200 Jahre botanische Forschung in Mülheim

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Textauszug von F.F.Grimm - 1800Die ältesten bekannten floristischen Arbeiten aus dem Duisburg-Mülheimer Raum sind als Dissertationen an der alten Duisburger Universität von T. K. Böninger (1790) und F. F. Grimm (1800) angefertigt worden. Beide Arbeiten befassen sich monographisch mit der "Flora Duisburgensis", wobei T. K. Böninger sich den wild vorkommenden Giftpflanzen und F. F. Grimm (siehe Abbildung) den wild wachsenden Heilpflanzen der Duisburger Umgebung widmet. Erst ein halbes Jahrhundert später beginnt mit den Arbeiten von W. Polscher und W. Meigen eine umfassende systematische Bearbeitung unseres Untersuchungsgebietes, die zunächst in der unvollständigen Publikation von W. Polscher (1861) und später von W. Meigen (1886) zusammengetragen wurden. Neben diesen Gebietsmonographien finden sich weitere floristische Einzelhinweise aus dem 19. Jahrhundert in den Arbeiten von F. W. Oligschläger (1839) und L.V. Jüngst (1869).

Anfang des 20. Jahrhunderts beginnen L. Bonte, R. Scheuermann und H. Höppner mit der systematischen Erfassung der Adventivflora (unbeständige Pflanzenarten, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden) des Ruhrgebietes und des Niederrheines. Dabei stehen vor allem Häfen, Bahnhöfe (z.B. Broich und Saarn), Kehrichtplätze und die damalige Kammgarnfabrik (Wöllerei) in Essen-Kettwig im Zentrum ihrer Betrachtungen. Die Ergebnisse dieser Adventivfloristik sind die Nachweise von über 1000 Pflanzen, die durch Anbau oder Einschleppung zu uns gekommen sind. Sie sind bis in Ende der 30er Jahre in zahlreichen Publikationen, z.B. Höppner (1910), Bonte (1916 u. 1930), Scheuermann (1928, 1934 u.1941) und Bonte & Scheuermann (1937) dokumentiert. Die meisten dieser Adventiv-Arten sind inzwischen längst wieder verschwunden.

Weitere Hinweise auf bemerkenswerte und seltene Pflanzenarten aus den 20er bis 40er Jahren sind den Arbeiten von J. Müller (1925, 1934 u. 1937) über die niederbergische Flora, auch mit einzelnen Hinweisen auf das Ruhrtal, sowie der von O. Lüstner (1925), Liste der im Raum Essen seltenen Pflanzen von O. Lüstner (1925), zu entnehmen.

Die erste vollständige Inventarisierung wurde schließlich von H. Höppner & H. Preuss (1926) mit der "Flora des Westfälisch-Rheinischen Industriegebietes" vorgelegt. Abgesehen von einzelnen Fundmitteilungen (z.B. von H. Burckhardt 1955, 1967) sind in den darauf folgenden Jahrzehnten bis in die 70er Jahre keine weiteren floristischen Untersuchungen über Mülheim publiziert worden. Erst in den 70er und 80er Jahren liegen mit den z.T. stadtfloristisch orientierten Arbeiten von J. Pieper (1974) für Mülheim an der Ruhr, H. Burckhardt (1973) und R. Düll & H. Kutzelnigg (1980 u. 1987) für Duisburg und Umgebung wieder floristische Untersuchungen vor.

 

 

 

Tab. 1: Chronologie der botanischen Erforschung von Mülheim und Umgebung

Jahr

Autor

Titel / Inhalte / Bemerkung

1790

T. K. Böninger

De plantis venenatis et speciatim de plantis venenatis agri Duisburgensis.

Dissertation über die Giftpflanzen der Duisburger Umgebung.

1800

F. F. Grimm

Enumeratio plantarium officinalium quae circa Duisburgum ad Rhenum sponte quam culturae ope crescunt.

Dissertation über die Heilpflanzen der Duisburger Umgebung mit zahlreichen Hinweisen aus dem Stadtrandgebiet DU-Duissern und MH-Speldorf.

1837

F. W. Oligschläger

Primitiae Florae phanerogamicae Solingensis-Montanorum. Verzeichniss phanerogamischer Pflanzen, welche in der näheren und weiteren Umgebung von Solingen, im Bergischen, wildwachsen.

