wir die Kontinuität des
Lebens betrachten und erkennen, dass die Seele am besten durch ihre eigenen
Erfahrungen lernt, dann können wir auch begreifen, dass die Seele in einem
Liebessystem lebt, das es ihr gestattet, von Leben zu Leben unzählige
Erfahrungen zu sammeln, die auf das eine Ziel der Bewusstseinserweiterung
ausgerichtet sind.
Unser sichtbares Universum ist
tatsächlich nur ein „Unterrichtsraum“. Es war nie darauf angelegt, ein Ort
für „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ zu sein. Es ist als
Schule bestimmt, in der Seelen in verschiedenen Bewusstseinsstadien Erfahrung
im Leben sammeln, sich selbst zum Ausdruck bringen und die Konsequenzen ihrer
Entscheidungen und Handlungen erfahren.
Das Gesetz der
Einheit beinhaltet nicht nur das fundamentale System der Liebe, das allen
Dingen zu Grunde liegt, sondern auch die Struktur, durch die dieses System
zur Anwendung kommt, sowie die Ebenen der Schöpfung, die zum Unterrichtsraum
der Seele gehören. Diese Ebenen bilden die Welten, in denen die Seele ihre
Erfahrungen macht, nachdem sie die Lektionen des physischen Universums
gemeistert hat. Die inneren Welten sind uns nicht so fremd und unbekannt, wie
wir vielleicht denken. Wir alle haben sie im Traumzustand schon bereist und
diese Reisen meist als bedeutungslos abgetan. Diese Regionen sind weit mehr
als Seifenblasen. Die inneren Welten bilden eine ungeheure Kosmologie, zu der
auch viele Universen gehören, die in ganz anderen Dimensionen von Realität
existieren. Wenige haben sie erforscht, aber sie stehen allen offen, die ein
Bewusstsein entwickeln, mit dem diese Universen erfahren werden können.
Die verschiedenen Dimensionen
der Realität sind unermesslich und bei weitem größer, vielschichtiger und
wundersamer als das sichtbare Universum. Das physische Universum ist die
unterste dieser Dimensionen. Es ist der Anfänger-Unterrichtsraum, die erste
Klasse in der Entwicklung der Seele. Es wird von „Administratoren“
beaufsichtigt. Diese unterstützen die Seele in ihrer Aufwärtsbewegung und
Bewusstseinsentwicklung, bis sie schließlich ihre Rolle in der
„Bewirtschaftung“ der Universen Gottes übernimmt.
Diese Ebenen haben in den
verschiedenen spirituellen Pfaden verschiedene Namen erhalten, und je nach
Pfad werden 5 bis 49 Ebenen unterschieden. Über Namen und Anzahl wird
debattiert, doch zunächst soll es genügen, die Ebenen zu benennen und zu
beschreiben, über die einigermaßen Übereinstimmung herrscht. Wir können auch
einräumen, dass die Seele in Welten reist, die bisher nicht bekannt sind. Die
Ebenen sind:
- Die physische Ebene:
Sie umfasst das gesamte physische Universum mit Sternen, Planeten und
allen materiellen Erscheinungsformen.
- Die Astralebene: Sie
umfasst die Universen, die gewöhnlich in Traumerlebnissen und
außerkörperlichen Erfahrungen besucht werden, sowie die Dimension, die von
der Seele beim als Tod bezeichneten Übergang erlebt wird. In dieser
weiten Region gibt es Städte, Länder und andere Orte, die weitgehend so
erscheinen wie in der physischen Welt.
- Die Kausalebene:
Eine Dimension der Realität, in der die Erfahrungen vergangener Leben
aufbewahrt sind, in der aber auch die zukünftige Zeitspur als Fülle von
Möglichkeiten existiert. Dies ist die Region, die Seher wie Nostradamus
besuchen konnten, um einen Blick auf künftige Ereignisse zu tun. Und
diese Dimension wird auch besucht, um vergangene Leben zu finden und zu
erfahren.
- Die mentale Ebene:
Diese Region existiert auf einer höheren Schwingungsebene und entspricht
einem besonderen Universum, in dem die Himmel der meisten größeren
Weltreligionen angesiedelt sind. Es heißt, dass auf dieser Ebene auch
die Stadt „gepflastert mit Gold“ (von der die Bibel spricht) zu finden
sei. Diese Ebene soll die höchste sein, die in den meisten
Weltreligionen existiert.
