Heimatlos...
Kein Zuhaus, keine Heimat, kein Ort - nirgends.
Entwurzelt, so komm ich mir vor.
Schon so lang.
Das Vaterland, das Land der Väter?
Welches Land, wessen Land?
Mein Land - dies Land?
Zu welchem Land gehör ich?
Zu welcher Heimat?
Wo zieht es mich hin?
Wo ist meine Heimat?
Wo gehör ich hin?
Wessen Väter ist dies Land?
Nicht das Land dieses, (m)eines Vaters...
Nicht das Land dieser, (m)einer Mutter...
Nicht mein Land, nicht meine Heimat.
Nicht mein Zu Haus.
Nirgends hier...
Niemals...
Bin nur auf der Durchreise, kein Endpunkt.
Kein Halt, kein Stop.
Keiner der wartet, auch auf mich wartet.
Keiner, der mich willkommen heisst.
Eine Fahrt ohne Endstation.
Wer ist den das überhaupt, Vater und Mutter?
Unbekannte Wesen, so fern...
Wer ist (m)ein Vater? Wer (m)eine Mutter?
Wer sind sie?
Ich kenne sie nicht...
Sie sind schon gestorben, vor so langer Zeit.
Nicht mehr existent, nicht mehr in meinem Leben.
Sie waren mal da, irgendwann vor so langer Zeit und...
waren doch nicht da.
Gaben sie mir wirklich ein Zu Hause?
Ein Gefühl der Heimat, des Geborgenseins...
Ein Gefühl für das Zu Hause?
Ein Gefühl für die Person, für den Vater.
Ein Gefühl für den Mensch, für die Mutter?
Nein. Nie, niemals.
Sie waren da und waren doch nie da...
Als wenn sie schon tod und gestorben sind.
Ich spüre da nichts mehr, alles tod und gestorben.
Wenn ich an sie denk...
Wo sind meine Wurzeln, wo?
Wo ist der Halt? Wo die Heimat?
Wurde meiner Heimat entrissen, wurde entwurzelt.
Wurde auf eine dauernde Fahrt geschickt.
Eine Fahrt ohne Halt, ohne Wiederkehr...
Ein neuer Staat nahm mir die letzten Reste.
Das, was mir ein wenig einen Rahmen, ein Gefüge gab.
Kein guter Rahmen, sicherlich.
Aber ein Gefüge, ein Rahmen...
Mein Rahmen.
Mein letztes, kleines beschissenes Stück Heimat.
Es wurde verdammt und vernichtet, beschimpft, beschmutzt...
Es wurde ausgelöscht.
Die Wurzeln wurden gezogen, gründlich.
Die Heimat wurde getilgt, gelöscht.
Verschwunden...
Das Zu Haus wurde eingerissen, abegrissen.
Musste Platz machen einen neuem, bunten, lautem, grossen...
Kaufhaus.
Nur - ist ein Kaufhaus eine Heimat, ein Zu Haus?
Ein Kaufhaus - mein Zu Hause?
Meine Heimat?
Verkauft, verschachert...
Eine Heimat - entsorgt auf dem Müllplatz der Geschichte.
Umgewandelt in ein grosses Tollhaus, in dem alle lustwandeln und...
Kaufen, kaufen, kaufen.
Zur Befriedigung ihrer niedrigsten Bedürfnisse.
Bedürfnisse hochgehoben in den Himmel des Konsums.
Eine Heimat, aufgebaut auf dem Konsum?
Eine Heimat im dauernden Kaufrausch?
Eine Heimat, in der der einzelne an seiner Kaufkraft gemessen wird?
Eine Heimat, aufgebaut auf dem Umschlag, dem Umsatz und...
dauerndem Verbrauch - angeblichem Genuss.
Genuss, so kurzfristig.
So ein Rausch nur.
Aber ein Halt?
Nein...
Aber eine Heimat?
Nein!
Aber ein Zu Haus?
NEIN!
Kann man sich eine Heimat, ein Zu Haus (er)kaufen?
Wer sind sie alle, die Menschen um mich herum?
Sind sie hier Zu Hause?
Ist dies ihre Heimat?
Wie können sie in so einem Haus, in so einer Heimat leben?
Wie halten sie das aus?
Und ich immer unterwegs, immer weiter...
Bin nie angekommen in diesem neuen Land...
Wo ist meine Heimat?
Wer gibt mir noch ein Zu Haus?
Wo kann ich es finden?
Entwurzelt, verloren...
allem beraubt, allem.
So schweb ich durch den Raum, durch die Zeit.
Durch dies Land.
Haltlos, schwerelos, ungewichtig, unwichtig...
Heimatlos...
Heute ist der 11.02.2004. Dieser Text greift eine für mich wichtige, zentrale
Frage auf. Und nur weil ich in den letzten Tagen für mich etwas Zeit und Ruhe
in einem geschütztem Rahmen sowie die Kraft, den Antrieb und die Kreativität
für diese Gedanken fand - aber gerade auch, weil ich in für
mich einer neuen und ungewohnten Umgebung befand, entstand dieser Text...
Vielleicht ist es auch diese "Entwurzeltheit", dieses Verlorensein, diese
nicht mehr vorhandene Heimat, diese Heimatlosigkeit - die ich schon so
lange spür - welche auch meine derzeitigen Fragen und Probleme
mit befördert, gefördert hat.
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