Mit Jan 21 21:54:01 CET 2004
Moecht mich bedanken, bei allen, die zu mir hielten... auch in der Not... die vielleicht ab
und an mich dachten... vielleicht...
Moecht mich bedanken, bei dem Koerper, dass er mich solange ausgehalten hat, trotz der
vielen Grabenkriege, die wir fuehrten... Hast du gut gemacht Koerper, danke. Bist nicht
der schlechteste, auch wenn Du so oft nicht das tatest, was ich wollte.... Musst nun bald
nicht mehr leiden...
Wirst sehen, es geht schnell vorbei und es tut nicht lange weh...
Bist aelter geworden als ich gedacht hab. Echt...
Moecht mich bedanken, bei den Computern hier, die mich solange gehalten haben, soviel
zu meinem Ueberleben beigetragen haben...
Danke, echt, ich verdank Euch so viel, ihr koennt das niemals erfassen. Ich will Euch
gern ein wenig meiner Seele, meiner Gedanken geben, mitgeben. Vielleicht findet ihr sie
im Netz, bei Eurem neuen Besitzer, vielleicht...
Muss mich auch bedanken, bei der Stereo-Anlage, auch wenn sie noch nicht abbezahlt ist...
Hast gute Musik gemacht, echt klasse zum Schluss... Schoener sound, echt... Leider konnt ich
es nie richtig geniesen, viel zu kurz und zu leise zu oft... naja...
Moecht mich auch bedanken bei dem Spinning-Bike, warst ein guter Begleiter, die ganzen
langen Wochen ueber, echt klasse... Haett ich nie gedacht, was Du leisten vermagst,
abkannst...
Ich hoffe, fuer Euch alle finden sich wirklich dankbare Abnehmer, die irgendwo den Wert
zu wuerdigen wissen...
Dank auch Dir, Auto, warst ein angenehmer Begleiter, vielleicht darfst Du ja sogar mich zum
Ende begleiten...
Dank Dir, liebes Bike, dort im Keller, auch wenn Du vielzu oft einen Platten hattest,
musstest stark leiden unter mir, ich weiss...
Dank auch Euch Fotoapparate, ward die ganzen Jahre treue Begleiter, wenn ihr auch sehr zu
leiden hattet, sorry. Ein Teil von Euch ist ja nun deswegen nicht mehr da, schon kaputt,
aber ich denke noch heut an Euch...
Dank Euch allen, wenn ich Euch ausschalte, vielleicht behaltet ihr mich irgendwie in
Erinnerung. Aber ich weiss, dass geht nicht, ihr seit nur Maschinen...
Aber ich mochte Euch alle, lieber oft, viel lieber als die Menschen, die mich nicht
verstanden, die ich nicht verstanden habe, nie werd verstehen koennen... Denn die Chance
dazu ist mir genommen...
Was bedeutet mir noch etwas?
Ja, die Container, die Schiffe... Ganz merkwuerdig, eine Beziehung von mir zu ihnen - geboren
auf See, eine Faszination. Etwas, was zwar auf seine Art totes Material darstellt und
trotzdem soviel Leben und Aktivitaet vermittelt... Niemand kann das verstehen, der nie die
grossen Container-Jaeger an sich vorbei rauschen hat sehen... Ich seh die Bilder noch heute
vor mir... ich kann es nicht wirklich beschreiben...
Aber hatte ich jemals eine Chance in dieser grossen Liga mitzuspielen, mitzuschwimmen...?
Ich wuenschte mir, ich koennt nochmals von vorn beginnen, alles irgendwie anders und besser
machen - aber das kann ich nicht... Und ich darf doch niemanden mehr belasten... muss
gehen... jetzt...
Moecht mich auch bedanken fuer die Eisenbahn, die da kommen wird, mich mit sich reissen
wird, hoffentlich... Moecht mich zugleich bedanken fuer die Gedanken, die ich verschwenden
konnte an die Modelleisenbahn, an den Plan, der sich nie verwirklichen liess...