- Die ätherische
Ebene: Ein weiteres Universum, das den oberen Regionen der mentalen Welt
zugeordnet wird. Am engsten ist diese Ebene mit Intuition verbunden. Sie
ist ein Aspekt der mentalen Region, verkörpert aber eine höhere geistige
Fähigkeit als die Vernunft und arbeitet daher auf einem höheren
Schwingungsniveau.
- Die Seelenebene: Auf
dieser Ebene lebt die Seele in ihrer reinen Form – frei von allen
niedrigeren Körpern und fähig, sich in jeden Teil einer jeder Ebene der
Existenz zu bewegen. Dies ist die Ebene, auf der die Seele reines Wissen
erfährt – über die Ebene des mentalen Wissens oder der Intuition hinaus.
Das Gesetz der
Dualität drückt die Vorstellung aus, dass die volle Bedeutung von etwas nur
in Relation zu seinem Gegenteil erfasst werde. Anders ausgedrückt: Realität
besteht aus zwei gleichermaßen gültigen Komponenten. Unser Wachstum fließt
aus den Erfahrungen, die wir mit dem einen oder dem anderen Aspekt einer
Sache machen. Wir würden die Bedeutung von „auf“ nicht verstehen können, wenn
es kein „ab“ gäbe. „Schönheit“ bedeutet nur etwas in Relation zu „hässlich“.
Das Gesetz der Dualität liefert die Basis für das Verständnis unserer
Lebenserfahrungen. Es bietet uns außerdem in jeder Situation eine Wahl an,
die uns die Möglichkeit gibt, unseren freien Willen auszuüben. Ein Stück
weitergeführt, können wir aus diesem Gesetz auch erkennen, dass Dualität in
jeder Situation, in jeder Erfahrung und in jedem Aspekt des Lebens steckt.
Ein weiterer Aspekt dieses
Gesetzes besteht darin, dass alle Ereignisse, Umstände und Dinge schon an
sich gleichzeitig positiv und negativ sind. Ob wir eine Sache oder Situation
als positiv oder negativ erleben, wird bestimmt durch die Realität, die wir
in ihnen sehen und als unsere Wahrheit akzeptieren und aufgrund derer wir
handeln Die meisten Menschen sehen dies und die Folgerung daraus nicht. Wir
neigen dazu, zu vereinfachen und jeweils nur eine einzige Dimension einer
Sache zu sehen. Wir bezeichnen sogar „keine Nachrichten“ manchmal als „gute
Nachrichten“. In diesem einfachen Beispiel finden wir eine beachtenswerte
Fehldeutung dieses Gesetzes. „Keine Nachrichten“ sind tatsächlich „keine
Nachrichten“. Und wenn das Ergebnis, die tatsächliche Nachricht, uns
schließlich erreicht, müssen wir immer noch entscheiden, auf welchen Aspekt
der Realität wir unsere Aufmerksamkeit richten wollen. Das ist eine
Entscheidung, die unsere Zukunft bestimmt.
Wir sehen das Gesetz der
Dualität in Aktion, wenn wir beobachten, wie zwei verschiedene Menschen auf
dasselbe Ereignis reagieren. Der Verlust des Arbeitsplatzes ist eine schlimme
Sache für den, der diesen Vorgang nur aus dem Blickwinkel negativer
Konsequenzen sieht. Ein anderer, der sich danach sehnt, aus den Zwängen
seines Arbeitsplatzes auszubrechen, betrachtet denselben Vorgang aus der
gegenteiligen Perspektive und sieht eine Fülle an Möglichkeiten in der
neugewonnenen Freiheit. Da wir für eine gegebene Situation nur eine Seite des
Kontinuums der Dualität als „korrekt“ betrachten, springen wir laufend zu
dieser oder jener Realität und beharren darauf, nur EINE Seite der Dualität
sehen. Wenn sich diese Sicht im Massenbewusstsein verankert, werden andere
Aspekte schnell ausgegrenzt, und mit der größten Überzeugtheit wird nur EINE
Seite der Sache vertreten. Der Begriff „politisch korrekt“ entstand, um gesellschaftliche
Beschränkungen über das auszudrücken, was man sagen darf und was man nicht
sagen darf. Damit soll nicht gesagt sein, die Gesellschaft könne oder dürfe
das Äußern gewisser Wahrheiten nicht einschränken. Tatsächlich ist dies
aufgrund eines allgemeinen Gesetzes sogar notwendig. Unabhängig von ihrer
Ausprägung neigen Gesellschaften dazu, sich dadurch zu schützen, dass sie
bestimmte Ideen und Gedanken preisen oder verurteilen. Wichtig ist aber,
welche Ideen gesteuert werden und wer sie steuert.
