Ein starkes meditatives Erlebnis

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Ich weis nicht genau, wie ich es beschreiben kann. Weder weis ich, was da genau mit mir passiert ist. Noch, ob das überhaupt jemand verstehen kann. Nachvollziehen kann. Ich weis nur, es ist passiert. Heute. Und es war ganz intensiv. Ich will versuchen, jetzt davon zu erzählen.

Irgendwie war ich heut nachmittag platt, nicht angespannt - nur geschafft. Und so habe ich kurzfristig beschlossen, mich meinen Entspannungsübung zu widmen, wie immer hinten auf dem Rasen im Hof.
Gedacht - getan. Das Konzentrieren auf den eigenen Atem klappte wieder Erwarten ganz gut und mehrmals in verschiedenen Folgen von Übungen. Doch dann schlichen sich wirre und zusammenhanglose Gedankenfetzen ein. Ich liess sie gewähren, wenn es auch die Entspannung störte. Vielleicht bin ich auch etwas eingenickt, kurzzeitig. Ich war davor ja auch sehr platt. Zumindest bemerkte ich irgendwann, dass ich ruhig und entspannt war. Ich konnte nochmal eine Atemübung machen und habe dann eine Joga-Übung drann gehängt. Danach habe ich mich in meinen Schneidersitz aufgesetzt und wollte nur ein wenig meditieren...
Was dann allerdings passierte, lässt sich kaum beschreiben. Und ich habe damit auch nicht gerechnet, es provoziert. Es gewollt. Es passierte einfach. Es gelang mir schon nach wenigen konzentrierten Atemübungen (ich sage da immer zu mir: "Mein Körper und Geist ist ruhig und friedvoll - die Gedanken sind frei". Die Gedanken sollen loslassen, frei wie ein Vogel davon fliegen können.) mich völlig auf den Atem und meinen Geist zu konzentrieren.
Der Körper ist noch da - aber er ist unwichtig. Nicht unreal ist er, aber mehr so ein Gefühl von Verselbstständigung von Körper und Geist. Der Körper nimmt die Umwelt noch war und atmet und hört die Kinder im Hof spielen und die Menschen sprechen. Der Körper tut auch weh, wenn er eine unbequeme Haltung hat oder wenn er Hunger hat, aber das verschwindet irgendwann auch.
Aber der Geist beobachtet das nur und reagiert nicht darauf, er beobachtet, wie sich der Körper von ihm loslöst, entspannt, ganz er selbst ist. Und er beobachtet, wie er eigentlich fast ohne den Körper ist, nur den Atem bewusst wahr nimmt.

Und dann bin ich ganz tief abgestiegen in mich, in meinen Geist. Ins tiefe, dunkle. Und es ist gelungen, sehr lange und intensiv. Und ich war bewusst dabei. So tief und intensiv, wie lange nicht. Irgendwelche tiefdunklen unscharfen Schatten, durchsetzt mit wenigen helleren Lichtstreifen, fast wie Regenbogen, so sah ich das dunkle in mir vor meinem inneren geistigen Auge.
Sonst nichts - nur dies dunkle und das wenige Licht. Keine Gedanken - nichts. Sehr lange passierte das - sehr intensiv. Dann kam ich von da zurück...

Und dann kamen die Gedanken. Sie kamen wie von selbst. Und ich weis nicht wieso und woher. Auf einmal und von ganz allein betete ich vor mir her:


Buddham śaraṇam gacchami
dharmam śaraṇam gacchami
saṃgham śaraṇam gacchami


Und ich dachte, dass ich an mich selbst glauben kann, dass ich gesund werde und dass ich hübsch bin und immer wieder, dass ich gesund werde. Und immer wieder, daneben, dazwischen, ganz leis ganz tief hinten oder ganz im Vordergrund und oft:


Buddham śaraṇam gacchami
dharmam śaraṇam gacchami
saṃgham śaraṇam gacchami


Und ich faltete auch die Hände vor der Brust, weil ich es unbedingt musste und wollte, weil es so richtig war und passend.
Und dann sah ich irgendwann vor dem inneren geistigen Auge den Dalai Lama, friedvoll, lächelnd und stumm, aber zugleich beredet und ich glaube auch Buddha gesehen zu haben. So wie ich es in den vielen Fotos und Bildern aus Asien als Gestalt immer sehe.