Ja, liebe Maschinen, liebe Technik hier, ich dank Euch allen, ihr ward die wirklich treuen
und wiederspruchsfreien Begleiter, die wahren Freunde, die ganzen Jahre ueber, die ganze Zeit.
Ich hoffe, ihr koennt alle verzeihen, dass ich Euch nicht immer richtig behandelt hab,
schlecht zu Euch war... Eure Seele, Eure Technik verletzt hab... Nachlaessig war...
Moecht mich auch bedanken bei den allen Platten und nachher bei den CD's, die sich ueber die
Jahre so ansammelten. Ihr ward mir treue Begleiter... Ich weiss nicht genau, wer mich auf
dem letzten Gang begleiten wird, welche Musik. Ich hoffe, ihr alle koennt verzeihen, die ihr
nicht dabei sein koennt. Aber es koennen ebend nicht alle dabei sein, die Zeit bleibt mir
einfach nicht. Ja, ihr und die Musik auf Euch hat mir viel bedeutet, auch etwas, was mir ein
klein wenig Halt gab... und Freude... und Leid doch auch zugleich...
Moecht mich auch bedanken, fuer die Software, die mir soviel Freude und zugleich soviel
Aerger bereitet hat. Letztlich war sie doch etwas von dem, was sie sein sollte: Mein
Werkzeug, mein Leben, meine Seele...
Ein Teil davon steckt nun in dem, was jetzt das Netz genannt wird. Ein Teil der Seele, ein
Teil der Gedanken, Bruchstuecke nur zwar... Wieviel Zeit waer mir den geblieben, mich, meine
Seele komplett dem Netz anzuvertrauen? Ich glaube, ich hatte nie wirklich eine Chance...
Wie lange wird dieses Bruchstueck im Netz ueberleben? Sicher nicht lange... Man wird die
Seiten loeschen, die Platten freigeben, den Inhalt vernichten...
Geloescht, ausgeloescht so wie ich, schon so lange ausgeloescht...
Ich muss mein Leben geben fuer ihr's... Nur so kann, so muss sie weiter leben... Mein Leben
fuer ihr's. So war es zwar nicht vereinbart, aber vielleicht hat dann wenigstens einer eine
Chance, das waer es schon Wert... Was hab ich noch zu verlieren?
Danke Euch allen, die ihr staendig und geduldig um mich ward, anders als diese verhassten
Menschen. Und tut mir Leid, Koerper, dass ich Dich zum Schluss nochmal verletzen muss...
Heute ist der 25. Januar 2004.
Dieser Text ist so wiedergegeben, wie er von mir niedergeschrieben wurde an
dem Mittwoch Abend.
Dieser Text ist ein vielleicht eigenartiger, auf seine Art einzigartiger, aber
trotzdem vollkommen realer und bewusst verfasster Abschiedsbrief. Und ich bin wieder
einmal durch eine tiefe, suizidale Krisensituation gekommen. Dank der Hilfe der
Gehlsheimer Klinik, Station P1 und ganz besonders
Dank KaRo, der irgendwann das Heft des Handelns
an sich gerissen hatte und den Notarzt informierte. Ich habe mich auf der P1 wieder
eigenem Erwarten sogar schnell wieder gefangen und erholt.
Ich bin nun schon wieder einige Tage hier, aber trotzdem weiss ich immer noch nicht, wie
ich mit diesem Text umgehen soll. Ich konnte mich lange nicht entschliessen, ihn um Vorwort
und Nachsatz zu ergänzen. Den erstmalig ist in dieser Krise etwas ganz bewusst passiert,
was mir zwar schon immer in jeder vorherigen Krise in den Sinn kam, aber bisher nie
zur Ausführung gelangte. Weil ich weiss:
Dies ist der letzte Gang, die letzte Handlung hier - danach
kommt nichts mehr, danach gibt es nichts mehr, kein Halten...
Alle Lebensadern gekappt - auch die letzten, alle...
Danach gibt es mich nicht mehr...
Ich hatte begonnen, hier die Maschinen runter zufahren...