Ein weiterer Tag...

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Ein weiterer Tag...

Mir geht es sehr schlecht, fühle mich körperlich ausgelaugt, platt, schwach.
Mag nicht mehr, sehr leer, antriebslos. Hab bis jetzt 1 ½ Stunden "vertrödelt" für Dinge, die man in einer halben Stunde schaffen kann, locker schaffen kann. Sass da nur in der Küche und starrte vor mich hin. Bin irgendwie heut fertig.

Und wieder ein Tag...

Und wieder nur das eine im Kopf: Wie weiter? Wann lieg ich auf der Strasse?
Wieso denk ich dauernd nur ans Essen, Fressen? Wieso will der Körper das dauernd?
Er hat Ruhe zu geben, ich will ihn beherrschen...
Wenigstens das eine will ich beherrschen, wenn schon das andere nicht klappt, nie klappt, nie klappen wird. Das wird mir immer gewisser. Ich werd nie gegen die Borderline gewinnen, nie...
Und wieder eine halbe Stunde mit sinnlosen Sachen verbracht, krieg heut nix auf die Reihe. Schau in die Foren und hab keinen echten Bock, irgendwo einen thread zu beschreiben. Mich kotzt das alles heut an - und zwar ich mich selbst. So leer und antriebslos. Wenn ich daran denk, dass ich nachher auf's Wut-Rad muss, wird mir schon wieder ganz anders...
Ich schlafe abends ein und der letzte Gedanke ist: Ich hasse mich...
Ich wache morgens auf und der erste Gedanke ist: Ich hasse mich...
Wieso tue ich mir das nur noch alles an? Wieso die Klinik bald, wieso? Ach Mensch...
Noch etwas mehr und ich könnt schon wieder alles hinschmeissen, echt... Man, diese Leere und diese Antriebslosigkeit. "de Jana" nannte das mal nicht ganz zu Unrecht: Lähmung. Ja, wie gelähmt komme ich mir auch irgendwie vor. Nur - das Wort Lähmung ist zugleich für mich so fremd, abstrakt ein Begriff, abstossend, nicht aus meiner Welt...

Wieder ein Tag...

So lang, Minute reiht sich an Minute, Stunde an Stunde. Es ist so mies und ... ja und lähmend, echt...
Weis nicht, wie ich die Tage schaffen soll, weis nicht wozu ich mich hier plage. Wieso bin ich heut überhaupt aufgestanden? Hätt doch liegen bleiben können. Wär da nicht der Mann vom Ablesedienst gewesen. Aber was war danach? Wieder rein in die Kiste, wieder gegrübbelt, wieder gewälzt - hin und her.
Wieder die Frage: Wieso ich? Immer wieder diese Frage... Wieso konnte das nur alles passieren, mit mir passieren. Ach ich hasse das alles, echt... Ich hasse mich. Wie wild, wie doll. Und den Körper erst. Wieder schöne Grabenkriege, die hier laufen, es ist zum Kotzen. Aber es muss sein, ich kann den Körper so nicht akzeptieren, will ihn nicht, nicht so dick und fett, wie er sich mir jetzt wieder präsentiert, ich hasse das. Ach es ist zum Kotzen.
Hab abends schon Angst vor dem Morgen, vor dem Aufstehen und dem "wieder auf die Waage steigen...". Habe immer Angst, dass mein Gewicht und das Gewicht des Körpers über Nacht wieder so hochgeschnellt ist. Bin immer froh, wenn es so einigermassen gehalten ist das Gewicht, so wie heut.
Und fühl mich trotzdem so schlapp, so leer, will das alles nicht mehr. Will nicht mehr essen, will den Körper das nicht gönnen. Ich hasse das, er wird nur dick davon...
Ich will ihn quälen diesen Koerper, genauso, wie er mich quält, dauernd... Er hat nichts besseres verdient.
So ein Tag heut... es zieht sich alles hin... Dabei ist doch draussen sogar schönes Wetter. Könnt die Rolladen hochziehen. Will ich aber nicht, ist nicht mein Ding heut... Fühl mich mies und dunkel... Und so bleibt es hier drinn auch so...
Manchmal hab ich das Gefühl, der Körper muss nur Essen sehen und schon schnellt sein Gewicht hoch...
Sowas blödes, ich weiss... Genauso blöde ist aber auch, dass er unbedingt essen will. Wozu? Ich hasse das... Echt...
Antriebslos, sitze da, den Kopf in die Hand gestützt und weis nichts... Eigentlich ist genug zu tuen, aber ich kann mich nicht entschliessen, hoch reissen...
Selbst die laute Musik um mich rum treibt mich nicht, nichts regt sich in mir. Alles so leer, so blaaah...
Sitze da und warte, dass was passiert. Aber was soll schon passieren? Mit mir ist doch nichts los, heut.
Stehe auf, wandere umher, sinnlos, planlos. Schau zum Fenster raus und seh doch nichts...
Setze mich wieder und... immer noch nichts los mit mir...
Nichts mehr los, schon so lange, bin alle und leer - ausgebrannt. Nutzlos, sinnlos...
Und wieder eine Stunde rumgebracht, eine mehr... und noch eine und noch eine... ach, es ist zum Kotzen!
Ein Tag, wieder ein Tag, ein Tag, fast so wieder jeder andere... Leer, mit Ängsten und Zwängen und Drängen zugepackt. Mir alle Luft zum Atmen nehmend, allen Antrieb aus mir vertreibend...
Ein Tag, wann geht er endlich vorbei, wann wird es endlich dunkel... Damit es vorbei ist...
Dabei ist jetzt gerad mal Mittag - Mist schon wieder ein Grund zum Essen... Essen, essen, essen... Immer diese scheiss Gedanken des Körpers ans Fressen... Kann er nicht endlich einmal Ruhe geben? Wie ich das alles hasse... diese Grabenkriege, diese Kämpfe... diese Tage...
Mir ist schon wieder kalt, kalte Finger, kalte Hände... innerlich kalt und... dunkel...