Und auf einmal wollte ich eins sein mit Buddha, mit dem Buddhismus mich vereinen. Wollte daran glauben. Und ich war zutiefst berührt, fast den Tränen nah, weil ich doch so daran meine Hoffnung hängte in dem Augenblick.
Und weil ich so dankbar war und bin für die zweite Chance und für die schönen Tage und das neue Leben in mir und weil ich das Leiden abwerfen, loslassen wollte.
Und dankbar, dass ich das erleben durfte - in mir, mit mir. Und irgendwie verstand ich das Leiden von mir, das Leiden in der Welt, fühlte mich verbunden und mitfühlend und hilfsbereit. Ich spürte die Erde und das Leiden und fühlte, dass ich es loslassen kann, mich bereifen kann vom Leiden in mir. Fühlte, wie nah ich dem Buddhismus, dem Buddha bin. Wieviel es mir geben kann. Irgendwie so. Um immer wieder diese Worte, dieses Gebet in mir. Wie von alleine, nicht unterdrückbar, immer da, immer richtig:


Buddham śaraṇam gacchami
dharmam śaraṇam gacchami
saṃgham śaraṇam gacchami


Buddham śaraṇam gacchami
dharmam śaraṇam gacchami
saṃgham śaraṇam gacchami


Und dann passierte was ganz wunderbares, unerklärbares. Die Gedanken verschwanden so wie sie gekommen waren, aufgelöst, wie im nichts.
Und auf einmal begann ich mich um mich selbst zu drehen. Ich spürte, wie es auf mich, auf meinen Geist zukam, dies Drehen. Wie es begann, ganz sacht, ganz leise. Zuerst ganz langsam und etwas ruckhaft. Weil ich mich versuchte dagegen zu wehren, anfangs. Und ich wusste, es ist nicht gefährlich, nichts kann dir passieren. Ausser etwas wunderbarem...
So liess ich es gewähren. Immer mehr, nicht zu schnell, so dass ich es noch spüren konnte, drehte ich mich um mich selbst. Immer linksrum, gegen den Uhrzeigersinn. Ruhig und gleichmässig, stetig. Und irgendwann dabei war es, als wenn ich mich in die Erde bohrte. Fast als wenn ich zur Erde gehörte.
Doch dann erhob ich mich über die Erde, stieg im Drehen durch die Wolken in den Kosmos, wurde eins mit ihm. Und da sah ich sie, unsere Galaxis, wie sie sich unter mir um ihr Zentrum dreht. Wunderbar und so schön und klar und so gross und doch so klein zugleich. Und der ganze Kosmos ringsum, so wunderbar, tief und gross und dunkel. Durchsetzt mit den unzähligen Galaxien, Lichttupfern gleich.
Und zugleich drehte ich mich weiter um mich. Immer weiter, nicht anzuhalten. Und ich lächelte dabei, ich weis es genau, weil es so schön war. Einfach wunderbar. Ich wollte und habe es gewähren lassen. Wenn auch um mich Leute gingen und Kinder spielten und Lärm machten - sie waren unwichtig.

Ich lies es gewähren. Nichts störte mich dabei in diesem Drehen. Einfach unfassbar, diese wunderbaren Erlebnisse und Gefühle vor dem inneren Auge, das zu sehen und zu spüren. Ich kann es kaum beschreiben.

Und dann wollte ich loslassen von dem Drehen und habe einfach die Augen aufgemacht. Und es verschwand einfach, ruckartig fast. Aber die Nachwirkungen spürte ich noch, es war irgendwie real passiert. Ich spürte es. Spüre es jetzt noch. Sehe es. Wie es passierte und was ich sah...

Wunderbar. Und ich lächelte und es war mir egal, dass aus dem Haus gegenüber mir ein Haufen Leute zugeschaut hatten. Ob sie wohl dies Drehen auch gesehen haben? Den ich saß ja die ganze Zeit unverändert, unverrückbar auf dem Rasen, keinen Zentimeter hatte ich mich wirklich bewegt. Oder doch...?

Ich kann es nicht fassen, was da passierte in dieser Meditation. War ich wirklich hier, in der realen Welt? Wo war ich? War ich bei Buddha? Im Kosmos? Im Nirvana?

Ich habe soviel erlebt heute auf dem Rasen. Und ich bin dankbar dafür. Ich weis wieder einmal nicht, wie lange ich da im Hof wohl so gesessen habe. Aber es war wieder unheimlich lange und so intensiv wie noch nie.

Deswegen muss ich es niederschreiben. Denn es ist passiert. Heute.


Buddham śaraṇam gacchami
dharmam śaraṇam gacchami
saṃgham śaraṇam gacchami



Buddha

Bhumisparsa mudra
Dieses Bild und diese Figur zeigt Gautama Buddha. Die oben benannte Haltung wurde aus alten Texten entnommen und stellt den Kampf mit dem Demon Mara dar.
Nach-  oder abgemalt von einem Foto mit Wasserfarben auf Papier. Im Original hat das Bild die Grösse A4.

© 08 + 09/2003 Hannes Lau Anarcho