BUND§29
Februar 2000
Bürgerfunk Antenne Ruhr
Sanierung des Kahlenberghanges - Verkehrsführung auf der Mendener Straße
Aber, aber, - so schwer ist das gar nicht zu verstehen:
Der Kahlenberghang bildet - geowissenschaftlich - betrachtet einen der nordwestlichsten natürlichen Felsstandorte in Mitteleuropa. Die Schichten des Oberkarbons tauchen etwa im Bereich der Innenstadt von Mülheim ab und markieren - deutlich in der Landschaft wahrnehmbar - den landschaftlichen Wechsel vom Mittelgebirge zum norddeutschen Flachland, dem Niederrheinischen Tiefland und der Westfälischen Bucht.
Nein, aber ohne etwas Sachkenntnis - die auch unseren Entscheidungsträgern im Rat ganz gut täte, wäre schließlich vieles ganz anders gelaufen.
Also: Mit dem Ausläufer des Mittelgebirges erreichen auch einige Tier- und Pflanzenarten ihre natürliche Verbreitungsgrenze für Nordrhein-Westfalen bzw. für die Bundesrepublik auf Mülheimer Stadtgebiet und einige sogar exakt im Bereich des Kahlenberghanges. Nur ein Beispiel: die Weiße Hainsimse - Luzula luzuloides.
Ach ja, das ist das Elend mit dem Naturschutz, prahlen wollen damit alle, doch wenn es um das "Kleingedruckte" geht, hören viele Leute einfach nicht mehr zu. Dabei kommt es eben im Naturschutz nicht auf das "Gut gemeint" an.
Weiße Hainsimse
Außer dieser Weißen Hainsimse befindet sich an dem einzigartigen Felsstandort eine hochspezialisierte Flora und Fauna, die die hohe ökologische überregionale Bedeutung des Kahlenberghanges unterstreicht.
Genau so muss man es ausdrücken! Entsprechend werden Teile des Hanges von der Landesanstalt für Ökologie (LÖBF) als landesweit geschütztes Biotop, sogenanntes §62-Biotop (Landschaftsgesetz NW) geführt (siehe Ökologischer Fachbeitrag zum Landschaftsplan 1994) und von der Stadt Mülheim und dem KVR im Entwurf zum neu aufzustellenden Landschaftsplan (1998) als "Geschützter Landschaftsbestandteil" dargestellt
Ja ja! Und daher hat die Stadt Mülheim eine besondere Verantwortung für ein solch bedeutendes Biotop im Stadtgebiet.
- und landesweit geschützten Biotoptyps
Genau, - und dessen bewusst, entscheidet sich der Rat der Stadt Mülheim trotzdem gegen den Erhalt der aktuellen Situation.
Das kann man so sagen. Vielleicht gar nicht beraten. Schlimmstenfalls heißt es dann: Die Belange des Autoverkehrs gehen hier vor dem Naturschutz! Wie fast immer. Nicht nur in Mülheim an der Ruhr
Dabei wäre mit der Sperrung der Mendener Str. für den Kfz-Verkehr, bzw. der Sperrung einer Fahrspur und der Sicherung der verbleibenden Fahrbahn durch eine kleine Mauer und Grube eine einfache Lösung des Problems "Verkehrssicherheitspflicht" leicht und kostengünstig möglich gewesen.
Dabei sind die Folge und Unterhaltskosten noch gar nicht zu benennen. Da kommt auf die Stadt noch was zu.
Der BUND Mülheim an der Ruhr hat bereits in einigen Sitzungen des Landschaftsbeirates -
- sowie in Gesprächen mit Vertretern der Verwaltung und Vertretern unterschiedlicher politischer Parteien seine Beurteilung zum Ausdruck gebracht.
Praktisch nix! Die verweisen auf die Beschlusslage, wie es so schön heißt. Dabei hat beim Beschluss weder ein Fachplan zur Beurteilung des Eingriffs vorgelegen noch wissen die bis jetzt, wie dieser schwerwiegende Eingriff ausgeglichen werden soll!.
Genau so ist es. Übrigens oft
geübte Praxis, nicht nur in Mülheim.Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Da ist nichts mehr rückgängig zu machen. Unterbleiben muss jetzt alles, was dem Hang weiter schadet. Also Schluss mit der unsinnigen "Anspritzung" von Plastikgrün an den Hang. Der sollte sich selbst überlassen bleiben. Die Natur weiß viel besser, was dort wachsen kann und soll. Der BUND unterstützt die Forderung der Bürgerinitiative Kahlenberghang, künftig wenigstens die Mendener Str. als Einbahnstraße zu führen, um einen für diesen Abschnitt dringend erforderlichen Fuß-/Radweg zu realisieren sowie das PKW-Verkehrsaufkommen für diesen ökologisch hochwertigen und für die erholungssuchende Bevölkerung wichtigen Raum zu reduzieren.
![]()
© BUND Mülheim an der Ruhr