Seltene und bemerkenswerte Farn- und Blütenpflanzen

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Königsfarn (Osmunda regalis)

Königsfarn (Osmunda regalis)Dieser prachtvolle Farn ist in Mülheim hauptsächlich in den kleinen Bachtälern des Duisburg-Mülheimer Waldes zu finden. Hier wird er bereits von F. F. Grimm (1800) unterhalb der Wolfsburg (heute Stadtgrenze Duisburg/Mülheim) gemeldet. Der Königsfarn wächst heute in unserem Raum i.d.R. nur in wenigen Exemplaren. Da er sowohl bundesweit als auch in NRW als gefährdet eingestuft wird, hat das kleine Vorkommen im Bereich der Arthur-Brocke-Alle dazu geführt, diese Fläche im Landschaftsplan von 1983 unter Naturschutz zu stellen. Inzwischen sind durch die Biotopkartierung und durch eine intensiver Nachsuche weitere Vorkommen bekannt geworden. Die Vorkommen in Mülheim sind nicht, wie häufig angenommen, angepflanzt (z.B. an den Teichen im Vogelsangbachtal), sondern müssen als ursprünglich gelten. Auffällig scheint uns jedoch, dass insbesondere an Standorten, an denen menschliche Eingriffe wie Grabenaushub, Freiräumen von Abflüssen etc. stattgefunden haben, vom Königsfarn bevorzugt werden.

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Bergfarn (Thelypteris limbosperma)

Bergfarn (Thelypteris limbosperma)Der Bergfarn erreicht im Stadtgebiet seine nordwestliche Verbreitungsgrenze in Mitteleuropa. Wie der Königsfarn siedelt auch er an Gräben und Wegrändern. Die frühen Meldungen von J. Pieper für den Schengerholzbach konnten wir bestätigen. Der eher unscheinbare Farn wird leicht übersehen oder mit dem ihm sehr ähnlich aussehenden Gewöhnlichen Wurmfarn (Dryopteris filix-mas) verwechselt. Allein die botanische Namensgebung dieses seltenen Farns kann selbst den Fachmann zur Verzweiflung treiben. So wurde er innerhalb der letzten 250 Jahre mehr als ein Dutzend mal umbenannt. Ursprünglich wurde er zu den Tüpfelfarnen (Polypodium) gestellt, später von unterschiedlichen Autoren in die Gattungen Dryopteris, Lastrea, Aspidium, Nephrodium oder Thelypteris u.v.a.m. gestellt. Zum Glück sind die Volksnamen nicht so leicht veränderbar, so dass der Laie sich manchmal schneller zurechtfindet als der Experte.

Buchenfarn (Thelypteris phegopteris)

Der Buchenfarn wächst in unmittelbarer Nähe der vorgehend genannten Art und gehört zu den interessantesten Neufunden für Mülheim. Von seiner Wuchshöhe und Habitus noch unscheinbarer als sein zuvor behandelter naher Verwandter wird auch der Buchenfarn häufig übersehen. Auch er erreicht ebenso in Mülheim die Grenze seines Verbreitungsgebietes und wird daher in der Roten Liste im Naturraum Niederrheinisches Tiefland als potentiell gefährdet (im neueren Sprachgebrauch "von Natur aus selten") geführt.

Europäischer Siebenstern (Trientalis europaea)

Der Europäische Siebenstern fehlte in der Florenliste von J. Pieper von 1974 und war auch R. Düll & H. Kutzelnigg (1980) für den gesamten Raum des westlichen Ruhrgebietes nicht bekannt. Im Rahmen der Biotopkartierung in Mülheim im ehemaligen Grünflächenamt der Stadt gelang dieser Erstfund im Jahr 1986 ( vergl. Düll & Kutzelnigg 1987 im Nachtag) . Der Siebenstern ist allein schon durch seine namensgebenden sieben sternförmig angeordneten hellen Blütenblätter auffällig. Kurz nach dem Erstfund an der Mühlenbergsheide wurde er an zwei weiteren Stellen in Bereich der A2/A3, Entenfang entdeckt. Der Siebenstern ist hauptsächlich in Nadelwäldern und Zwergstrauchgesellschaften verbreitet; es könnte sein, dass die Vorkommen bei uns durch Verschleppung mit Baumschulware von Nadelgehölzen (Kiefern, Fichten) zu erklären sind. Zur aktuellen Verbreitung siehe die Karte bei Haeupler et. al. 2003.