Einige bemerkenswerte Hinweise, z.B. zum heute in Mülheim verschollenen Asplenium adiantum-nigrum (Schwarzer Streifenfarn) am Kahlenberg-Hang).

1861

W. Polscher

Anleitung zum Bestimmen der in der Umgebung von Duisburg wachsenden Gräser und Verzeichnis der daselbst vorkommenden Cruciferen, Umbelliferen, Compositen, Labiaten, Juncaceen und Cyperaceen.

Erste umfangreiche Artenliste zur Flora der Duisburger und Mülheimer Umgebung mit zahlreichen Mülheimer Fundortangaben.

1869

L. V. Jüngst

Flora Westfalens.

Einige bemerkenswerte Hinweise, z.B. zum heute in Mülheim verschollenen Luronium natans (Froschkraut) in der Ruhraue.

1870

Ph. Wirtgen

Flora der preußischen Rheinprovinz

Einige bemerkenswerte Hinweise, z.B. zum heute in Mülheim verschollenen Apium inundatum (Flutender Sellerie) im Stadtgebiet

1886

W. Meigen

Flora von Wesel.

Viele bisher nicht publizierte Hinweise für das Mülheimer Stadtgebiet, die er aus einem handschriftlichen Manuskript von dem bereits 1861 verstorben W. Polscher übernommen hat.

1910-1937

L. Bonte & R. Scheuermann

Verschiedene Beiträge zur Adventivflora des Niederrheins und des Ruhrgebietes.

Zahlreiche Publikationen die in dem Zeitraum zwischen der Jahrhundertwende und Beginn des 2. Weltkrieges mehr als 1000 Adventivarten aus unserem Raum belegen.

1926

H. Höppner & H. Preuss

Flora des Westfälisch-Rheinischen Industriegebietes unter Einschluss der Rheinischen Bucht.

Erste vollständige Inventarisierung der Flora des Ruhrgebietes.

1925-1938

J. Müller

Mehrere Beiträge zur Flora des (Nieder) Bergischen Landes.

Viele Hinweise auf die Flora des Mülheimer Ruhrtales.

ca. 1940

R. Laubert

Handschriftliche Notizen in einer Originalausgabe der Flora von Höppner und Preuss (Heute im Bestand der Stadtbücherei) mit einigen Hinweisen auf das Stadtgebiet. Siehe auch unser Literaturverzeichnis.

1955-1969

H. Burckhardt

Zahlreiche Publikationen in diesem Zeitraum, z.T. in Mülheimer Jahrbüchern erschienen, z.B. über den "Mülheimer Wald" oder die "Altwässer der Mülheimer Aue" mit vielen wichtigen floristischen Hinweisen.

1973

H. Burckhardt

Der Wandel der Flora von Duisburg und Umgebung seit 1800.

Wertvolle Publikation der interessanteren Pflanzenarten mit zahlreichen Hinweisen auf das Stadtgebiet.

1973

J. Pieper

Beiträge zur Flora von Mülheim a. d. Ruhr. Floristische Untersuchungen im Bereich Messtischblattes Nr. 4507.

Erste vollständige Inventarisierung der Flora des Stadtgebietes.

1980 und 1987

R. Düll & H. Kutzelnigg

Punktkartenflora von Duisburg und Umgebung (2 Auflagen).

Die Messtischblatt-Quadraten die das Mülheimer Stadtgebiet betreffen wurden  auch nach den vielen Angaben von J. Pieper bearbeitet.

1983-1999

Th. v. Berg

Biotopkartierung der Stadt Mülheim. (unveröffentlicht)

Katasterbögen mit umfangreichen Artenlisten der Flora einzelner wertvoller Biotope, Naturschutzgebiete und Geschützter Landschaftsbestandteile.

1993-1999

P. Keil

Mehrere Publikationen zu den Themen Ruhraue, Neophyten und Verbreitung von Mauerpflanzen, z.T. in Mülheimer Jahrbüchern erschienen, mit zahlreichen floristischen Hinweisen auf das Stadtgebiet

1998

P. Keil & Th. v. Berg

Tümpel, Teich und Weiher – Artenschutzgewässer in Mülheim.

Erfolgskontrolle von Kleingewässern mit einigen Neu- und Wiederfunden für das Stadtgebiet. Mülheimer Jahrbuch 1999

Wir haben eine fortlaufend aktualisierte Literaturliste für Mülheim zusammengestellt: einfach hier draufklicken

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