Wer den Weg von Ruhm, Reichtum
und Glanz geht und diese Ziele schließlich erreicht, wird vielleicht
entdecken, dass er gefangen, gehetzt und einsam ist und sein „Glück“ nicht
genießen kann oder auch nur zu schätzen weiß. Der Obdachlose kommt und geht,
wie er will – er ist frei von Rechnungen, Hypotheken, Bindungen und
Pflichten. In mancherlei Hinsicht wäre das äußerste Freiheit mit
Möglichkeiten und Alternativen, die weit über das hinausgehen, was einer
prominenten Person möglich ist, die sich verkleiden muss, um ein wenig
Freiheit erleben zu können. Aber Obdachlosigkeit hat auch elende Seiten,
worüber man keine Worte verlieren muss.
Wir können uns als vom Glück
gesegnet oder als vom Unglück verfolgt ansehen. Beide Realitäten sind
vorhanden, und beide sind wahr. In dieser Weise ist die Ausübung des freien
Willens also jederzeit und in allen Situationen gegeben. Das Leben läuft auf
die Wahlentscheidungen hinaus, die wir in jedem Augenblick unseres Daseins
treffen. Unsere innere und äußere Realität spiegelt immer die Entscheidungen
wider, die wir zwischen diesen zwei Realitäten treffen. Beide sind vorhanden,
und beide sind gleichermaßen folgerichtig und möglich. Es kommt nur auf die
Ausübung des freien Willens, auf das Treffen einer Wahl an. Hier möchte ich
ein Beispiel aus meinem Leben geben.
Mein Unternehmen hing lange von
einer bestimmten Geschäftsbeziehung ab, die ein plötzliches Ende nahm. Unsere
erste Reaktion war Sorge und dunkle Vorahnungen: Es würden Arbeitsplätze
verloren gehen, Rechnungen könnten nicht rechtzeitig bezahlt werden. Solche
Sorgen gingen allen Mitarbeitern im Kopf herum. Aus dieser einen Perspektive
sah die Zukunft der Firma trübe aus, bis bei einem Mitarbeitertreffen jemand
aufstand und meinte, das sei doch eigentlich eine gute Nachricht. Nachdem der
Aufruhr abgeebbt war, wurde eine positive Sicht der Lage präsentiert. Die
Bequemlichkeit der bisherigen Geschäftsbeziehung habe die Firma davor
zurückgehalten, weitere Kunden zu finden. Wir hätten jetzt die Chance, uns
freizumachen und die von der Veränderung hervorgebrachte Energie zu nutzen,
um Möglichkeiten auszuloten, die schon immer bestanden, die unsere Firma aber
nie ergründet hatte. Diese Perspektive trug den Sieg davon, und die Firma
stieß auf eine neue Ebene vor. Diese neue Haltung für unser Unternehmen
hätten wir wahrscheinlich nie erreicht ohne die Entscheidung, auf der Basis
der „guten Nachricht“ zu handeln, statt über der „schlechten Nachricht“ zu
brüten.
Dem Gesetz der
Dualität ähnlich ist das Gesetz der Polarität. Es bezieht sich auf einen
weiteren Aspekt dieser Realität. Das Gesetz der Dualität richtet das
Augenmerk auf die positiven und negativen Möglichkeiten in einer Situation.
Das Gesetz der Polarität geht dagegen auf die Tendenz von Geschehnissen ein,
sich je nach unseren Entscheidungen in entgegengesetzte Richtungen zu
entwickeln. So entwickelte mancher Erwachsene aus einer ungünstigen frühen
Kindheit heraus große Stärke und Zuversicht, die ihn zu einer führenden
Gestalt machten. Aus der Saat scheinbar einseitiger Härte erwuchsen innere
Stärke, Engagement und Beharrlichkeit, die zu späterem Erfolg führten.
