Das Messer

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Als er die blanke, kalte Klinge dort im Licht aufblitzen sah, überkam ihm der Wunsch vor den Augen aller sich dies Messer sofort in den Arm zu rammen. Ein fast unbändiger Drang...

Als er die Klinge erstmals selbst in Ruhe und ungestört in die Hand nehmen konnte, war er gelassen und zufrieden. Die Klinge war scharf, schärfer als er erwartet hatte. Der Schnitt tat nicht weh und blutete nur wenig. Keiner würde es sehen. Er brauchte nicht viel Kraft...

Als der Drang in ihm das erstemal übermächtig wurde, konnte er nicht ungestört sein. Überall wuselten sie heute um ihn herum, überall war der Weg zum Messer versperrt. Da lag es, wieder aufblitzend in dem Licht. Der Drang - langsam ging es vorbei...

Als sie ihn immer weiter zwangen und drängten, konnte er es nicht mehr ansich halten. Er rannte fast. Aber das Messer war weg. Nirgendwo zusehen, nicht eine Spur. Und kein Licht, daß ihn zur Klinge leitete. So ging er wieder, der Drang blieb in ihm eingesperrt noch...

Als er die Klinge wieder aufblitzen sah, handelte er rasch. Nichts hielt ihn jetzt auf. Sofort sicherte er sich ab, nahm das Messer an sich und steckte es an die schon vorher ausgesuchte Stelle. Niemand ausser ihm würde es finden - niemand ausser ihm würde es nochmals nutzen. Die Klinge war immernoch scharf. Das hatte er sofort gespürt, als er das Messer ergriff. Die Klinge war bereit für später...

Als sie ihn wieder drängten und zwangen, wollte er den Druck für immer entgehen. Die Klinge war bereit. Er suchte den vorher ausgesuchten Ort auf und war auf einmal ungestört und allein. So als ob es vorherbestimmt sei...

Der Schnitt war zunächst schemenhaft, fast zart. Dann drückte er im unbändigen Wunsch, es endlich zuende zu bringen, kräftiger zu und zog die Klinge durch aufspringendes Fleisch, Adern und Sehnen. Noch einmal, tiefer und noch einmal, solange die Kraft ihn nicht verließ. Die Angst war weg und der Schmerz auch.

Blut floss...

Der Körper kippte zur Seite. Das Messer rutschte aus der kraftlos gewordenen Hand. Aufblitzend, heiter fast - wie im Triumph, fiel es in eine sich ausbreitende Lache aus Blut...


Als sie ihn fanden, blitze die Klinge in dem Licht auf und deutete auf die Schärfe und die Endgültigkeit des Stahls...



© 05/2003 Hannes Lau Anarcho