Renn-Rentner Michael Schumacher genießt sein neues, Formel 1 freies Privatleben und hat auch ein Jahr nach dem Rücktritt keinerlei Sehnsucht auf ein Comeback.
Mit einem knappen, klaren "Nein" beantwortete der Rekord-Weltmeister die Frage, ob er nie den Wunsch nach einer Rückkehr in den Motorsport gehabt habe. "Ich bin mit mir, meiner Familie und meinem Leben absolut im Reinen. Ich bereue absolut nichts."
Rücktritt vor zwölf Monaten
Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hatte Schumacher am 10.
September 2006 nach seiner emotionsgeladenen Triumphfahrt beim
Großen Preis von Italien die Ferrari-Crew per Funk über sein
Karriereende informiert. Nun äußerte er sich vor dem
prestigeträchtigen Heimrennen der Scuderia am Sonntag (9.9.) in
Monza in einem Interview mit dem italienischen "Corriere della
Sera" (8.9.) ausführlich zu persönlichen und sportlichen
Aspekten.
Schumacher, der mit dem italienischen Traditionsteam zwischen 2000
und 2004 fünf seiner insgesamt sieben Titel (1994 und 1995 mit
Benetton) in Serie geholt hat, tippt auf die Roten als Weltmeister.
"Ferrari, weil wir das beste Team sind", sagte er der Zeitung. "Es
wird sicherlich sehr schwer, aufzuholen. Aber ich halte an meinem
Motto fest: Niemals aufgeben." Beeindruckt zeigte sich der
91-malige Grand-Prix-Sieger vom McLaren-Mercedes-Piloten Lewis
Hamilton: "Ich hätte nicht gedacht, dass er die WM anführen würde,
darauf hätte wohl niemand gewettet." Für ihn sei es "aber keine
Überraschung", dass der junge Brite stark fahre.
Nur Beraterfunktion bei Ferrari
Nichts Neues konnte er bezüglich seiner aktuellen Tätigkeit für
Ferrari berichten. Die Zusammenarbeit erstrecke sich über mehrere
Bereiche. In der Formel 1 gebe er vor allem technische Ratschläge.
"Ich bin mit den Technikern via E-Mail und Telefon in Kontakt, ab
und an in Maranello bei Sitzungen dabei oder zugeschaltet", sagte
der Berater. Außerdem übernehme er einige Werbe-Aufgaben. "Und da
gibt es noch die Serienwagen. Bei deren Entwicklung habe ich schon
als Pilot meinen Beitrag geleistet."
Sollte sein Sohn Mick den Wunsch haben, ebenfalls Rennfahrer
werden zu wollen, würde Schumacher "erstmal tief durchatmen. Aber
wenn es wirklich das wäre, was er will, dann würde ich ihn
unterstützen, so wie es jeder Vater mit seinem Sohn machen würde."
Früher war der zweifache Familienvater - Tochter Gina Maria hat
keine entsprechenden Ambitionen - eher gegen eine
Motorsportkarriere seines Filius¿. Mick spielte gerne
Eishockey.
Keine Gedanken an Rückkehr
Die Formel 1 komme ohne Schumacher "brillant" zurecht, was auch
umgekehr gelte, "auch wenn ich zugeben muss, dass ich in diesem
Fall nicht wusste, wie es werden würde", räumte er ein. Inzwischen
hat sich der 38 Jahre alte Kerpener ans PS-Pensionärs-Dasein
gewöhnt und genießt es, nicht ständig Termine zu haben. "Ich liebe
es, die Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen, mit
denen ich das viele Jahre nicht so machen konnte. Dann widme ich
mich gerne meinen Hobbys: Fußball und Motorrad fahren", sagte er
der Zeitung.
Beeindruckt berichtete der Naturliebhaber vom Schwimmen mit Walen.
Dies hatte er sich als ersten Wunsch nach seinem Rücktritt erfüllt.
"Das war wunderbar. Ein Erlebnis voller Frieden und Eleganz -
wunderschön", schwärmte Schumacher noch Monate später.