Andererseits kann die Saat aus Reichtum, Chancen und Privilegien – wie im
Leben von Multimillionär, Regisseur und Flugzeugbauer Howard Hughes –
Isolierung, Vereinsamung und Verfolgungswahn hervorbringen. In negativen
Merkmalen liegen die Wurzeln für die Umkehr. Diese Umkehr ist gesichert, denn
man wird schmerzhaft daran erinnert, dass die Konsequenzen sich fortsetzen,
wenn man so weitermacht wie bisher.
Das Gesetz der Polarität ist
auch in der Geschichte zu beobachten. Manche Geschehnisse erscheinen an der
Oberfläche nur gut oder nur schlecht. Es mag schwerfallen, die
entgegengesetzte Realität in einem Geschehnis zu sehen. Größere Distanz oder
höhere Ebenen von Bewusstsein sind nötig, um die entgegengesetzte Realität
und deren mögliches Hervortreten zu sehen. Die Existenz von Hitler, so
katastrophal ihre Wirkung war, diente auch als Katalysator für positive
Folgen, die andernfalls vielleicht nie eingetreten wären – hier etwa die
Gründung eines jüdischen Staates. Dies führte jedoch wiederum zur Verdrängung
der Palästinenser, die dadurch ihre Heimat verloren. Und so setzt es sich
immer fort; jedes Ereignis wird als gut oder schlecht angesehen, enthält aber
auch die Wurzeln für ihr Gegenteil.
Bei der Betrachtung dieses
Aspektes des Geistes könnten wir fragen, welcher Sinn wohl dahinterstecken
soll. Wie können wir das Spiel des Lebens jemals gewinnen? Es scheint, als ob
wir nur schlechte Karten hätten. Wie können wir Geschehnisse verstehen, wenn
etwas, das positiv erscheint, negative Folgen hat? Auf welchen Zweck zielt
ein solches System ab? Die Antwort ist aber nicht schwer zu verstehen. Es
liegt in der Natur des Geistes, auf jede in ihn hineingelegte Gedankenform
durch Erfahrung mit einer Erweiterung des Bewusstseins bis zur vollen
Erkenntnis der Einsseins der Seele mit dem ALL-SEIENDEN zu antworten. Durch
diesen Prozess wird die Seele letztendlich in der Aufrechterhaltung und in
den Abläufen der Universen zu einem bewussten Partner des ALL-SEIENDEN.
Man muss die
Natur des Geistes verstehen, um die Kräfte zu begreifen, die unser Leben
bestimmen. Er hat viele Namen – Geist, Chi, die Kraft, Shabd, Prana
-, aber Geist ist immer dasselbe. Er drückt sich aus als Intelligenz,
Kreativität, Weisheit, Schutz, Führung und ist mit jedem Aspekt unseres
Lebens, sei es klein oder groß, innig verwoben. Geist ist das Medium, das
alles Leben in allen Universen trägt und erhält. Geist wirkt in allen
Lebensformen – durch Instinkt bei Tieren, durch bewusste Entscheidung beim
Menschen. Geist ist allgegenwärtig. Geist ist die Quelle aller Gewissheit.
Geist ist die Datenbank, der Aufbewahrungsort aller Weisheit und allen
Wissens. Dieses Wissen muss nicht in einem Einzelwesen aufbewahrt sein,
sondern lässt sich nach Bedarf vom Quell allen Wissens abgreifen. Geist ist
ein Ausfluss des ALL-SEIENDEN. Geist ist die Quelle des Bewusstseins und
schließt das Bewusstsein in sich ein. Die Seele ihrerseits ist ein bewusster,
konzentrierter Aspekt des Geistbewusstseins. Als Seele verschmilzt und
entfaltet Geist sich zu einer individualisierten Einheit, die fähig ist,
unabhängig zu denken und bewusst zu sein. Geist arbeitet in Harmonie und
Partnerschaft mit seinem Ursprung – dem ALL-SEIENDEN und dem höheren Selbst.
Geist reagiert, sobald eine Gedankenform hervorgebracht wird. Jede
Gedankenform wirkt auf dieses ungeformte Geist-Energiefeld ein. Dieses
wiederum reagiert kreativ durch Erzeugen einer Wirkung in der äußeren Welt.
Es manifestiert Gedankenformen, die seiner Natur entsprechen – nämlich, dem
Ganzen zu dienen.
