Vorwort: Ich weise nachdrücklich nochmals darauf hin:
Es ist mein Leben und nur ich entscheide, was damit passiert!
Niemand hat mich gefragt, ob ich leben will und so schreibe mir jetzt auch niemand vor, wie ich leben soll!


Heute ist der 23.11.2003. Der nun folgende Text entstand unter dem Eindruck von Ereignissen der gestrigen Nacht. Er beschreibt ein reales Geschehen...

Die Eisenbahn

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Das war schon mehr als nur Nervenkitzel...

Dunkelheit umgab mich, wie so oft. Wie immer unter der Brücke.
Allein, wie ich es immer bin,
so stand ich da,
an die Wand gelehnt,
Der CD-Player in der einen Hand,
die Bierflasche in der anderen.
Musik in den Ohren, "the Doors".
Graffitti links und rechts von mir,
undeutlich und unscharf in dem wenigen Licht,
was die entfernten Lichter des Bahnhofs ausleuchten.
Nur Halbschatten und Halbdunkel,
Unschärfe, wie immer.

So, dass man gerad noch die glitzenden, kalten Gleise...

erkennen kann, ertasten kann.
Erahnen kann?
Da lauern sie, unbeweglich, unerbittlich.

Kalt und dunkel, wie sie dort liegen.
Schon immer liegen und...

auf mich warten.
Schon so lang wartend.

Die Gedanken wieder,
so merkwürdig reduziert.
So sehr fixiert,
kein Rechts, kein Links,
nur ein Gedanke.
Nur Todessehnsucht.

Und über mir die Brücke, alles abschirmend.
Jeden Gedanken, jeden Laut des Lebens
von mir nehmend. Abschirmend.
Nur den einen Lärm noch zulassend...
Den des Todes...
Da kommt er gerollt, irgendwann.
Ein rollender Tod.

Da - das Licht!

Da kommt der Zug. Drei Lichter vorn, hell...
Gespenstisch leuchten sie den Platz aus,
dort,
dort soll es passieren,
jetzt?
Jetzt, jetzt gleich!

Der Zug naht, endlich, endlich...
Das Warten hat ein Ende, endlich!

Er rollt heran,
aus der vollkommen anderen Richtung.
Aus dem Dunkel der Nacht.
Aber spielt das noch eine Rolle?

Die Lok ist vorbei...
Jetzt ran...!!!
Der Lokführer kann nichts mehr sehen,
nichts mehr ahnen.
Alles zu spät,
kein Bremsen hilft mehr.
Die Wagen, unendlich...
lang, dunkel. Einer nach dem anderen...
Windzug, Lärm, Rauschen...
...
Hanggartner, Danzas, Walter...
was auch immer drauf steht auf den Wagen,
was spielt das für eine Rolle?
...
Die Wagen,
unendlich, lang, schnell, schwer, dunkel...
30 cm...
Dichter? Ran!!! Dichter!!!
20 cm...
Dichter!!!
10 cm...

Bauch einziehen!!!
Da... ein Wagen...
dunkel... die Fanghacken...
ragt weit raus...
10 cm...??? Mehr? Weniger??
Die Fanghacken...
Noch einer...
Kein Ausweichen...
Stehen und warten...
was passiert,
vorbei... oder?

Die Musik verstummt im Lärm der Wagen... unwichtig....
Die Schirmkappe wird weggeweht... unwichtig...
Windzug, der Zug, so dunkel, so schnell, so gross, so nah...
Kälte verbreitend, unwichtig...
Die Fanghacken...
10 cm... dicht, bedrohlich, dunkel gleiten sie heran...
Bauch reinziehen...
ist gar keiner mehr da, kein Bauch...
Die Fanghacken und die Wagen gleiten heran...
Tauchen auf aus der Dunkelheit,
kurz,
huschen vorbei, so dicht
und
verschwinden...
in Lärm und Dunkelheit...
Schemenhaft...
gespenstisch, gefährlich... dicht...!
Und vorbei...

Dunkel gleiten die Wagen heran, vorbei, schnell, Lärm, Windzug...

