Im Formel 1 Spionage-Fall sind neue Beweise aufgetaucht. Nach den brisanten Aussagen der McLaren-Piloten Fernando Alonso und Pedro de la Rosa hat die FIA erneut den Weltrat zusammengerufen.
Die Spionageaffäre zwischen McLaren und Ferrari geht am nächsten Donnerstag in seine entscheidende Runde. Der Weltverband FIA sagte das für den 13. September angesetzte Berufungsverfahren ab und rief dafür erneut den Weltrat zusammen. Grund für die Programmänderung sind neue Beweise, die der FIA offenbar vergangene Woche zugespielt worden sind. Im Fahrerlager von Monza verdichteten sich Gerüchte, dass die Fahrer in den Fall verwickelt sind. Demnach sollen Fernando Alonso, Lewis Hamilton und Testfahrer Pedro de la Rosa von der FIA Post bekommen bekommen haben. Sie wurden aufgefordert, zu den neuen Beweisen Stellung zu nehmen. Ihnen wurde Straffreiheit zugesichert für den Fall, dass sie sich kooperativ zeigen.
E-Mails mit Ferrari-Geheimnissen
Anfang dieser Woche äußerten sich Alonso und de la Rosa dann zu dem
Fall. Ihre Aussagen haben die FIA daraufhin veranlasst, den Weltrat
neu zu bestellen. Gerüchten zufolge geht es um den Austausch von
E-Mails zwischen Pedro de la Rosa und Fernando Alonso. In diesen
Mails soll de la Rosa seinem spanischen Kollegen über
Abstimmungsgeheimnisse von Ferrari in Kenntnis gesetzt haben. De la
Rosa hat diese Informationen von Chefdesigner Mike Coughlan
erhalten, in dessen Haus das 780 Seiten starke Geheimdossier
gefunden wurde, das nach Ferrari-Angaben von deren ehemaligen
Werkstattchef Nigel Stepney stammt. De la Rosa und Coughlan kennen
sich gut. Die beiden arbeiteten bereits 1999 und 2000 bei Arrows
zusammen.
Der E-Mail Austausch zwischen de la Rosa und Alonso soll sich
bereits kurz nach Saisonbeginn abgespielt haben, deutlich vor dem
Zeitpunkt also, an dem Coughlan die Dokumente von Stepney bekam.
Das erhärtet erneut den Verdacht, dass Coughlan schon früh Details
über den Ferrari wusste. Ob die Tatsache, dass Alonso theoretisch
die Abstimmungstricks von Ferrari für eigene Zwecke genutzt haben
könnte, ausreicht, McLaren aus der Weltmeisterschaft
auszuschließen, steht auf einem anderen Blatt. Es macht die
Verteidigungsstrategie von Teamchef Ron Dennis jedenfalls nicht
einfacher, denn jetzt ist klar, dass offenbar doch mehr Leute mehr
gewusst haben als sie zugeben wollen. Die FIA wollte auf Anfrage
keinen Kommentar zu dem laufenden Verfahren abgeben.
Alonso-Intrige unwahrscheinlich
Wegen der angespannten Stimmung zwischen Alonso und seinem Team,
wird in der Szene spekuliert, ob Alonso seinen Rennstall
absichtlich anschwärzen wollte, um vorzeitig aus dem Vertrag zu
kommen. Nach allen Erkenntnissen ist das aber nicht der Fall.
Alonso hatte gar keine Chance, die Aussage zu verweigern. Die FIA
hätte ihn dann theoretisch sperren können. Vor einem Zivilgericht
sieht es allerdings anders aus. Alonso könnte McLaren dann nicht
mehr vorwerfen, dass sein Image beschädigt worden ist, denn er
selbst hat sich ja als Mitwisser schuldig gemacht. Die
Alonso-Interessenten Renault und Toyota reiben sich möglicherweise
zu früh die Hände.