Um die Funktionsweise dieser
universellen Kraft zu verstehen, müssen wir das Leben verstehen und an den Vorgängen
des Lebens selbst teilnehmen. Wo setzen wir an, um Geist zu verstehen? Bei
Energie. Auf einer von vielen Ebenen sind es Moleküle und Atome, Protonen und
Quarks und noch kleinere Teilchen oder Wellen. Geist manifestiert sich auch
als Licht und Ton, wenn sie auch keine grundlegenden Bestandteile des Geistes
sind. Stattdessen, und grundlegender, ist Geist Bewegung, Materie und
Bewusstsein. Licht und Ton – und tatsächlich alle wellen- und teilchenartigen
Manifestationen – sind nur Aspekte auf verschiedenen Ebenen von Bewegung,
Materie und Bewusstsein. Was wir als Welle, Teilchen oder sonstige Form von
Energie wahrnehmen, wird auf der nächsthöheren Ebene der Existenz als eine
Form von Materie wahrgenommen. Aber in allen Fällen werden die Eigenschaften
von Bewegung und Bewusstsein miteinander verbunden. Diese zusammengenommen
schaffen Existenz auf allen Ebenen und Dimensionen der Realität.
Eingehender entwickelt wird
diese Vorstellung im (weiter oben beschriebenen) pythagoräischen Hylozoismus,
der eine Sicht der grundlegenden Natur des Geistes und somit des Lebens
selbst darlegt. Die Quantentheorie und das holographische Weltbild deuten die
Natur des Geistes an, d.h., sie stellen etwas von dessen Komplexität dar,
sehen jedoch kaum etwas von dessen Einfachheit. Auf elementarster Ebene ist
er Gedanke, Gefühl, Liebe. Geist ist überall, und alles ist aus ihm gebildet.
Geist verwandelt sich in alle Formen und existiert auf allen
Schwingungsebenen in der physischen Dimension und auf jeder anderen Ebene im
inneren und äußeren Universum. Auch was wir in unseren Träumen und bewussten
inneren Reisen sehen, besteht aus diesem Stoff, wobei er dort allerdings auf
einer anderen und feineren Ebene von Schwingung und Substanz existiert. Dass
er Bewusstsein hat, ist axiomatisch, denn er fließt aus der Realität des
ALL-SEIENDEN, das reines Bewusstsein ist.
Geist ist mit allem in
Verbindung. Er umfasst Gedankenformen und Dimensionen, welche die Substanz
der Illusion ausmachen, die „Leben“ genannt wird. Diese Illusion hat ihren
Zweck: Hinter der Schöpfung steht ein erklärbarer, zielgerichteter Plan. Es
ist aber eine solidere Grundlage erforderlich, bevor man ihn ganz verstehen
kann. Vorerst soll die Aussage genügen, dass alles nur Geist ist, denn Geist
ist die Art und Weise, wie das ALL-SEIENDE wirkt. Wir sind Geist; wir leben
in Geist; wir reagieren auf Geist, und Geist reagiert auf uns.
Beim Versuch, so etwas wie Geist
als allgegenwärtig, allmächtig und allwissend zu erfassen, sind wir
gezwungen, es von vielen Gesichtswinkeln aus zu beschreiben. Viel ist über
diese Kraft bekannt, und noch mehr lässt sich über die Natur dieser Kraft
sagen. Neben dem reagierenden Aspekt seiner Arbeitsweise scheint Geist einen
Plan oder Zweck – einen Charakter – zu haben, der in nichts Geringerem
besteht, als das grundlegende Gebot des ALL-SEIENDEN zu befolgen. Soweit
erkennbar, besteht dieser Zweck darin, mit jeder Seele an deren
Überlebensfähigkeit zu arbeiten und die Ausdehnung ihrer Bewusstheit zu
fördern. Diese Ausdehnung bringt jede Seele an den Punkt, an dem sie sich als
Teil des Geistes und des ALL-SEIENDEN bewusst wird. Sie begreift ihre
innewohnende Macht und ewige Rolle als Partner des Unendlichen. Sie dient
dann anderen Seelen, indem sie diesen hilft, eine Ausdehnung des Bewusstseins
bis zu einer Bewusstheit des ALL-SEIENDEN zu erreichen. Das nenne ich das
GROSSE WERK. Geist tut dies in einer Weise, die das Wachstum und Lernen aller
Seelen steigert – ganz gleich, welchen Entwicklungszustand sie erreicht
haben.