Ein Schritt... ein Schritt nur...
LOS!!!! TU ES!!! JETZT!!!
TU ES!!!

Warum kannst Du es nicht?

Dunkelheit... Windzug... Mütze weg...
Musik überstimmt...
Der Zug lärmt vorbei.
An mir vorbei, so dicht.
20 cm???
Bestimmt kaum mehr.
Nervenkitzel? Nein!
Nur ein Schritt mehr...

So stehe ich am Gleis dort unter der Brücke.
Mal wieder. Wie immer.
Wie oft noch? Wie lange schon? Wie lange noch?

Der Zug lärmt vorbei. Rauscht vorbei.
Ist weg.

Ich gehe zurück zur Brücke.
Singe und hör die Musik.
Lehn mich an die Mauer.
Über mir die Brücke und die Autos der Nacht.
Rechts und links Graffitti, undeutlich, unscharf...
Wie immer in der Dunkelheit.
Wie immer um diese Zeit.
Wie immer allein.
War so oft hier. Viele Züge...

Da kommt der nächste...
Diesmal aus der anderen Richtung...
Wieder die Lichter...
Wieder ringsum nur Dunkelheit...
Wieder keinen mich sehen lassen...
Muss keiner mitkriegen, was hier gerad läuft...
Wieder der Lärm...
Wieder die Wagen...
So dicht... dunkel und bedrohlich...
Die Gefahr, kaum zu erahnen, so schnell da...
kaum zu erkennen.
Der Zug...
Einer von vielen.

Wieder nur ein Schritt.
Der reicht, der eine Schritt.
Los!!! Ran...!!!
Nur einer... ein kleiner Schritt...
TU ES!!!
Einer von den vielen wird es sein, endgültig, endgültig!

Noch dichter...!!!
Nur ein Zug, der da vorbei lärmt...

Wie oft noch? Nervenkitzel...???

Todessehnsucht!!!


Der Körper tut den einen kleinen letzten Schritt...
nach vorn...
Gewalt!!!
Wird erfasst, weggerissen von der Stelle, wo er stand, mitgerissen...
wird unter dem heran rollenden Wagon begraben, zermalmt
zwischen dem schweren, dunklen Metall und dem Schotter der Gleise...
Der Lärm des Zuges schluckt alle Geräusche des Todes...
Im Lärm des Zuges vergeht ein Leben...


Eine Vision? Nein! Reales Geschehen!
Nur dieser eine kleine Schritt, er fehlt noch...
Er trennt noch...
Wie lange noch?


When the music's over When the music's over  When the music's over, yeah When the music's over Turn out the lights Turn out the lights Turn out the lights, yeah    When the music's over When the music's over When the music's over  Turn out the lights Turn out the lights Turn out the lights    For the music is your special friend Dance on fire as it intends  Music is your only friend Until the end Until the end  Until the end    Cancel my subscription to the Resurrection  Send my credentials to the House of Detention  I got some friends inside The face in the mirror won't stop  The girl in the window won't drop  A feast of friends "Alive!" she cried Waitin' for me Outside!    Before I sink Into the big sleep I want to hear I want to hear  The scream of the butterfly    Come back, baby Back into my arm We're gettin' tired of hangin' around Waitin' around with our heads to the ground    I hear a very gentle sound Very near yet very far  Very soft, yeah, very clear Come today, come today    What have they done to the earth? What have they done to our fair sister?  Ravaged and plundered and ripped her and bit her  Stuck her with knives in the side of the dawn  And tied her with fences and dragged her down    I hear a very gentle sound With your ear down to the ground  We want the world and we want it... We want the world and we want it...  Now Now? Now!    Persian night, babe See the light, babe Save us! Jesus!  Save us!    So when the music's over When the music's over, yeah  When the music's over Turn out the lights Turn out the lights  Turn out the lights    Well the music is your special friend Dance on fire as it intends  Music is your only friend Until the end Until the end  Until the end! The Doors


© 11/2003 Hannes Lau Anarcho