Diese Tage... so unendlich lang...

Wieder zum Waschbecken hin, die Hände im warmen Wasser etwas anwärmen. Sehe mich im Spiegel - doch sehe, erkenne mich nicht... Wer ist das da? Will ihn garnicht sehen, er soll bloss nicht so blöd schauen, mag ihn nicht, ich hasse ihn... Wie alle Tage schon, ich hasse ihn...
Wann ist dieser scheiss Tag endlich zu Ende, wann ist es endlich dunkel, damit ich die Leere in mir mit Alkohol füllen kann. Damit ich die Kälte in mir mit heissem Glühwein vertreiben kann. Damit ich nichts mehr spüren muss... Alles zuschütten, wegspülen...

Ein Tag, antriebslos, leer, sinnlos, nutzlos...


Smalltown Boy You leave in the morning With everything you own  In a little black case Alone on a platform The wind and the rain  On a sad and lonely face    Mother will never understand Why you had to leave But the answers you seek  Will never be found at home The love that you need Will never be found at home    Run away, turn away, run away, turn away, run away.  Run away, turn away, run away, turn away, run away.    Pushed around and kicked around Always a lonely boy You were the one  That they'd talk about around town As they put you down    And as hard as they would try They'd hurt to make you cry  But you never cried to them Just to your soul No you never cried to them  Just to your soul    Run away, turn away, run away, turn away, run away.  Run away, turn away, run away, turn away, run away.    Cry, boy, cry...    You leave in the morning With everything you own In a little black case  Alone on a platform The wind and the rain On a sad and lonely face    Run away, turn away, run away, turn away, run away.  Run away, turn away, run away, turn away, run away.  Bronski Beat
15.01.2004 Dies ist der Tagebucheintrag von mir zum heutigen Tag. Es ist so wiedergegeben, wie er dort steht im Computer. Nur die Umlaute wurden zur besseren Lesbarkeit jetzt erzeugt.
Gestern noch war ich etwas kreativ und heute nun das... Es reisst mich hin und her. Solche Tage sind nicht gerade aufbauend. Und in diesem Text klingen ganz bestimmte Dinge, Probleme an. Dinge, die mich leider derzeit beschäftigen.

Ich weise nachdrücklich nochmals darauf hin:

Es ist mein Leben und nur ich entscheide, was damit passiert!
Niemand hat mich gefragt, ob ich leben will und so schreibe mir jetzt auch niemand vor, wie ich leben soll!


© 01/2004 Hannes Lau Anarcho