Riesen-Schachtelhalm (Equisetum telmateia)

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flora4-3.jpg (28671 Byte)Der in Nordrhein-Westfalen als gefährdete betrachtete Riesen-Schachtelhalm kommt in Mülheim erfreulicherweise noch an einigen Stellen z.T. mit beachtlichen Beständen vor. Die Wuchsorte dieses 50 bis 150 cm hohen Schachtelhalms in den Quellfluren des oberen Rumbachtales führten u.a. dazu, auch hier im Landschaftsplan ein Naturschutzgebiet auszuweisen. Die Bestände im Forstbachtal und im Hexbachtal sind interessanterweise sogar in Ausbreitung begriffen. Links der Ruhr fehlt der Riesen-Schachtelhalm, er ist auf kalkreiche Tonböden in Quellfluren angewiesen. Der bis zu 7 %ige Anteil an Kieselsäure machte den Schachtelhalm früher als Zinnputzmittel beliebt, er wird volkstümlich auch Zinnkraut genannt.

Ginster-Sommerwurz (Orobanche raptum-genista)

Die als Vollparasit auf den Wurzeln des Besenginsters (Cytisus scoparius) siedelnde Ginster-Sommerwurz (Name !) fehlt weitestgehend im westlichen Ruhrgebiet, obwohl ihre Wirtspflanzen nicht selten ist. R. Düll & H. Kutzelnigg geben sie 1987 für unseren Bereich als verschollen an. Derzeit finden wir die Art, Jahr zu Jahr im Bestand schwankend, in wenigen Exemplaren am Mintarder Berg.

Saat-Hohlzahn (Galeopsis segetum)

Der Saat-Hohlzahn wird bei R. Düll & H. Kutzelnigg 1987 noch nicht erwähnt. Der Saat-Hohlzahn als Ackerbegleitkraut wächst heute am Mintarder Berg auf einer Fläche, die noch bis Ende der vierziger Jahre als Acker bestand. Der sehr magere Standort wurde dann aufgegeben, zeitweise als Schafsweide benutzt und ist seit ca. 15 Jahren Brache. Gelegentliche Mäh- und Rodungsaktionen des ehemaligen Grünflächenamtes versuchten den trockenen Hang immer wieder gehölzfrei zu halten – insbesondere das Zuwachsen mit Brombeere zu verhindern. Sinn der Maßnahmen war es seltenen Tier- und Pflanzenarten (Blindschleiche, Wald-Eidechse, Rundblättrige Glockenblumen etc.) den Lebensraum zu sichern. Durch Freilegen des Rohbodens, ähnlich wie beim Pflügen, bekamen die seit vielen Jahren aus der Ackernutzung im Boden verharrenden Samen des Saat-Hohlzahn plötzlich konkurrenzfrei die Möglichkeit, erneut zu keimen. Ohne regelmäßige Mahd, Rodung und Bodenverwundung wird sich der Bestand dieses seltenen Ackerbegleitkrauts nicht halten können.

Dorniger Schildfarn (Polystichum aculeatum)

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Dorniger Schildfarn (Polystichum aculeatum)Dieser außergewöhnliche Fund im Forstbachtal stellt möglicherweise den einzigen derzeit bekannten Wuchsort im Bereich der Westfälischen Bucht dar. Der Dornige Schildfarn ist ein typischer Gebirgsbewohner und fehlt natürlicherweise im Flachland. In der Roten Liste von Nordrhein-Westfalen wird er derzeit für diesen Naturraum als verschollen geführt. Im Forstbachtal siedelt jedoch nur eine kleine Einzelpflanze, so dass abzuwarten bleibt, ob die Art sich hier erfolgreich halten wird.

