Update + + Der Weltmotorsport-Verband FIA hat die McLaren-Fahrer am 31. August in einem Brief aufgefordert, Informationen über den Spionage-Fall preiszugeben. Am Freitag (7.9.) wurde dieser Brief nun veröffentlicht.
Seit Donnerstag ist bekannt, dass die McLaren-Fahrer Fernando
Alonso und Pedro de la Rosa via E-Mail Informationen über die
Abstimmung des Ferrari ausgetauscht haben. De la Rosa hatte die
Informationen von Mike Coughlan erhalten, der seit Anfang März
dieses Jahres vom Ferrari-Werkstattchef mit internen Daten
gefüttert wurde. Als die FIA davon erfuhr, forderte sie die
McLaren-Piloten zu einer Aussage auf. Am Freitag hat der
Weltverband den Brief veröffentlicht, in dem de la Rosa, Alonso und
Hamilton zu einer Kooperation in den Fall vergattert wurden.
Amnestie für Informationen
FIA-Präsident Max Mosley fordert in dem zweiseitigen Schreiben die
Fahrer auf, sämtliche Unterlagen zu dem Vorwurf, sei es in
schriftlicher oder digitaler Form, der FIA zu übermitteln.
Wortlaut: "Sie müssen verstehen, dass es die Pflicht aller
Wettbewerber und Superlizenzhalter ist, für fairen Sport in der
Formel 1-WM zu garantieren. Es ist deshalb Ihre Pflicht uns
jegliche Information zu diesem Fall ohne Verzug zugänglich zu
machen. Ich kann Ihnen versichern, dass wir im Falle ihrer
Mitarbeit keinerlei Verfahren gegen Sie einleiten werden. Sollte es
jedoch ans Tageslicht kommen, dass sie uns etwas verschweigen oder
Informationen zurückhalten, kann das für Sie mit ernsthaften
Konsequenzen enden." Mit anderen Worten: Die FIA drohte zwischen
den Zeilen mit Lizenzentzug.
Die Tatsache, dass Alonso und de la Rosa Informationen über das
Setup des Ferrari ausgetauscht haben, beweist nur, dass mehr
McLaren-Teammitglieder von dem Kontakt zwischen Coughlan und
Stepney wussten als bisher von McLaren eingeräumt wurde. Da aber
der Dialog der beiden Spanier einen Monat vor der Übergabe des 780
seitigen Dossiers an Coughlan stattfand, war das für de la Rosa und
Alonso ein normaler Vorfall. Zu diesem Zeitpunkt konnten sie sich
noch gar nicht der Tragweite der Affäre bewusst gewesen sein.
Informationsaustausch, auch zwischen Teams, die im Wettbewerb
stehen, ist gang und gäbe in diesem Sport.
Informationen wertlos für McLaren
Dem Vernehmen nach handelt es sich bei den Informationen, die de la
Rosa seinem Kumpel übermittelte, um eher belanglose Details zu der
Abstimmung des Ferrari. Nichts, was Alonso zu irgendeinem Vorteil
hätte reichen können. Der McLaren MP4-22 und der Ferrari F2007 sind
vom Konzept her so verschieden, dass selbst ein Detail wie die
Gewichtsverteilung nicht übertragbar ist. Dann ist es auch
irrelevant, welchen Luftdruck Ferrari wählt. Andere Radlasten,
andere Reifendrücke.
Unklar ist weiterhin, wer der FIA den Tip gab. Im Fahrerlager
machte schnell das Gerücht die Runde, Alonso habe seinem ehemaligen
Renault-Teamchef Briatore von dem E-Mail-Austausch erzählt. Dieser
habe die brisante Information dann weitergegeben. Als der Italiener
von dem Gerücht erfuhr, stiefelte er sofort zu Ron Dennis. In einem
20-minütigen Gespräch klärte er den McLaren-Chef darüber auf,
nichts mit der Sache zu tun zu haben. Eine weitere Möglichkeit
wäre, dass Alonsos Manager die Sache ins Rollen gebracht haben
könnte.
McLaren-Mercedes hat sich bis zur FIA-Weltratsitzung am kommenden
Donnerstag in Paris einen Maulkorb verpasst. Jedes Wort zuviel
könnte im Ernstfall gegen das Team verwendet werden. Außerdem würde
man seine Verteidigungsstrategie preisgeben.