Keine
Beschreibung des Geistes vermittelt dessen Natur besser als die, dass er zum
Wohl des Ganzen wirkt. Die Vorstellung, dem Ganzen zu dienen, mag sich in
einer die Individualität betonenden Gesellschaft befremdlich ausnehmen. Leben
spiegelt die Eigenschaft und Fähigkeit des Geistes wider, die Bedürfnisse
jeder einzelnen Lebensform zu erfüllen. Und doch scheinen die Ergebnisse
einer Erfahrung im Leben unsere ausdrücklichen Wünsche oft nicht zu erfüllen.
Das trifft besonders dann zu, wenn diese Wünsche von eigennütziger Art waren
und keine Rücksicht auf andere nahmen. Hier bestimmt der Geist die Ergebnisse
unserer Wünsche in dem Sinne, dass der Eigennutz jener, die noch auf
niedrigeren Bewusstseinsebenen agieren, ausgeglichen wird.
Es liegt nicht in der Natur des
Geistes, nur einem Teil zu nützen, d.h. den Belangen nur einer Person oder
Gruppe. Wenn eigennützige Erfolge angestrebt werden, ist das Ergebnis oft nur
kurzlebig oder für die Person nachteilig. Es liegt in der Natur des Geistes,
seine Segnungen so auszuteilen, dass die Gesamtheit des Lebens davon Nutzen
hat. In dieser Aussage liegt ein entscheidender Schlüssel zur Natur
wirklichen Erfolgs. Wenn Ziele erreicht werden, die nicht nur der jeweiligen
Person nützen, dann wird sie als großmütig, stark und herausragend gewürdigt.
Die Gesellschaft zeichnet diejenigen aus, die so hoch entwickelte
Bewusstseinsebenen zeigen. Sie werden unsere Erlöser, Herren, Meister,
Heiligen, Nobelpreisträger, Helden und Philanthropen.
Ein anderer Weg, die Natur des
Geistes zu beschreiben, ist Liebe – eine Liebe für alles Leben. Wenn wir die
Segnungen des Geistes auf unsere Angehörigen und uns beschränken wollen,
arbeiten wir gegen die Natur des Geistes und begrenzen seine Fähigkeit, uns
Segnungen zu gewähren. Wenn wir das nicht verstehen, erfahren wir
Enttäuschungen im Leben und wenden uns vielleicht sogar vom Geist ab in dem
Glauben, dass er gar nicht existiere oder für uns zu undurchsichtig sei, als
dass wir in unserem Leben etwas mit ihm zu tun haben wollten.
Alles im Universum ist aus Geist
geschaffen und ist selbst Geist. In seiner undifferenzierten Form ist er
reine Energie, ungeformt, undefiniert und wartet darauf, durch das Denken
aktiviert zu werden. Diese reine Geist-Energie ist aber keine blinde, dumpfe
Kraft. Vielmehr erarbeitet sie Pläne und Strategien und verwirklicht die
Eindrücke, die das Denken auf sie ausgeübt hat. Da sie jenseits von Zeit und
Raum arbeitet, ist sie nicht in ihrer Fähigkeit beschränkt, unsere Gedanken
zu empfangen und zu antworten, indem sie den Kanal nutzt, der offen und
reaktionsbereit ist. Hierin besteht die Genialität des Geistes: SEINEN Plan
auszuführen und der eigenen Natur treu zu bleiben, während er zugleich unsere
Gedanken und Träume zur Manifestation bringt.
So wird der auf einer einsamen
Insel gestrandete Seemann oder der verirrte Zeltwanderer gefunden. Wird ein
Gedanke ins unendliche, grenzenlose, unmanifestierte Zentrum reinen
Bewusstseins geschickt, so antwortet es. Dazu bereite Wesen (freier Wille ist
immer am Werk) empfangen Gedanken und Winke, eine andere Richtung
einzuschlagen oder in einer bestimmten Weise zu handeln – alles als Teile
einer Lösung. Glaube, Wissen und Gewissheit stimulieren die Lösung und lassen
sie klarer hervortreten. Gedanken und Glaube – die wir ja selbst beeinflussen
können – bestimmen die Schnelligkeit und Sicherheit des Erfolgs in unseren
Wechselspiel mit dem Geist. Bestimmend sind aber auch unsere Handlungen in
Reaktion zu den vom Geist angebotenen Möglichkeiten. Denn wir sind die
Mittler, welche die Arbeit des Geistes ausführen und die gemeinsame
wechselseitige Beziehung vervollständigen.
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