Tagebuch vom 28/06/2003

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Sonnabend (28/06/03)

Heute morgen bemerke ich, dass [meine Frau] ihren Ring nicht mehr trägt. Schreck, Schock, Trauer, Anspannung - die sowieso schon da war - springt hoch. Ich muss hier erstmal raus, weg. Die Wohnung engt mich förmlich/fühlbar ein, kriege keine Luft mehr. Hohle die Bilder [Fotos] und sehe mich auch drauf. Ich finde mich abgrundhässlich auf den 2 Bildern, wo ich drauf bin. Ich mag mich nicht, hasse diesen Scheiss Körper. Denke an Selbstmord als Bestrafung für diesen scheiss Körper. Oder ans Messer. Will mich davon ablenken und fahre Rad. Nur Hass, Wut, Trauer in mir. Kann nicht weinen. Brauche Musik und singen, schreie es aus mir raus. Ich hasse mich. Ich mag nicht mehr. Will sterben. Will den Tunnel und will mich nicht mehr gegen ihn wehren. Aber er kommt nicht, leider. Scheiss Körper. Ich bin so hässlich, denke wieder daran mich im Gesicht zu schneiden, um mich zu strafen. Gehe zu Hause jedem Spiegelkontakt, jedem Blick aus dem Weg. Scheisse, scheisse, scheisse. Kämpfe mit den skills gegen den Scheis in mir und es klappt teilweise. Radel wie ein blöder, schreie die Musik. Versuche, nicht an Alkehol zu denken, wird schwer. Immer schwerer. Und nun kommt noch [meine Frau] und sagt mir durch die Blume, dass ich beziehungsunfähig bin und sie mich nicht erreichen kann. Merke, dass mir die Familie egal ist, dass ich die Kinder nicht will, sie stehen im Weg zwischen mir und [meiner Frau]. Immer wieder. Ich weis nicht, wie ich das heute noch aushalten soll. Der Tag ist noch so lang :-( Ich bin nur allein glücklich. Ich bin alleine nicht glücklich :-( Ich hasse mich. Merke, wie ich aggressiver, gefährlicher fahre. Es ist mir egal, ob da ein Auto käme. Wünsche mir das herbei. Aber ich bin noch nicht soweit. Der Impuls, der Gedanke ist nur da, kann ihn nicht ausführen. Noch nicht. Wut, Hass. Schuld. Ich bin schuld. Keiner da, mit dem ich sprechen kann. Keiner der mich mag. [Meine Frau] mag meinen Körper, erreicht meinen Geist nicht. Komisch, ich mag den scheiss Körper nicht. Abgrundhässlich. Jetzt bin ich allein und leer und kann nicht mal mehr weinen. Alles taub und tot. Was soll ich nur tuen? Shit.


Das Tagebuch führe ich für die psychatrische Klinik (Station P6 in Gehlsheim), in der ich zu dem Zeitpunkt in Behandlung war. Der Tag, an dem der Text entstand, war sehr schwer für mich. Die Gedanken und Gefühle verursachten ein einziges Chaos in mir. Aus diesem Chaos heraus entstand der Tagebucheintrag, eventuelle Rechtschreibefehler inklusive...

© 06/2003 Hannes Lau Anarcho