Zerbrechlicher Blasenfarn (Cystopteris fragilis)

Der seit vielen Jahren bekannte Wuchsort des Blasenfarns an einer Mauer im unteren Rumbachtal kann aktuell bestätigt werden. Es handelte sich offenbar um das einzige Vorkommen in Mülheim an der Ruhr und zudem um einen der nordwestlichsten in Mitteleuropa. Da die Art in Nordrhein-Westfalen fast ausschließlich die Mittelgebirge besiedelt, zählt sie im Flachland, hier in Mülheim an der Ruhr liegt der Wuchsort im Bereich der Westfälischen Bucht, als gefährdet.

Krähenfußblättriger Wegerich (Plantago coronopus)

Die in der Roten Liste NRW als verschollen geführte nah verwandte Art unseres häufigen Spitz-Wegerich (Plantago lanceolata) konnte 1995 erstmalig im Kreuzungsbereich Essener Str./ Kattowitzer Str. auf dem geschotterten Gehweg beobachtet werden. Der Bestand, der zunächst als unbeständig eingestuft wurde, hält sich seitdem in einer Populationsgröße von bis zu 50 Individuen, Tendenz steigend. Der salzverträgliche Krähenfußblättrige Wegerich scheint hier mit Autoreifen eingeschleppt zu sein und wird möglicherweise durch den jährlichen Streusalzeintrag gefördert.

Frühe Haferschmiele (Aira praecox) und Nelken Haferschmiele (Aira caryophyllea)

Die beiden kleinen Gräser wurden erst 1996 in Mülheim entdeckt. Beide Pflanzen, die zum Arteninventar der Sandtrockenrasen zählen, sind vermutlich zuvor aufgrund ihres jahreszeitlich sehr frühen Blühzeitpunktes und ihres kleinen Wuchses übersehen worden. Aktuell findet sich von der Frühen Haferschmiele ein großer Bestand am Entenfang (ein Bestand mit wenigen Individuen auf dem Kasernengelände wurde im Rahmen der Baumaßnahmen zerstört). Die Nelken Haferschmiele siedelt auf der Pferdeweide im Kock's Loch und an zwei Orten in der Trinkwassergewinnungsanlage in Styrum. Beide Gräser zählen zu den landesweit gefährdeten Pflanzenarten.

Echter Frauenspiegel (Legouisa speculum-veneris)

Der Echte Frauenspiegel zählt zu den seltenen Ackerbegleitkräutern auf sandigen Äckern unseres Raumes. Derzeit ist lediglich ein einziger Standort auf einer Ackerbrache am Oemberg bekannt. Der Echte Frauenspiegel ist ein Paradebeispiel für den Rückgang vieler Ackerbegleitkräuter, die der immer professionelleren Saatgutreinigung und dem vermehrten Herbizid-Einsatz nicht standhalten konnten. Heute wird er entsprechend in der Roten Liste Nordrhein-Westfalens als stark gefährdet und sogar bundesweit als gefährdete Pflanzenart geführt.

Hirschzunge (Asplenium scolopendrium)

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Hirschzunge (Asplenium scolopendrium)Die Hirschzunge zählt von Natur aus zu den sehr seltenen Pflanzenarten unseres Raumes, da sie ursprünglich in Nordrhein-Westfalen nur in den felsigen Kalkgebieten des Mittelgebirges vorkam. Durch die ehemalige Verwendung von Kalkmörtel beim Bau von Mauern wurden jedoch auch in den sonst basenarmen Gebieten Standorte geschaffen, die die Hirschzunge besiedeln kann. Bevorzugte Wuchsorte sind insbesondere Brunnenschächte, die sowohl den basenreichen Kalkmörtel, als auch ein kühl-feuchtes, ausgeglichenes Kleinbestandsklima aufweisen. Mit dem Verschütten vieler Brunnenschächte sind so in den letzten Jahrzehnten auch die meisten Wuchsorte der Hirschzunge wieder verschwunden. Um so erfreulicher war der Fund im Jahr 1996 an einer sickerfeuchten Felswand an der A 52 (Höhe Ruhrtalbrücke) und dann 1997 in dem erst vor ca. 10 Jahren wieder freigelegten Brunnen vor dem Kloster Saarn. Ein aktueller Nachweis gelang Anfang 2000 im Forstbachtal. Dazu erscheint Anfang 2001 in BUNDnatur  ein weiterer Aufsatz.

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