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Biologische Station mit oder ohne Essen? - Ein offener Brief an die Politiker unserer Nachbarstadt

Wie wichtig ist Politikern eigentlich der Naturschutz, die interkommunale Zusammenarbeit und die Stärkung des Ehrenamtes wirklich. Wir haben viel dazu hören und lesen können im letzten Jahr, hier ist endlich mal eine Chance zu beweisen, was man wirklich tun will. Gleichzeitig veröffentlichen wir hier der Stand der Dinge in Sachen Biologische Station Westliches Ruhrgebiet.

27. Juni 2002

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir wenden uns mit diesem Brief an Sie, weil wir meinen, die Verwaltung der Stadt Essen verspielt im Augenblick eine wichtige Chance für ihre Stadt.

Seit über zwei Jahren bemühen sich die anerkannten Naturschutzverbände der Stadt Mülheim an der Ruhr, Essen und Oberhausen (MEO), eine wichtige Lücke im Natur- und Landschaftsschutz mit der Gründung einer Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet zu schließen. Die Vorarbeiten sind geleistet, das Projekt ist in der entscheidenden Phase.

Biologische Stationen sind vom MUNLV und den beteiligten Kommunen geförderte Einrichtung, die zahlreiche Aufgaben übernehmen können, die in der Regel weder vom amtlichen, noch vom ehrenamtlichen Naturschutz geleistet werden können. Dazu zählen, um nur einige Beispiele zu nennen, der Bereich Umweltpädagogik außerhalb des Klassenzimmers, Pläne und Umsetzungen von Maßnahmen der Biotop und Landschaftspflege (insbesondere sensibler Biotope in der freien Landschaft), Monitorring der FFH-Gebiete, Erstellung von Gutachten und Planungen bei Bedarf, Beratung und Information der Bürger etc. etc.

Die Biologischen Stationen arbeiten (nicht nur in NRW) seit Jahren erfolgreich. Mit etwa 40 solcher Stationen ist NRW fast flächendeckend versorgt. Über diese „Erfolgsstory“ berichtet sehr umfassend das Heft Nr. 3/2001 der LÖBF-Mitteilungen der Landesanstalt für Ökologie NRW unter dem Titel: „Ein Gütesiegel des Naturschutzes.“ (Bei Bedarf können wir noch Exemplare dieses Heftes zur Verfügung stellen, aber auch das Internet liefert anschauliche Informationen zum Thema - europaweit). Lediglich das westliche Ruhrgebiet ist in NRW bisher ein „Weißer Fleck“. Dies war der Anlaß der ehrenamtlichen Naturschützer, auch für unsere Region eine solche Station zu gründen.

Mülheim an der Ruhr, Essen und Oberhausen bieten den - von ihrer Zugehörigkeit zu den Naturräumen aus betrachtet - sinnvollsten Zusammenschluß. Dies wird auch im MUNLV so gesehen, und so wurde uns sowohl von dort, als auch vom KVR gerne Unterstützung zugesagt. Inzwischen können wir davon ausgehen, daß die Förderung der Station gesichert ist. Die Kosten von ca. 10.000 EURO/Jahr pro Kommune sind gemessen am Effekt wirklich sehr gering! Der KVR hat seinen Anteil bereits beschlossen!

Bei unseren Bemühungen, nun auch die beteiligten Städte für dieses Projekt zu gewinnen, ergaben sich bezüglich Essen völlig unerwartete Schwierigkeiten.

Auf Einladung des KVR trafen sich am 24. Mai die Dezernenten und Umweltschützer in Herne (Biologische Station Östliches Ruhrgebiet) zur Besichtigung einer Station und zur Aussprache über das Projekt. Dabei wurde von Herrn Dez. Hinsen der Stadt Essen mit nicht nachvollziehbaren Argumenten erklärt, die Stadt Essen „brauche“ eine solche Station nicht, die Verwaltung regle alles selbst zur Zufriedenheit. Wenngleich wir nicht verschweigen wollen, daß wir das ein wenig anders sehen (aus Mülheim sei nur an das Hexbachtal erinnert!), so gibt es doch eine Unzahl von Aufgaben, die der amtliches und der ehrenamtliche Naturschutz weder leisten kann noch soll, - die aber deshalb nicht weniger wichtig sind. Denken Sie z.B. nur an den Stadtgrenzen überschreitende Projekte. Seit Jahren arbeiten 40 Biologische Stationen erfolgreich in NRW, zusammen mit dem amtlichen Naturschutz und ehrenamtlichen Naturschutz mit großen Nutzen für die Schulen, Kindergärten und die Bevölkerung – und die Natur. Gerade der integrative Ansatz ist das Erfolgsrezept der Biologischen Stationen.

Am 3.07.2002 wird in Essen der zuständige Dezernent, Herr Hinsen, dem Ausschuß für Öffentliche Ordnung über die geplante Station berichten. Nach unseren Erfahrungen aus Herne haben wir wohl berechtigte Zweifel, daß dabei alle zu erwägenden Aspekt für eine sachgerechte Beurteilung von der Essener Verwaltung dargelegt und richtig gewichtet werden.

Am 5.07.2002 werden auf einer Besichtigungsfahrt vom KVR, den Stadtverwaltungen und den Verbänden mögliche Standorte besichtigt. – Von Essen gibt es bisher keinen Vorschlag, obwohl wahrscheinlich ausreichend ungenutzte Liegenschaften vorhanden wären.

Mülheim an der Ruhr und Oberhausen haben klar ihre Bereitschaft signalisiert, sich an den Projekt zu beteiligen. Inzwischen wird die geplante Station aber auch von Duisburg (amtlich und ehrenamtlich) heftig umworben. Dort will man sich auf keinen Fall diese einmalige Chance (denn es wird nach Auskunft des MUNLV wohl die letzte Station sein, die gefördert wird) entgehen lassen. Die Naturschutzverbände haben erklärt, daß eine MEO-Lösung eindeutig die sinnvollste und naheliegende ist. Andererseits, sollte aus Essen nicht bald Bereitschaft zur Kooperation erkennbar sein, werden Duisburg, Oberhausen und Mülheim an der Ruhr die Station bekommen. Essen bliebe außen vor, den die sogenannte große Lösung DEMO wird allgemein als nicht praktikabel angesehen.

Nicht nur die Essener Naturschützer sind der Meinung, bei einem solch erfolgreichen Projekt in der MEO-Region darf Essen nicht abseits stehen. Der Gründungsverein der ehrenamtlichen Naturschutzverbände hat eindeutig erklärt, daß eine Station MEO die beste Lösung ist. Unterstützen Sie bitte den ehrenamtlichen Naturschutz in Essen in Ihrem Einsatz und diese Station.

Der BUND Mülheim an der Ruhr bittet Sie daher dringend, angesichts dieser Lage die Verwaltung in Essen von ihrem Verweigerungskurs abzubringen und ihre Stadt an der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet zu beteiligen. Dies wäre nicht nur ein wichtiges Signal für den Naturschutz im westlichen Ruhrgebiet, sondern endlich auch einmal Vorzeigeobjekt für die Region MEO.

Mit freundlichem Gruß

BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland

Kreisgruppe Mülheim an der Ruhr

Was bisher geschah steht in den anderen Beiträgen unter BUNDaktuell

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