In einer der ersten BUND-Aktionen wurden 1986 von Hand drei Kleingewässer in einer Feuchtbrache angelegt. Heute sind leider die nur 60 cm tief angelegten Feuchtbiotope weitgehend in Verlandung begriffen. Unter anderem haben diese Erfahrungen gezeigt, dass die Handarbeit zu aufwendig und langfristig nicht erfolgversprechend ist. Nachfolgende Anlagen von Kleingewässer wurden überwiegend mit Maschineneinsatz durchgeführt. Der Einsatz von Baggern greift zwar massiver in das Bodengefüge ein, hat aber den Vorteil, sich auf die kurzen Bauphase zu beschränken. Bei richtiger Einweisung der ausführenden Personen sind auch mit schwerem Gerät gute Erfolge bei der differenzierten Bodenmodellierung und Uferprofilierung erzielbar.
Die Anlage dieses "Vorbildgewässers" erfolgte im Winter 1986/87 in einem durch Windbruch zerstörten Lärchenforst. Ziel war vor allem, der starken Amphibienpopulation in diesem Bereich weitere Laichgewässer anzubieten. Als Stichwort sollen hier "Krötenwanderung an der Mühlenbergsheide " reichen.
Drei hintereinander liegende Teiche werden durch einen temporär wasserführenden Graben zusätzlich mit Wasser versorgt. Amphibien besiedelten das Gewässer spontan im ersten Frühjahr nach den Bauarbeiten, heute besteht dort eines der stärksten Laichgewässer für Grasfrösche im Mülheimer Wald (Goese 1995). Jeder der drei Teiche bildete unterschiedliche Schwerpunkte bei der Vegetationsentwicklung. Waren in den ersten Jahren im obersten Teich
vorwiegend Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia) und Flutender Schwaden (Glyceria fluitans) anzutreffen, bildete der mittlere einen bemerkenswerten Bestand mit Zwerg-Laichkraut (Potamogeton pusillus agg), Schwimmendes Laichkraut (Potamogeton natans) sowie Froschbiß (Hydrocharis morsus-ranae) und dem einzigen
in Mülheim vermutlich natürlichen Vorkommen von Seekanne (Nymphoides peltata). Die Pflanzen sind offenbar durch Wasservögel eingeschleppt worden, da auch hier auf jegliche "Initialpflanzungen" verzichtet wurde. Inzwischen haben sich um die Gewässer junge, dichte Erlenbestände gebildet
Die perlschnurartige Teichanlage zählt zu den wenigen sauren, nährstoffarmen (=dystrophen) Moorgewässern in Mülheim und wurde vermutlich schon in den 20er Jahren angelegt. Seit einigen Jahren beobachten wir hier die sehr bemerkenswerte Entwicklung eines Torfmoos-Schwingrasens, aufgebaut von einem Massenvorkommen des Einseitswendigem Torfmoos (Sphagnum subsecundum, in den Roten Listen der Bundesrepublik und des Landes NRW jeweils als gefährdet eingestuft).
In einem weiteren Teich befindet sich das einzige Vorkommen des landesweit als gefährdet eingestuften Knöterich-Laichkrautes (Potamogeton polygonifolius) in Mülheim. In unmittelbaren Nähe wurde auf gleichen Untergrund 1994 ein neues Kleingewässser angelegt, dessen Entwicklung ebenfalls vielversprechend ist (vergl. Tab. 1, Spalte Großenbaumer Str. I). Diese Bereiche sollen im nächsten Landschaftsplan unter Naturschutz gestellt werden. Ihnen kommt eine ähnlich hohe Bedeutung wie dem bestehenden Naturschutzgebiet Oemberg-Moor zu.
Einer der floristischen Überraschungen bot der alte Parkteich am Solbad Raffelberg aus dem Jahren 1908/09. Im Rahmen der Restaurierung der Parkanlage sollten auch die sogenannten "Spiegelteiche" entschlammt werden. Während einer Ortsbesichtigung mit dem Landschaftsbeirat konnte hier die sicher überregional bemerkenswerte Armleuchteralge (Nittela flexilis), daneben auch das in Mülheim nur zerstreut vorkommende Berchtold-Laichkraut (Potamogeton berchtoldii) nachgewiesen werde.
Wiederholte Entschlammungen und komplette Ausräumungen, wie bereits 1985 praktiziert, mögen aus Sicht der Landschaftsarchitektur vielleicht sinnvoll sein, das Vorkommen von der extrem seltenen Armleuchteralgen, die vorwiegend alte, reife Gewässer besiedeln, lassen solche "Wiederherstellungen" der Teiche in einem anderen Licht erscheinen.
Dieses alte Abgrabungsgewässer mit ausgedehntem Schilfröhricht und Silberweiden-Auenwald in der Saarner Aue steht seit 1982 unter Naturschutz. In den 80er Jahren wurden durch Bodenaushub zusätzliche Schilf-Röhrichtzonen angelegt. Neben bemerkenswerten Arten der Uferbereiche wie z.B. Schwanenblume (Butomus umbelatus) oder Nickender Zweizahn (Bidens cernua) sind auch einige faunistisch interessante Entwicklungen zu beobachten.
Seit etwa 5 Jahren nistet in den Silberweiden-Beständen eine ständig wachsende Graureiher-Brutkolonie, die erste in Mülheim an der Ruhr. Dies ist sicher auch ein Erfolg der guten Abzäunung des Bereichs vor Störungen. Selbst durch Veranstaltungen auf dem Saarner Kirmesplatz werden die Tiere nicht abgehalten.
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© BUND Mülheim an der Ruhr