1997

Quer durch das Jahr

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Fast schon traditionell begann das BUND-Jahr für die Kreisgruppe mit einer Pressekonferenz in Haus Ruhrnatur. Schon im Februar erregte der BUND Aufsehen mit dem Forum über die umstrittenen Modalitäten der Stadtwerke-Gründung. Prompt, aus ihrem Dornröschenschlaf aufgeweckt, zogen die politischen Parteien mit einigen »Schaukämpfen« nach. Weitere Gespräche bei den Grünen und der CDU brachten für unsere Position nichts positives. Nachdem die Grünen nun ihre Kandidatin in eine wichtige Position bugsiert haben, bleibt abzuwarten, was für Mülheim daraus wird. Das Thema ist für uns damit nicht erledigt.

Zahlreiche Termine gab es wegen des unsäglichen Waldentwicklungsplans der Stadt Mülheim. In der Politik als »Jahrhundertwerk« gepriesen, erweist es sich endlich als die Makulatur, für die wir das Papier immer gehalten haben. Bis heute ist keine Maßnahme auch nur im Konzept entwickelt. Arbeitstreffen mit dem Oberförster fanden mangels Anwesenheit von Herrn Pfaff nicht statt. Statt dessen wurde gleich noch die - auch sehr kritisch zu sehende - Zertifizierung des Mülheimer Waldes angestrebt. Der Wald hat davon erst mal nix - es macht sich aber sonst gut.

Ein Höhepunkt in diesem Jahr war der Bau des Floßes und die Teilnahme der Bund-Jugend an »Voll die Ruhr«, danach aber fuhren die Erbauer, Eltern und Aktive bei prächtigsten Wetter die traumhaft schöne Strecke zwischen Kettwig und dem Mülheimer Hafen. Dies war einmal mehr die Gelegenheit zu zeigen, dass bei uns Natur- und Umweltschutz und Spaß wirklich keine Gegensätze sein müssen. Das Bund-Floß wartet im Winterquartier schon auf weitere Abenteuer...

Im Juni fand die Gesprächsrunde bei Frau Sander mit Oberstadtdirektor Predeick statt. Ein erfreulicher Anfang wurde gemacht, wir können nur hoffen, dass unsere Anliegen auch weiterhin »ganz oben« gehört werden. Um so unerfreulicher war, dass die Kontakte zur Mülheimer SPD völlig abgebrochen sind, hier fehlen offenbar der Wille und der Sachverstand, den BUND als Partner ernst zu nehmen. Die Grünen haben durch ihr Taktieren in der Angelegenheit Hansa-Straße sehr viel an Vertrauen verspielt.

Mit Rat und Tat haben wir wieder einigen Bürgerinitiativen helfen können, Stichwort Bebauung Honigsberger Straße und Wasser-Straße. Vom Tisch sind die Sachen zwar noch nicht, der BUND bleibt aber am Thema.

Das leidige Thema Kanadagänse wurde mit einer Zählung etwas sachlicher gestaltet. Die Obere Jagdbehörde wird nun wohl festlegen, welche Anzahl Gänse Mülheim verkraften kann und ab wann geballert werden soll. Einen nachweisbaren Schaden haben die Tiere bisher nicht verursacht. Irgendein fadenscheiniger Grund wird sich schon finden, die Jagd zu eröffnen. Wie das »waidgerecht« geschehen soll, ist ziemlich unklar.

Schon peinlich ist der Umgang der Politik mit dem Thema »Lokale Agenda«. Die Forum-Veranstaltung der CDU hat gezeigt, hier wird wohl nicht viel zu erwarten sein. Andererseits, die haben wenigsten schon mal was davon gehört, bei SPD und Grünen: Fehlanzeige. Der BUND wird zusammen mit anderen (z.B. den Frauenorganisationen) hier 1998 aktiv werden. Organisatoren werden schon jetzt gesucht.

Ein Problem, das uns auch 1998 stark beschäftigen wird, ist die rücksichtslose »Spaß-Guerilla«, die mit illegal errichteten Steganlagen und dröhnendem Drachenboot Tam-Tam die Ruhr zum Freizeitpark verkommen lassen will. Das Training und die Rennen sind einer ernste Bedrohung des bisher akzeptierbaren Nebeneinanders von Naherholung, Sport und Naturschutz. Das ganze wird mit den hehren Zielen der Sport- und Jugendarbeit garniert - als müsste man uns was über Jugendarbeit erzählen. Wir werden die Politik und die Verwaltung nicht zuletzt an ihrem Verhalten in dieser Frage messen. Und wir werden das Messergebnis sicher nicht verschweigen.

Thorald vom Berg

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© BUND KG Mülheim an der Ruhr