Die Flora von Mülheim

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Insgesamt sind über einem Zeitraum von über 200 Jahren 819 Pflanzensippen (ohne nähere Differenzierung der Brombeerenarten sowie Berücksichtigung von Zierpflanzen und unbeständiger Adventivarten) im Mülheimer Stadtgebiet nachgewiesen worden. Jedoch sind bereits 64 davon wieder verschwunden, so dass sich ein augenblicklicher Artenbestand von ca. 755 Pflanzensippen belegen lässt. Dies entspricht etwa der Hälfte aller in Nordrhein-Westfalen vorkommenden Farn- und Blütenpflanzen (siehe Tab. 2). Betrachten wir den Artenbestand Mülheims hinsichtlich seltener und gefährdeter Arten zeigt sich, dass von den aktuell nachgewiesen 755 Sippen 61 in der Roten Liste der in Nordrhein-Westfalen gefährdeten Pflanzenarten geführt werden. Die größte Gruppe mit 30 Sippen bilden die als gefährdet eingestuften Sippen (Kategorie 3), gefolgt von 20 Sippen, die zwar landesweit als ungefährdet erachtet werden, in einigen Regionen Nordrhein-Westfalens jedoch so deutliche Rückgangtendenzen aufweisen, dass sie regional als gefährdet eingestuft werden. Zu diesen letzteren zählen im Mülheimer Stadtgebiet vor allem solche Pflanzenarten, die sich hier am Rand ihrer natürlichen Verbreitungsgrenze befinden (siehe im Kap. "Naturräumliche Aspekte").

Aus Sicht des Naturschutzes ist vor allem die Gruppe der 64 innerhalb eines Zeitraumes von 200 Jahren verschollen Sippen beachtlich (siehe Tab. 3), da diese Pflanzenarten den rasanten Wandel der Mülheimer Landschaft von der ehemals land- und forstwirtschaftlichen geprägten Kulturlandschaft zur Industriestadt anzeigen. Betroffen sind vor allem Pflanzenarten feuchter und nährstoffarmer Lebensräume wie Moore und extensives Grünland, die durch Entwässerung, Überdüngung und die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzungen sowie die enorme Ausweitung der Siedlungs-, Gewerbe- und Industriegebiete heute im Raum Mülheim sehr selten geworden sind. Doch der Trend hält weiter an. Selbst innerhalb der letzten 25 bis 30 Jahre sind ca. 10-15 Sippen verschollen, davon alleine in den letzten 10 Jahren etwa 5. Ein positives Ergebnis der Untersuchung sind zahlreiche Neufunde, die für das Stadtgebiet bislang nicht bekannt waren und Wiederfunde, die bisher als verschollen betrachtet wurden. So konnten z.B. im Rahmen von Biotop- und Artenschutzmaßnahmen, vor allem bei neu angelegten Kleingewässern, eine Reihe solcher Sippen beobachtet werden (vgl. Keil & v. Berg 1998). Die gründliche Suche nach seltenen Waldpflanzenarten brachte gerade bei den Farnpflanzen einige bemerkenswerte Funde (siehe unten). Auch im Bereichen stark gestörter Standorte wie Industriebrachen, Wegränder und verbaute Flussufer konnten eine Reihe bemerkenswerter Pflanzenarten festgestellt werden, von denen eine beachtliche Anzahl nicht zur heimischen Flora zählt (sog. Neophyten = Neuankömmlinge).

 

Tab. 2: Vorläufige Sippenbilanz der Flora von Mülheim
 im Vergleich mit Duisburg und Umgebung sowie mit ganz NRW

Mülheim

Duisburg und Umgebung

NRW

Gesamtzahl der Sippen

(ohne Brombeeren, unbeständige Adventivarten und Zierpflanzen)

819

1481

1652

davon verschollen (innerhalb der letzten 200 Jahre)

64

372

82

aktuelle Vorkommen

755

1109

1361

davon in der Roten Liste in NRW gefährdeter Pflanzenarten

davon: verschollen

stark gefährdet

gefährdet

regional gefährdet

61

1

10

30

20

 

 

Tab. 3: Letzter Nachweis einiger in der Mülheimer Flora verschollener Pflanzenarten

Sippe

letztes Jahr der Beobachtung

Autor

Antennaria dioica

1800

F. F. Grimm

Isolepis fluitans

1860

Hausknecht

Carex diandra

1861

W. Polscher

Carum carvi

1861

W. Polscher

Genista germanica

1861

W. Polscher

Montia fontana

1861

W. Polscher

Eriophorum angustifolium

1861

W. Polscher

Apium inundatum .

1869

Ph. Wirtgen

Luronium natans

1869

L.V. Jüngst

Corrigiola litoralis

1926

H. Höppner & H. Preuss

Asplenium adiantum-nigrum

1931

J. Müller

Cicuta vilosa

1957

H. Burckhardt

Vaccinium oxycoccos

1957

J. Pieper

Galeopsis angustifolia

1958

J. Pieper

Lithospermum arvense

1958

J. Pieper

Gentiana pneumonanthe

1959

P. Pieper

Potamogeton obtusifolius

1971

R. Düll

Lycopodium clavatum

1973

H. Burckhardt

Pedicularis sylvatica

1973

H. Burckhardt

Filago minima

1990

P. Keil

Rhinanthus minor

1997

Th. v. Berg & P. Keil

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